Entwickler erklärt: Die aktuelle „toxische Videospiel-Kultur“ schadet vor allem sich selbst

Lisa Fleischer
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Die Gaming-Community ist nicht die geduldigste. Gerade, wenn es um Spiele geht, die nicht so zu werden scheinen, wie es sich die Nutzer gewünscht haben, sind Shitstorms das mindeste, mit dem Entwickler zu rechnen haben. Warum sich Gamer damit selbst schaden, das erklärt jetzt ein Entwickler auf Twitter.

Entwickler erklärt: Die aktuelle „toxische Videospiel-Kultur“ schadet vor allem sich selbst

Auf seinem Profil veröffentlichte Charles Randall gleich mehrere Tweets zum Thema. Er reagiert damit laut eigenen Aussagen auf einen Freund, der ihm gegenüber äußerte, er würde sich wünschen, „Spiele-Entwickler wären offener über die Entwicklung.“ Randall erwiderte darauf, genau das wäre der Fall. Die Offenheit würde nur nicht der Allgemeinheit gelten, sondern anderen Leuten aus der Industrie.

Warum solche Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen, liegt laut Randall schlicht daran, dass die Gamer-Kultur inzwischen „so toxisch ist, dass es gefährlich ist, gegenüber der Allgemeinheit offen zu sein.“ Als Beispiel dafür nennt er den aktuellen Twitter-Thread über Tricks, mit denen Entwickler Spiele besser machen – auf den die Reaktionen von Spielern vorwiegend negativ waren, fühlten sich die meisten doch belogen.

Entwickler haben übrigens auch geheime Tricks, die sie in ihren Spielen verstecken. Welche das sind, erfährst du hier:

Diese Tricks haben Entwickler in Spielen versteckt

War Randall in der Vergangenheit offen über Spiele in Entwicklung, erntete er dafür zu oft kein konstruktives Feedback, sondern nur Angriffe auf seine Person. Und das, obwohl er männlich, heterosexuell und weiß ist – „was ich erfahren habe, ist sicherlich nicht vergleichbar mit dem, womit sich Frauen/people of color / LGBT+ und andere Minderheiten konfrontiert sehen.“ Er sieht sich vor allem von solchen Nutzern angegriffen, die sich als Spezialisten ausgeben und behaupten, es wäre einfach, so etwas wie einen Multiplayer zu integrieren oder die Engine zu wechseln. Und damit anderen eine Fläche für Hass, „Bedrohungen oder Schlimmeres“ bieten.

Damit schneiden sich Gamer seiner Meinung aber vor allem selbst ins Fleisch. Würden sie nicht einfach hassen, sondern konstruktiv Feedback geben, wären sicherlich viele Entwickler zur Offenheit bereit. Denn: „Wir lieben es, über die Entwicklung zu sprechen, über Herausforderungen, denen wir uns stellen, Probleme, die wir lösen, die Tricks, die wir anwenden.“

Entwickler frustriert: Die Community hat uns Early Access versaut

Dabei wäre es doch so viel besser, würden die Konsumenten, denen ein Spiel nicht gefällt, sich nicht etwa darüber auslassen, sondern einfach etwas anderes spielen, so Randall. „Wenn mehr Menschen akzeptieren würden, dass es okay ist, ein Spiel nicht zu mögen und weiterzuziehen und sich nicht auf Verurteilungen herunter lassen würden, wären die Dinge viel offener.“ Und weiter: „Kritisch zu sein und zu erklären, warum du etwas nicht magst, ist okay. Darauf herumzureiten, die Entwickler dafür verantwortlich zu machen oder einfach falsch darüber zu reden, ist nicht okay. (…) Es ist auch nicht gesund. Verbringe deine Zeit besser mit etwas, was wichtig ist.“

Schuld an der toxischen Community, die in den letzten Jahren entstanden ist, gibt Randall übrigens vor allem YouTubern, die sich in ihren Videos für Klicks oftmals über Dinge aufregen, die eigentlich normal sein sollten. Randall befürchtet, dass die Konsumenten dieser Videos selbst einmal so toxisch werden, wie deren Inhalt ist.

Alle Aussagen von Randall im Detail kannst du dir auf seinem Twitter-Profil durchlesen – angefangen mit dem Zitat seines Bekannten, der fordert, Entwickler sollten offener sein:

Charles Randall ist kein unbeschriebenes Blatt in der Entwickler-Szene. Er arbeitete in der Vergangenheit bei Ubisoft und Bioware, unter anderem war er an der Entwicklung von Assassin’s Creed 1 und 2, Tom Clancy’s Splinter Cell: Blacklist und Baldur’s Gate 2 beteiligt.

Was sagst du zu dem Twitter-Thread von Charles Randall? Stimmst du dem Entwickler zu oder findest du, das Entwickler trotz allem wieder offener sein sollten – auch, wenn sie dafür vorwiegend Hate ernten?

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