Mobilfunk: Warum bekommen wir weniger Datenvolumen als unsere Nachbarn?

Johann Philipp
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Das Marktforschungsinstitut Statista hat untersucht, wie viel Datenvolumen ein Kunde für maximal 30 Euro im Monat bekommt. Im Vergleich mit unseren Nachbarn liegt Deutschland ziemlich weit hinten – genauer gesagt sind wir Letzter. Warum bekommen wir so wenig Datenvolumen für unser Geld?

Mobilfunk: Warum bekommen wir weniger Datenvolumen als unsere Nachbarn?

200 Euro im Monat. So viel müssen Telekom-Kunden für eine echte Datenflat ohne Limit bezahlen. In den Niederlanden bekommt man die für knapp 35 Euro von T-Mobile. Die Debatte kommt mit jeder neuen Studie wieder ans Licht: Die deutschen Mobilfunktarife sind im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn sehr teuer. Die Gründe dafür sind verschieden.

Konzerne müssen Lizenzen kaufen

Anders als zum Beispiel in Großbritannien müssen die drei großen Anbieter Telekom, o2 und Vodafone Lizenzen vom Staat erwerben, um überhaupt auf den Mobilfunk Frequenzen senden zu dürfen. Im Jahr 2015 zahlten die Anbieter zusammen 5,1 Milliarden Euro für diese Lizenzen. In anderen Ländern werden sie kostenfrei vergeben. Mit den Einnahmen fördern Bund und Länder zwar den Breitbandausbau von Festnetz-Tarifen, doch die Mobilfunk-Unternehmen wollen sich ihre Ausgaben von den Kunden natürlich wiederholen.

Infografik: Deutsche haben vergleichsweise wenig Volumen | Statista

Viel Fläche – viele Einwohner

Telekom Sprecher Dirk Wende erklärt im Focus-Magazin, dass in Deutschland noch weitere Gründe eine Rolle spielen: Die Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte sei im Vergleich zu unseren Nachbarn viel höher. In Finnland reiche es beispielsweise aus, in weitgehend unbewohnten Gebieten einen einzigen Funkmast aufzubauen, der dann 10-20 km abdeckt. In Deutschland müssen weit mehr Masten aufgebaut werden, weil viel mehr Menschen mit ihrem Smartphone auf einen Funkmast zugreifen.

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Deutsche Mobilfunknetze

Keine Unterstützung beim Mobilfunk-Ausbau

Ein weiterer Unterschied ist, dass deutsche Anbieter den Ausbau des Mobilfunknetztes ohne staatliche Förderung bewerkstelligen müssen. In vielen anderen Ländern wird nicht nur der Festnetz-Ausbau gefördert, sondern auch der Mobilfunk-Bereich. Weil in Deutschland  noch sehr viele Kunden einen Festnetzanschluss haben, hat er noch einen hohen Stellenwert. In Finnland ist man schon deutlich mehr auf das mobile Netz umgestiegen. Dadurch können die Unternehmen ihre Investitionen stärker auf das mobile Netz fokussieren.

Hohe Kosten durchaus berechtigt

Der Unterhalt und Aufbau eines Mobilfunknetzes ist kostspielig. Nicht nur die teuren Lizenzen, auch weitere Bedingungen sind für die Anbieter teuer: Die Bundesnetzagentur hat den Anbietern eine Pflicht gesetzt, 98 Prozent der Haushalte mit mobilem Internet zu versorgen. Neben den Besonderheiten in Deutschland ist aber auch der fehlende Wettbewerb an den Preisen schuld. Diesen Punkt sprechen die Anbieter weniger gerne an. Der Preis richtet sich eben wie immer nach Angebot und Nachfrage.

Neues Roaming-Gesetz bietet keine Lösung

Wer jetzt glaubt, dass er sich durch das neue Roaming-Gesetz der EU einfach eine günstige SIM-Karte im Ausland kaufen kann, der irrt. Die Anbieter prüfen, ob die Karte hauptsächlich im Ausland genutzt wird und können dann Aufschläge verlangen oder die Karte sperren.

Doch seien wir ehrlich, die Grafik von Statista zeigt auch, dass wir in Deutschland durchschnittlich nur 0,9 GB mobile Daten pro Monat verbrauchen. So schlimm steht es also bei Weitem nicht um den Mobilfunk-Markt. o2 hat bei seiner 15-Jahres-Aktion ein paar interessante Angebote, die sich auch durchaus mit der Konkurrenz aus dem Ausland messen können. Für 30 Euro gibt es dort 15 GB LTE und die Telekom bietet mit ihrer Stream-On Option grenzenloses Streaming von Filmen und Musik an.

Quelle: Statista, Focus

Weitere Themen: 5G: Wann kommt der LTE-Nachfolger? Und wie schnell ist er?, Deutsche Telekom

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