Filmen mit dem Smartphone: Feiyutech-Gimbals SPG Live und G4 Pro ausprobiert

Ben Miller
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Mit dem richtigen Equipment lassen sich auch mit einem Smartphone cineastische Videos aufnehmen. Spezielle stabilisierende Stative, sogenannte Gimbals, sind dabei unabdingbar. Wir sind mit zwei solcher Smartphone-Gimbals auf Videotour gegangen und berichten Euch von unseren Erfahrungen damit.

Filmen mit dem Smartphone: Feiyutech-Gimbals SPG Live und G4 Pro ausprobiert

Ein Gimbal, zu Deutsch etwas umständlicher „kardanische Aufhängung“, ist eine Vorrichtung, die einen Gegenstand, in unserem Fall ein Smartphone, stabilisiert und so Erschütterungen und Wackler unterdrückt. Solche Gimbals finden sich beispielsweise an Helikoptern, die für Filmproduktionen eingesetzt werden, oder auch an so mancher Kameradrohne.

Das chinesische Unternehmen Feiyutech bietet mit dem SPG Live quasi eine Kreuzung aus Smartphone-Gimbal und einem Selfie-Stick an.

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FeiyuTech SPG Live – Testvideo

SPG Live: Äußerst beweglich

Der SPG Live verfügt über eine 3-Achsen-Stabilisierung, die sich je nach ausgewähltem Modus entweder den Bewegungen des Nutzers anpasst oder das Smartphone starr in eine vorgegebene Richtung ausrichtet – ungeachtet möglicher Bewegungen und Drehungen des Haltegriffes.

Über den in den Griff integrierten Joystick kann das Smartphone zudem in jede Richtung gedreht und geschwenkt werden. Aufgrund der besonderen Konstruktion sind auch 360°-Drehungen in der Vertikalen möglich. Das ist in der Welt der Kompakt-Gimbals keine Selbstverständlichkeit.

Bildergalerie FeiyuTech SPG Live

Im Griff findet sich außerdem – neben dem Einschalte- und Funktionsknopf – ein Shutter-Button, mit dem sich die Aufnahme auf einem per Bluetooth gekoppelten Smartphone starten und stoppen lässt. Somit kann man mit nur einer Hand nicht nur den Gimbal steuern und ausrichten, sondern auch ohne Umgreifen die Videoaufnahmen starten und stoppen.

Angetrieben wird der SPG Live von einem auswechselbaren 3000-mAh-Akku, der gute 8 Stunden hält, das Aufladen des SPG-Live erfolgt per Micro-USB.

Im Lieferumfang enthalten ist außerdem ein zusätzliches Gegengewicht, das angebracht werden muss, wenn das jeweilige Smartphone etwas mehr auf die Waage bringt. Für ein iPhone 7 beispielsweise reicht das Standardgewicht. Spannt man aber ein iPhone 7 Plus ein, muss schon das große Gewicht her. Apropos einspannen: Der SPG Live unterstützt Smartphones mit einer Breite von bis zu 80 Millimetern. Ein Maximalgewicht gibt Feiyutech leider nicht an. In unserem Test zeigte sich aber, dass ein iPhone 7 Plus sowohl hinsichtlich seiner Abmessungen, als auch ob seines Gewichts von 188 Gramm schon an der Obergrenze dessen kratzt, womit der SPG Live umgehen kann.

Feiyutech bietet für den SPG Live noch eine Companion-App an, mit der sich Feineinstellungen am Gimbal vornehmen lassen sollen. Leider ist diese App zumindest unter iOS 10 nicht funktionstüchtig.

Der G4 Pro: kleiner, aber nicht schlechter

Der Feiyutech G4 Pro etwas kleiner als der SPG Live. Auch er besitzt eine 3-Achsen-Stabilisierung und kann sich in der Vertikalen um 360 Grad drehen. Seine Akkulaufzeit beträgt mit 4 Stunden nur die Hälfte des SPG Live, dafür sind im Lieferumfang des G4 Pro insgesamt vier Akkus enthalten (zwei davon werden für den Betrieb des G4 Pro benötigt).

Bildergalerie FeiyuTech G4 Pro

Abgesehen von der Akkulaufzeit und den unterschiedlichen Abmessungen unterscheiden sich die beiden Gimbals voneinander nur durch den Rollwinkel. Jener des G4 Pro beträgt 100 Grad und der des SPG Live 320 Grad. Folglich hat der SPG Live mehr Bewegungsspielraum. Beide Gimbals sind überdies mit einem Stativgewinde ausgestattet.

Für den SPG Live verlangt Feiyutech 259 Euro, der G4 Pro schlägt mit 179 Euro zu Buche.

Fazit

Damit ist das Preis-Leistungs-Verhältnis beim G4 Pro etwas besser als beim SPG Live. Kleiner Wermutstropfen: Da die Companion-App in unserem Test leider nicht funktionierte, können Fehlstellungen nicht ausgeglichen werden. Folglich hatten wir je nach Smartphone und Gewicht des Gerätes ein paar Grad Schieflage, die wir zunächst hinnehmen und später am Computer ausbessern mussten. Abgesehen davon verrichten beide Gimbals ihren Dienst aber gut und auch die Steuerung über die integrierten Joysticks resultierte in flüssigen, ruckelfreien Bewegungen.

Es braucht freilich ein wenig Übung, um weiche, kinoreife Kamerafahrten hinzubekommen – mit einem Gimbal, wie den beiden von uns getesteten Feiyutech-Exemplaren, steht hoch professionell aussehenden Schnittbildern und Schwenks, die ihr mit eurem Smartphone erstellt, aber nichts im Wege.

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