Ist die ganze Technik noch gut für uns?

Technik, Fluch und Segen zugleich? Im Rahmen unserer Themenwoche „Technik“ der Zukunft möchte ich mir ein paar Gedanken dazu machen, wie die Technik uns bisher beeinflusst und verändert hat und was in Zukunft noch mit uns passieren könnte.

Ist die ganze Technik noch gut für uns?

Ich bin begeistert von Technik. Sonst würde ich meinen Job nicht machen können. Und dennoch sehe ich die ganze Sache auch immer wieder sehr kritisch, was aber auch vielleicht an meinem Charakter liegt. Wenn ich über Technik nachdenke, sehe ich auf der einen Seite den großartigen Nutzen, den wir als Menschen daraus ziehen können. Auf der anderen Seite ist dann aber auch noch diese „dunkle Seite“ der ganzen Entwicklung und der Missbrauch von dem, was eigentlich dazu entwickelt wurde, uns zu helfen. Deshalb möchte ich mir an dieser Stelle auch zwei kleine Szenarien ausmalen, wie sie zumindest überall dort, wo Technik eine solch große Bedeutung hat wie hier, vorstellbar ist.

Das gute Szenario

Garten Eden

(Bildquelle: Garden of Eaden)

Alles wird noch weiter vernetzt. Wir können mit einem Gerät zu jedem Zeitpunkt an so gut wie jedem Ort auf alle Informationen zurückgreifen, die wir oder irgendein Mensch hinterlegt hat. Wir werden zu digitalen Kosmopoliten, die durch das erlernte Wissen, das über das Internet und die damit verbundenen Technologie verbreitet wird, weltoffen sind und nach dem harmonischen Ganzen suchen.

Wir teilen alle Inhalte mit allen und lassen uns von allem anderen zu einer eigenen Leistungssteigerung ermutigen. Wir sind glücklich, weil wir alles haben und weil wir so effizient sind, wie noch nie zuvor. Unsere sozialen Kontakte werden durch das Internet und die zahlreichen sozialen Netzwerke ins Zahllose multipliziert.

Wir können uns vernetzen und so tatsächlich so etwas wie den Grundstein für eine alles umgreifende, wahre Demokratie legen, weil jeder zu allem seine Meinung abgeben kann und somit jeder gleichbedeutend ist. Wir werden zu guten Menschen.

Google übernimmt die Weltherrschaft, verteilt kostenloses Wissen, Strom, Internet und was man sonst noch so zum Überleben braucht, ohne dass jemals wieder Werbung in den Mittelpunkt gerückt wird. Wir sind zufrieden.

Das schlechte Szenario

Leider bin ich dann hin und wieder doch eher etwas misanthropischer veranlagt und neige dazu, eher das Schlechte in der Allgemeinheit des Menschen zu sehen. Natürlich geht es uns hier gut, aber die konstante Gegenwart von Technik und der Möglichkeit, während seines Aufenthalts im Internet weitgehend anonym zu bleiben, verändert uns merklich. Menschen verstecken sich immer mehr hinter ihren Geräten, die nach und nach immer weitere Lösungsvorschläge zu Problemen anbieten, die es vorher überhaupt nicht gab. Kontakte zu echten Personen „verkümmern“, weil der Umgang mit „Freunden“ im virtuellen Raum viel einfacher, unkomplizierter und „ungefährlicher“ ist. Ein einfaches Beispiel: Anstatt in einer neuen Stadt einen Einheimischen nach dem Weg zu fragen und so einen zwischenmenschlichen Kontakt herzustellen (der auch in einer neuen Bekanntschaft enden könnte) schnappen wir uns unser Smartphone und erledigen die ganze Sache lieber so.

johnny-mnemonic2

(Bildquelle: Tumbler)

Durch die ständige Anwesenheit von Kameras, GPS-Tracking, Aufnahmemöglichkeiten in Wort, Bild und Ton wird die Welt immer weiter vermessen und offenbart, aber auch irgendwie langweiliger, weil man dann doch schon alles zu Hauf online gesehen hat. Dann doch lieber im virtuellen Raum bleiben, wo man die Möglichkeit hat, alles und jeder an jedem denkbaren Ort zu sein, meist unabhängig von „realen“ Konsequenzen.

Die Umgangsformen wandeln sich. Während die „echte“ Kommunikation meist einen höflichen Ton erfordert (da man bei Unhöflichkeit auch schnell die entsprechende „echte“ Reaktion erhält), zeigt das Internet schon jetzt teilweise einen erbärmlichen, respektlosen Umgang von Menschen mit deren Mitmenschen. Mit noch größerer Vernetzung und der bei manchen Personen damit verbundenen realen Vereinsamung wächst dieses angespannte Verhältnis und sorgt für eine Verrohung der Zwischenmenschlichkeit. Von der Grammatik und der Sprache ganz zu schweigen, da Interpunktion und Orthographie vor die Hunde geht. Die Welt wird zu einem eizigen ROFLs, LMFAOs, BTWs, EODs, FAQs, IMOs und OMFG. Weil wir keine Zeit mehr haben, uns um unsere Rechtschreibung zu kümmern bzw. Worte auszuschreiben.

Der Mensch macht sich durchsichtig und offenbart alles von sich, selbst die intimsten Momente schreien nach Aufmerksamkeit durch die Außenwelt, die man früher noch aus ganz klaren Gründen lieber draußen lassen wollte. Warum besuchen Menschen Seiten wie „Rate my Poo“? Der Mensch wird also immer durchschaubarer und kann mit immer mehr Produkten, die er eigentlich gar nicht braucht, zugemüllt werden. Aber: Er will ja auch zugemüllt werden. Irgendwann sind Smartphones dann nur noch Chips, die direkt ins Hirn implantiert werden und einfach immer eingeschaltet sind, egal ob man das nun will, oder nicht. Impulse werden direkt an das entsprechende Nervenzentrum geleitet, man muss also gar nicht mehr überlegen, was man will, sondern nur noch dem digital erzeugten Drang folgen. Und dann...

(Bildquelle: Unser Laichingen)

Gut, ich weiß, dass ich die Sache hier gerade wahrscheinlich (hoffentlich) ziemlich überzeichne, aber ich bin nun Mal der Meinung, dass die ganze Technik uns im Leben einerseits wirklich bereichern kann, auf der anderen Seite muss man aber auch dafür sorgen, dass die Realität nicht auf der Strecke bleibt, denn neben Google+, Facebook, Twitter, LinkedIn, Xing, Amen, StumbleUpon, Flickr, Myspace, Badoo, Pinterest, Tumbler, StudiVZ, Jappy und wie sie alle heißen gibt es auch noch eine wirkliche Wirklichkeit, die ganz toll ist und in der es, auch ohne immer alles mit allen anderen teilen zu müssen, sehr viel zu erleben gibt. Und manchmal, ja, da kann man sogar sein Smartphone oder Tablet einfach ausschalten.

 

Quelle Titelbild: Alberta Diary

Nichts mehr verpassen? Dann folge GIGA Android bei Facebook, Google+ oder Twitter!

Neue Artikel von GIGA ANDROID

GIGA Marktplatz