Test: USB 3.0 am Mac mit LaCie USB 3.0 PCIe Adapter

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Apple gilt als Innovationsführer – einerseits ist dies unfraglich, andererseits beweist der kalifornische Hersteller immer wieder, dass neue Technologien nicht sofort in die eigene Produktpalette aufgenommen werden. So vermissen Mac-User auch im Jahre 2011 nach wie vor USB-3.0-Anschlüsse an ihren Macs. Eine Chance für Zubehörhersteller? macnews.de prüft anhand der LaCie USB 3.0 PCIe-Schnittstellenkarte für den Mac Pro* die Praxistauglichkeit der neuen Schnittstelle am Mac.

USB 3.0: Bestandsaufnahme
Wir Macintosh-Anwender sind stolz auf unsere Rechner, bieten sie doch vielfach Alleinstellungsmerkmale, um die man uns beneidet. Doch werden wir ebenso auch gerne belächelt: Bluray-Unterstützung, eSATA-Anschlüsse oder auch USB 3.0? Fehlanzeige! Vehement weigert sich Apple, diese Technologien anzuerkennen und ins aktuelle Rechner-Portfolio zu integrieren. Eine harte Prüfung für uns Mac-User, schließlich gehören die genannten Optionen mittlerweile zum Standardwerk in jedem besseren PC.

Im Bereich der Schnittstellenvielfalt galt Apple einst als Vorreiter, sei es bei der Einführung von USB oder auch der Entwicklung von FireWire. Doch mittlerweile verharrt man in der Vergangenheit: Allein USB 2.0 und FireWire 800 bietet die momentane Rechnerflotte. Und wirft man einen Blick auf das MacBook Air, so stellt man fest, dass Anwender selbst auf den schnellen Feuerdraht fortan verzichten müssen. Glaubt man einer Mail von Steve Jobs aus dem letzten Jahr, dann gehört USB 3.0 nicht zu den Errungenschaften, die Apple alsbald einführen wird. Stattdessen wird spekuliert, dass Apple die neueste Generation von USB überspringt und mit Intels Light Peak zukünftig einen noch schnelleren Standard unterstützen wird. Derweil wächst das Angebot an Peripherie und PCs mit USB 3.0 rasant – unabhängig von einer offiziellen Unterstützung seitens Intel und Microsoft Müssen wir uns also mit dieser unbefriedigenden Situation abfinden?

Nicht unbedingt, denn zumindest Besitzer eines Mac Pro mit PCI-Express-Schnittstelle oder auch eines MacBook Pro mit ExpressCard-Slot haben die Möglichkeit, dank Erweiterungskarten die schnelle USB-Schnittstelle ihren Rechnern hinzuzufügen. So stellte im November 2010 der französische Hersteller LaCie jeweils passende Karten mit den erforderlichen Mac-Treibern vor. macnews.de wagt den Praxistest anhand der PCI-Express-Schnittstellenkarte für den Mac Pro. Vom Hersteller wird die Karte als LaCie USB 3.0 PCI Express Card bezeichnet, was zu Missverständnissen führen könnte, da sie ausschließlich für den Einbau im Mac Pro geeignet ist. Im Cyberport-Shop wird die Schnittstellenkarte weniger missverständlich als LaCie USB 3.0 PCIe Adapter* bezeichnet. MacBook-Pro-Anwender können auf das USB-3.0-Pendant für den ExpressCard/34-Steckplatz* zurückgreifen.

Testkandidat: LaCie USB 3.0 PCI Express Card
Bevor man die LaCie USB 3.0 PCI Express Card in einem frei verfügbaren PCI-Express-Steckplatz des Mac Pro verbaut, sollte man sich zunächst vergewissern, mindestens Mac OS X 10.5 Leopard oder Mac OS X 10.6 Snow Leopard im Einsatz zu haben – andere Systemversionen werden nicht unterstützt. Bei der Karte von LaCie handelt es sich um ein OEM-Produkt, die schlichte beziehungsweise billige Verpackung passt so gar nicht zum Portfolio des sonst sehr designverliebten Herstellers. Die beiliegende Treiber-CD kann der Mac-User getrost ignorieren, diese richtet sich allein an PC-Anwender.

Den speziellen Mac-Treiber lädt man sich derweil von der LaCie-Website und installiert diesen, bevor man die Karte verbaut. Der Einbau der LaCie USB 3.0 PCI Express Card verläuft ohne weitere Probleme: Es müssen zunächst zwei Schrauben gelöst werden, die die Slot-Bleche halten. Danach entfernt man eines von diesen und setzt die Karte in den gewünschten Steckplatz. Eine Prozedur, die für geübte Anwender innerhalb von nur wenigen Minuten zu meistern ist.

Enttäuschung: Nur kompatibel zu LaCie-Festplatten
Doch die LaCie USB 3.0 PCI Express Card hält zunächst eine negative Überraschung parat: Der Anschluss einer beliebigen Festplatte mit USB 3.0 ist nicht von Erfolg gekrönt. Zwar erhält auch diese Strom, dennoch verweigert der Mac den Zugriff darauf. Nur über den USB-2.0-Anschluss des Macs wird diese erkannt. Wie kann dies sein? Der Blick auf die LaCie-Website bestätigt unsere Vermutung: „Der LaCie USB 3.0-Treiber für Mac OS ist nur für LaCie-Speicherprodukte geeignet.“ Und tatsächlich, eine LaCie Rugged Festplatte wird anstandslos erkannt. Nach dem Anschluss startet automatisch ein Set-Up-Assistent, der die Festplatte nach unseren Wünschen formatiert bzw. partitioniert. Im Anschluss ist im Systemprofiler der neue Anschluss (Super-Speed Bus) sichtbar.

Nach dieser herben Enttäuschung in Hinblick auf die eingeschränkte Kompatibilität der LaCie USB 3.0 PCI Express Card setzt sich die Ernüchterung nahtlos fort. Mit Carbon Copy Cloner fertigen wir zunächst eine startfähige Kopie des Mac-Pro-Festplatteninhaltes an. Leider müssen wir aber feststellen, dass es uns nicht gelingt, davon den Rechner zu booten. Keine Alternative also für den FireWire-Anschluss! Apropos: Möchte der Anwender die Festplatte erneut mit dem Festplattendienstprogramm formatieren, so sei erwähnt, dass dies nur am normalen USB-2.0-Anschluss des Macs gelingt. Versucht der Nutzer dies über die USB-3.0-Karte, quittiert das Programm den Vorgang mit einer Fehlermeldung. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass auch weitere Peripherie-Produkte wie beispielsweise Drucker Scanner oder Hubs von der LaCie USB 3.0 PCI Express Card ignoriert werden.

Zusammenfassend stellen wir fest: Die Alltagstauglichkeit der LaCie USB 3.0 PCI Express Card ist im hohen Maße eingeschränkt. Allein Festplatten von LaCie lassen sich nutzen, diese sind zudem auch nicht startfähig und lassen sich nur über USB 2.0 erneut formatieren. Obendrein sollte auch ein allgemeines Problem von USB 3.0 nicht ignoriert werden: USB-2.0-Geräte können nur mit USB-1.1-Geschwindigkeit an den Anschlüssen betrieben werden.

Performance-Vergleich: USB 2.0, FireWire 800 und USB 3.0
Den Nachteilen zum Trotz sollte doch wenigstens der Geschwindigkeitsvorteil den potentiellen Käufer entlohnen, oder etwa nicht? Der ursprüngliche Testfahrplan sah vor, zwei Laufwerke unterschiedlichen Typus jeweils in FireWire- und USB-3.0-Leergehäusen am Mac Pro ins Rennen zu schicken. Hierfür fiel die Wahl auf eine flinke Hybrid-Platte von Seagate (Momentus XT ST92505610AS) und eine ungleiche schnellere SSD (OCZ Agility 2). Leider durchkreuzte der „geniale“ Marketingschachzug von LaCie dieses Vorhaben, denn wie schon erwähnt, funktionieren mit dem USB-Treiber von LaCie allein die hauseigenen Platten. In Griffreichweite für den Geschwindigkeitstest unter USB 3.0 war somit nur eine LaCie Rugged Hard Disk* mit 750 GB. Dem Festplattendienstprogramm war zu entnehmen, dass LaCie hierfür eine Toshiba MK7559GSM verbaut – kein sonderlich schnelles Modell mit gerade einmal 5400 Umdrehungen in der Minute und einem bescheiden Cache von acht Megabyte. Dementsprechend ernüchternd sind dann auch die Ergebnisse, besonders wenn man sie mit den folgenden Werten von FireWire 800 vergleicht. Getestet wurde jeweils mit AJA System Test (128 Datei):

LaCie Rugged Hard Disk – USB 3.0:
Schreibgeschwindigkeit: 73,1 MB/s
Lesegeschwindigkeit: 73 MB/s

Seagate Momentus XT – FireWire 800:
Schreibgeschwindigkeit: 77,6 MB/s
Lesegeschwindigkeit: 73,5 MB/s

OCZ Agility 2 (SSD) – FireWire 800:
Schreibgeschwindigkeit: 78,3 MB/s
Lesegeschwindigkeit: 77,6 MB/s

Im direkten Vergleich „verliert“ die LaCie-Festplatte. Der Grund hierfür liegt aber nicht in der Schnittstelle, sondern schlicht und einfach an der verbauten Festplatte, die die theoretische Geschwindigkeit von USB 3.0 nicht einmal annähernd ausreizen kann. Welchen Sinn macht es, eine langsame Speicherlösung mit einer Hochgeschwindigkeitsschnittstelle auszustatten? Sehr schön zeigt sich dieser Widerspruch, wenn man die tatsächliche Leistung der alternativen Festplatte bzw. der SSD heranzieht. Im Inneren des Mac Pro (per SATA) „fliegen“ diese förmlich davon:

Seagate Momentus XT – SATA:
Schreibgeschwindigkeit: 103,1 MB/s
Lesegeschwindigkeit: 104,1 MB/s

OCZ Agility 2 (SSD) – SATA:
Schreibgeschwindigkeit: 224,3 MB/s
Lesegeschwindigkeit: 228,8 MB/s

Beide Modelle werden demnach von FireWire 800 spürbar ausgebremst und würden sich für den Einsatz in einem USB-3.0-Gehäuse empfehlen. Leider müssen wir aufgrund der zweifelhaften Markenpolitik von LaCie den Geschwindigkeitsbeweis schuldig bleiben. Es bleibt nur der Rat: Wenn man schon zu Festplatten von LaCie mit USB-3.0-Anschluss greifen muss, sollten es nur Modelle mit schnellen internen Laufwerken sein (3,5-Zoll und/oder mit mindestens 7200 Umdrehungen pro Minute).

Vorteile:
• Preis

Nachteile:
• nur für LaCie-Festplatten geeignet
• Festplatten nicht startfähig
• Anschluss weiterer Peripherie unmöglich

Fazit
USB 3.0 unter Mac OS X hat einen sehr schweren Stand. Nicht nur Apple verwehrt sich noch immer dieser Technologie, auch ein Zubehörhersteller wie LaCie macht es für potentielle Käufern unnötig kompliziert. Im Gegensatz zu Karten alternativer Hersteller (wie beispielsweise CalDigit, für die uns momentan kein deutscher Vertrieb bekannt ist) erzwingen die Franzosen durch ihren kastrierten Mac-Treiber ein Zwangsbundle mit den hauseigenen Festplatten. Hinzu kommen noch weitere Einschränkungen: Nicht vorhandene Bootfähigkeit, Formatierungsprobleme und der nicht mögliche Ausschluss weiterer Hardware.

Zusammenfassend können wir deshalb eine solche Erweiterungskarte nur bedingt empfehlen. Sinnvoller für Mac-Pro- bzw. MacBook-Pro-Nutzer sind da sicherlich ExpressCards mit eSATA-Anschluss. Diese bieten bei den meisten Festplatten die gleiche Leistung wie USB 3.0, sind meist noch bootfähig und werden wenn überhaupt nur von extrem schnellen SSDs ausgebremst.

LaCie USB 3.0 PCI Express Card
Hersteller: LaCie
Preis: circa 60 Euro
macnews.de-Wertung: 2 von 5 Sternen

Hinweis: Die Testgeräte wurden freundlicherweise von Cyberport* zur Verfügung gestellt.

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