Gehirnsteuerung: Von Katzenohren bis zum Gedankenlesen?

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Tiere zeigen durch ihre Ohren, ob sie sich konzentrieren oder wachsam sind. Nun tun das auch Menschen – jedenfalls, wenn sie Necomimi tragen. Das sind zwei Plüschohren, die über einen Sensor ans Gehirn gekoppelt sind und je nach Laune des Menschen ihre Stellung verändern, sich anlegen oder spitzen. Das ist verspielt, kitschig, unnütz, irgendwie typisch japanisch. Oder doch zu etwas nütze?

Gehirnsteuerung: Von Katzenohren bis zum Gedankenlesen?

Die Katzenohren „Necomimi“ (japanisch “neko”= Katze und “mimi”=Ohr) fangen mit einem Sensor die Hirnwellen des Trägers ein, messen also den Hirnstrom wie bei einem EEG im Krankenhaus. So messen sie, ob der Mensch aufmerksam ist oder entspannt, und entsprechend drehen sich die Ohren: Bei Aufmerksamkeit richten sie sich auf, spitzen sich, bei Entspannung legen sie sich an. Das Time Magazine fand das so bemerkenswert, dass es die Necomimi in seine Liste der 50 spannendsten Erfindungen des Jahres 2011 aufnahm.

Noch ist es eine reine Spielerei, ein Gimmick für hippe Teenager-Mädchen, die es cool finden, Tierohren zu haben (oder wahlweise auch Hundeohren oder Teufelshörner) – siehe auch die Facebook-Seite des Herstellers Neurowear, wo vor allem junge Frauen oder Mädchen die Ohren tragen. Die Necomimi sind ein Asien-typisches Lifestyle-Produkt, das in Hongkong oder Tokio auf der Straße getragen wird, aber für Westeuropa wahrscheinlich zu verspielt sein dürfte. Immerhin sind die Necomimi mittlerweile auch hier erhältlich, sie wurden Anfang Juli auf der Japan-Expo in Paris vorgestellt und für einen Preis von 150 Euro verkauft. Bei Amazon.de gibt es ein .

Sind die Necomimi ein Schritt auf dem Weg zum Lesen von Gedanken? Gemach, Gemach. Irgendwo schon, weil hier eine Übertragung aus dem Gehirn ohne Worte oder Bewegungen erfolgt. Doch es werden bisher vor allem Emotionen übertragen, keine Gedanken gelesen. Das dürfte erheblich komplexer sein. Der Weg zum Gedankenlesen ist noch sehr lang, doch ein erster Schritt ist gemacht. Besonders an den Ohren ist darüber hinaus, dass sie eine bisher nur medizinisch oder technisch angewendete Technologie in den Lifestyle-Sektor transportieren und so für seine Verbreitung im populären Bereich sorgen. Die EEG-Sensoren gehen so in die Massenfertigung, dürften billiger und unauffälliger werden und vielleicht wirklich irgendwann ein Massenprodukt werden.

Gimmick oder ernsthafte Technik?

Die ersten Einsatzmöglichkeiten lassen ausserhalb des medizinischen Bereiches zeigen jedoch, dass die Technologie zu Recht erstmal im Lifestyle Anwendung findet. Denn wirklich brauchen tut das Mini-EEG kaum jemand: Fahrrad-Tüftler in Boston versuchen mit einem EEG den Gang ihres Fahrrads zu ändern – einfacher ist das sicher mit der Hand. Neurowear, der Hersteller der Necomimi, schlägt vor, per Mini-EEG in einer Disko zu messen, ob die Gäste den DJ mögen oder nicht: „Brain Disco“ – ein Blick auf die Tanzfläche dürfte dazu genügen. Auf der Technikmesse CES in Las Vegas wurde ein Verfahren vorgestellt, in dem sich ein Fernseher per EEG umschalten lässt (wenn auch mit Macken) – mal ehrlich, wer setzt sich einen EEG-Helm auf, wenn er einfach die Fernsteuerung benutzen kann?

Klar, hier lässt sich leicht spotten. Doch das sind nur die ersten Schritte, das erste Ausprobieren von Anwendungen für den Alltag von Gesunden. Die heutigen Anwendungen könnten indes bei Kranken oder körperlich Eingeschränkten sinnvoll eingesetzt werden, etwa Menschen, die nicht mehr die Kontrolle über ihre Stimme oder ihren Körper haben – Behinderte, Locked-In-Patienten.

Mehr Infos beim Hersteller Neurowear

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