Speed-Watching: Das steckt hinter dem neuen Serien-Trend

Selim Baykara

Speed-Watching ist das neue Binge-Watching. In der nicht enden-wollenden Flut an hochwertigen neuen TV-Serien haben hartgesottene Serien-Junkies die ultimative Lösung entdeckt, wie sie alle Neuerscheinungen sehen können und trotzdem noch ein Leben haben: Das sogenannte Speed-Watching. Wir erklären, was dahintersteckt und wie auch ihr zum Speed-Watcher werden könnt.

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TV Serien 2017

House of Cards Staffel 5, Goliath Staffel 2, neue Serien wie You are Wanted, dazu zahllose Neuerscheinungen auf Netflix, Amazon Video und Co. Man könnte diese Aufzählung beliebig fortsetzen – klar ist aber, dass es inzwischen viel zu viele Inhalte gibt, als dass man das alles schauen könnte. Und was die Sache noch schlimmer macht: Vieles davon ist gut, sehr gut sogar.

Das klingt zunächst paradox, denn was soll schlecht daran sein, wenn es zu viel Gutes von einer Sache gibt? Realität ist aber, dass wir alle nur begrenzt Zeit haben, außerdem will man ja auch nicht jede freie Minute vor dem TV verbringen. Genau deswegen haben findige Binge-Watcher einen neuen Trend entdeckt, um dieses Problem zu lösen: Das sogenannte Speedwatching.

Speed-Watching: Was ist das? Leicht erklärt

Speedwatching beschreibt die Praxis, Serien bei Netflix, Amazon Video und Co. mit einer höheren Geschwindigkeit als eigentlich vorgesehen abzuspielen, beispielsweise in der zweifachen Geschwindigkeit. Die Idee dahinter ist klar – wer doppelt so schnell schaut, kann auch doppelt so viel schauen. Ergo: Die Flut an Serien und Filmen kann endlich bewältigt werden.

  • Anhänger des Speed-Watching behaupten, dass das Gehirn schrittweise an die neue Geschwindigkeit gewöhnt werden könne und man das Tempo nach und nach erhöhen solle.
  • Empfohlen wird für Anfänger eine Geschwindigkeit von 1,4 oder 1,6 – diese kann man dann langsam auf das 2-fache oder sogar 2,4-fache des Originaltempos steigern.
  • Ursprünglich stammt der Trend aus den USA. Kein Wunder – dort werden auch die meisten neuen Serien produziert.
  • Erfunden haben soll das Speed-Watching der ehemalige Jura-Student Alexander Theoharis, allerdings nur durch einen Zufall, als er versehentlich an eine Taste kam, die ein gerade laufendes Video beschleunigte.
  • Seitdem schaue er Serien wie „Breaking Bad“ mit 1,6- und „The Office“ mit 2,4-facher Geschwindigkeit und Untertiteln. Seine Begründung: Er habe einfach wissen wollen, was in diesen Serien passiert, sich wegen der verlorenen Zeit im Studium aber oft schuldig gefühlt.

Dass der Faktor Zeit im Zusammenhang mit Serien ein Problem ist, ist unbestritten. Einer Studie des Sender FX zufolge, gingen alleinim Jahr 2016 ganze 455 neue Serien an den Start – zum Vergleich: 2006 waren es gerade einmal 192. Und für die Zukunft sehen die Autoren der Studie keine Anzeichen, dass dieser Trend abflaut.

Speedwatching: Game of Thrones in doppelter Geschwindigkeit

Speed-Watching ausprobieren – so geht’s

Wenn ihr das Speed-Watching selber ausprobieren wollt, gibt es zwei Möglichkeiten, Videos schneller abzuspielen:

  1. Ladet euch den VLC Media Player herunter – im Menü Wiedergabe findet ihr die Option Geschwindigkeit – hier könnt ihr festlegen, dass ihr ein Video schneller abspielt.
  2. Alternativ besorgt ihr euch den Chrome Browser, sofern noch nicht vorhanden.
  3. Ladet euch dann die Erweiterung Video Speed Controller herunter.
  4. Wie ihr das Plugin hinzufügt, erfahrt ihr hier: Chrome: Plugins anzeigen, installieren, deinstallieren – So geht’s.
  5. Anschließend geht ihr auf , Netflix oder einen beliebigen anderen Anbieter, bei dem ihr euch eine Serie oder einen Film im Stream ansehen könnt.
  6. Achtet darauf, dass ihr den Flash Player deaktiviert habt.
  7. Links oben im Video Player der Webseite seht ihr jetzt eine kleine graue Zahl, die das Tempo anzeigt: Standardmäßig könnt ihr mit den Tasten “D” und “S” die Geschwindigkeit schrittweise um den Faktor 0,1 erhöhen oder verlangsamen.

Normales Tempo zu langsam durch Speed-Watching?

Bleibt die Frage: Kann einen der übermäßige Gebrauch des Speed-Watching abstumpfen oder das Gehirn so “umprogrammieren”, dass man das normale Tempo einer Serie irgendwann nicht mehr erträgt? Bislang gibt es keine Langzeit-Untersuchung, allerdings kommt vermehrt Kritik auf, dass die höhere Geschwindigkeit den eigentlich vorgesehen Rhythmus einer Serie durcheinanderbringt – die Pausen und langsamen Momente, in denen nichts passiert, die aber dafür sorgen, dass die folgende Action umso härter einschlägt.

Dazu kommt natürlich die Frage, ob es überhaupt noch ein Genuss ist, wenn man im Eiltempo durch eine Serie hetzt, um so viele Folgen wie möglich mitzunehmen. Schließlich sind Serien und Filme mehr als die Summe ihrer Teile: Man schaut sie sich nicht nur an, um zu sehen, was passiert, sondern wie es passiert. Genau das fällt beim Speed-Watching aber weg, so die Kritiker. Serienschauen verkomme zum reinen Konsumieren, letztlich sei es ” eine groteske Erfahrung” – genauso als ob man doppelt so viel essen würde, nur um mal alles ausprobiert zu haben, so die Macher des Filmpodcasts Slashfilmcast Spaß in einer der letzten Folgen.

Habt ihr Speed-Watching schon ausprobiert oder seht ihr euch eure Lieblingsserien und -Filme lieber in der vorgesehenen Geschwindigkeit an? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren!

Weitere Themen: Amazon Video, Netflix, Lilyhammer: Story, Stream, Cast & alle Infos zur Serie von Netflix, KiKA Live Stream

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