Regulierung gegen MOBA-Sucht: Chinesische Spieler kaufen sich falsche Identitäten

Luis Kümmeler

In China beschaffen sich Minderjährige gefälschte Ausweise, damit sie länger spielen können. Bislang schränkt der Entwickler Tencent die Nutzungsdauer seines Smartphone-MOBAs „Honor of Kings“, unterteilt in verschiedene Altersklassen, stark ein – doch mit einer Spieldauer von bloß bis zu zwei Stunden am Tag wollen sich viele Kinder und Jugendliche nicht zufrieden geben.

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Der chinesische Riesenkonzern Tencent hat es längst in die Rangliste der zehn größten Konzerne der Welt geschafft. Als Inhaber von Riot Games hat das Unternehmen mit League of Legends ein weltweit bekanntes und ungebrochen heißes Eisen im Feuer, doch inzwischen hat sich auch das Smartphone-MOBA „Honor of Kings“ zum Riesenerfolg gemausert. Über 200 Millionen Chinesen spielen den lukrativen Titel laut einem umfangreichen Artikel der New York Times inzwischen – und das ist auch der Grund, weswegen sich chinesische Behörden alarmiert geben.

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In einem Versuch, den Konsum des MOBAs unter Kindern und Jugendlichen zu kontrollieren, hat der Entwickler Tencent ganz im Sinne der ohnehin sehr regulierungsfreudigen Regierung Chinas eine Alterssperre in das Spiel integriert. Wer unter zwölf Jahre alt ist, soll damit nur eine Stunde am Tag spielen dürfen, wer zwischen zwölf und 18 Jahren alt ist, soll auf zwei Stunden täglich beschränkt werden. Doch wie in allen Bereichen des sehr eingeschränkten, chinesischen Internets, haben Nutzer auch in diesem Fall eine Methode gefunden, entsprechende Regulierungen zu umgehen.

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Eine Online-Plattform mit Namen Xianyu verkauft nämlich offenbar Erwachsenenausweise und entsprechende Anleitungen für das Umgehen besagter Einschränkungen – und das schon für so geringe Preise von 2 Dollar. Auch fremde Spielaccounts können Online erworben werden, wodurch Jugendliche mehr als eine Möglichkeit haben, sich über die Restriktionen hinwegzusetzen und ihr tägliches Spielpensum zu erhöhen. Tencent will diese Notlösungen in Zukunft unterbinden: „Wir werden auch weiterhin mit der Regierung kooperieren und das Problem gemeinsam angehen“, so der Konzern in einer Stellungnahme.

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