Zeitgenössische Sampler wie Kontakt zaubern mit mehreren Gigabyte umfassenden Bibliotheken realistische Klänge in die Produktion. Schwerfällige Hardware ist damit passé.

Kontakt 4, der Sampler des Berliner Herstellers Native Instruments, bietet in Sachen Funktionalität alles, was man sich von einem modernen Sampler wünscht. Neben Standard-funktionen wie Timestretching und Pitchshifting sind ein ausgewachsener Audio-Editor und eine sehr umfangreiche Effekt-Sektion mit Convolution-Reverb sowie einer großen Anzahl an Filtern und Modulationseffekten an Bord. Detaillierte Mapping- und Grouping-Optionen sowie eine leistungsfähige Skriptsprache ergänzen den Funktionsumfang. In Version 4 sind unter anderem ein Morph­filter für ausgefeiltere Artikulationsmöglichkeiten, neue Impulsantworten für das bord­ei⁠gene Convolution-Reverb, eine überarbeitete und erweiterte Library sowie ein neues verlustfreies Kompressionsverfahren für Audio-Dateien hinzugekommen.

Flexibel und platzsparend

Eine der großen Neuerungen ist die AET-Technologie. Sie soll das Problem beheben, dass Instrumente bei verschiedenen Spielstärken mitunter vollkommen anders klingen. Mit weniger Sample-Aufwand sollen dabei flexiblere Spielmöglichkeiten erzielt werden. Der AET-Filter setzt hierfür auf die FFT-Synthese, die von verschiedenen Velocity-Stufen spektrale Fingerabdrücke nimmt, zwischen denen man später stufenlos morphen kann. Wer möchte, nutzt diesen Filter auch für Sounddesign-Aufgaben, indem man nicht ­zwischen zwei Anschlagstärken überblendet, sondern etwa zwischen zwei unterschiedlichen Sounds. In der Praxis erweist sich der neue Filter als vielseitiges und nützliches Werkzeug. Die Bedienung bei der Erstellung eigener Morphvarianten ist zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig und wirkt sehr umständlich. Nach etwas Einarbeitungszeit lassen sich jedoch eindrucksvolle Ergebnisse erzielen.Nützlich ist die neue verlustfreie Kompres­sion von Samples. Die komprimierten Dateien verhalten sich auch beim Abspielen wie reguläre Audiofiles. Schade ist, dass die eigene Bibliothek nicht in diesem Format mitgeliefert wird, sondern ohne Kompression auf die Festplatte geschaufelt wird. 90 Minuten Installa­tions­zeit müssten also nicht sein. Nach Aussage von Native Instruments wird aber auf die Kompression verzichtet, da sich nur das kompres­sionslose Format von externen Audio-Editoren oder anderen Software-Samplern öffnen lässt.

Klangumfang

Rund 42 GByte groß ist die Sample-Bibliothek von Kontakt 4. Klassische Instrumente wie Blechbläser oder Streicher über Synth- und E-Piano-Klänge bis hin zu Ethno-Instrumenten und Drumloops finden sich. Von Pop bis Klassik ist für jeden etwas dabei, und auch die Klangqualität überzeugt. Highlight ist der Teil der Bibliothek, der von den Klassik-Spezialis­ten der Vienna Symphonic Library stammt. Hier findet man realistische Streicher – einzeln und als Ensemble –, Holz- und Blechbläser oder auch Percussion. Vielseitige, sehr detaillierte und ausdrucksstarke Spielvarianten wie Pizzicato oder Staccato lassen sich über dedizierte Notenbefehle realisieren. Lediglich die Klaviere aus der Band-Rubrik – bis auf den dort enthaltenen Flügel – machten einen etwas blassen und stumpfen Eindruck. Für illustre Sound-Ideen und überraschende Klangtupfer sorgen die gesampelten Spielzeug-Synthesizer aus den Achtzigerjahren. Auch die neu hinzugekommenen E-Pianos, die vorher in Native Instruments „Elektrik Piano“ zu finden waren, oder das Mellotron überzeugen.Ein weiteres Highlight sind die Chor-Sounds, die mit großem Detailreichtum als Chöre in ­Alto, Bass, Soprano und Tenor vorliegen. Verständlicherweise handelt es sich hier immer um gesungene Vokale. Für ganze Textphrasen, bedarf es weiterhin dedizierter Spezialisten. Die neue AET-Technologie kommt dabei zur stufenlosen Vokalüberblendung zum Einsatz.

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