Studie: So wichtig sind weibliche Spielcharaktere wirklich – nicht nur für Frauen

Kamila Zych
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Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage ging der Bedeutung von weiblichen Protagonisten in Videospielen nach. Dabei stellt sich heraus, dass die Sache nicht nur Frauen am Herzen liegt, sondern mittlerweile auch Entwickler einen Schritt zu mehr Frauenrepräsentation in Spielen wagen. Und das ist auch gut so!

Quantic Foundry hat kürzlich eine Umfrage mit insgesamt 1.266 Gamern durchgeführt, die untersuchen sollte, inwiefern die Option einen weiblichen Protagonisten zu spielen wichtig ist. Die Ergebnisse wurden in einem Blogeintrag zusammengetragen: 56,8% der befragten Frauen erachten weibliche Protagonisten demzufolge als „extrem“ wichtig. Das ist drei Mal so viel, wie die Anzahl der Männer, die die selbe Antwort gewählt haben.

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Insgesamt beträgt der Frauen-Anteil, welcher weibliche Protagonisten als „sehr“ oder „extrem“ wichtig erachtet, 75 Prozent. Immerhin ist auch durchschnittlich einer von drei Männern der Meinung, dass weibliche Protagonisten „sehr“ oder „extrem“ wichtig sind, was im Vergleich zu den Frauen trotzdem äußerst wenig ist.

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Männer spielen auch Frauen – Aber aus welchem Grund?

Auch wenn das Ergebnis die wenigstens verwundern würde, hat es mich doch etwas nachdenklich gestimmt. Mir sind in letzter Zeit nämlich vermehrt männliche Spieler aufgefallen, die durchaus weibliche Spielcharaktere ihren männlichen Kollegen vorziehen. Besonders im aktuell total beliebten PlayerUnknown’s Battlegrounds oder Spielen wie World of Warcraft ist das des Öfteren zu beobachten.

Und tatsächlich sind laut einer Studie, die das Verhalten von 374 WoW-Spielern untersucht hat, männliche Gamer (23%) eher dazu geneigt in Videospielen das Geschlecht zu tauschen, als weibliche (7%). Doch möchten jene Gamer nicht wirklich so tun, als wären sie eine Frau. Der eigentliche Grund dafür ist wiederum ziemlich ernüchternd: Jene Spieler würden es bevorzugen, auf einen weiblichen Avatar zu schauen, da sie ihn schlichtweg als ästhetischer empfinden.

Das ist allerdings kein Wunder, wenn du bedenkst, dass die weiblichen Charaktere der meisten AAA-Titel von männlichen Designern für eine vorwiegend männliche Zielgruppe erstellt werden. So wird sich also genau an den ästhetischen Vorlieben eben dieser orientiert.

Casual Gamer vs. Hardcore Gamer

Dafür überrascht die folgende Erkenntnis der Quantic Fountry-Unfrage umso mehr: Casual Gamer scheinen viel mehr Wert auf das Vorhandensein weiblicher Protagonisten zu legen, als Spieler, die sich als Hardcore Gamer definieren. Und das bei Frauen und Männern gleichermaßen.

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Das muss aber nicht unbedingt heißen, dass Hardcore-Gamer prinzipiell gegen weibliche Protagonisten in Games sind.

In diesem Fall hätte sich angeboten außerdem nach der Bedeutung von männlichen Protagonisten in Videospielen zu fragen. Hätte sich nämlich herausgestellt, dass Hardcore-Gamer gegenüber männlichen Protagonisten ähnlich gleichgültig eingestellt sind, könnte das ein Indiz dafür sein, dass Hardcore-Gamer eine gewisse „Gender-Blindheit“ entwickelt haben und die Wichtigkeit eines Spielcharakters nicht an dessen Geschlecht festmachen.

Der ausschlaggebende Unterschied

Ich habe die Kommentare unter dem Blog-Post überflogen und da ist mir eine Anmerkung besonders ins Auge gefallen:

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In der Tat wurde in der Umfrage nicht zwischen weiblichen Protagonisten in verschiedenen Videospiel-Genres unterschieden. Denn angesichts dessen unterscheidet sich ein weiblicher Spielcharakter in WoW deutlich von einer Lara Croft in Tomb Raider: In dem erstgenannten stellt die Wahl des Geschlechts lediglich ein kosmetisches Feature dar, wohingegen das Geschlecht von Lara Einfluss auf ihren Charakter hat und auf die Art und Weise wie die restlichen Charaktere im Spiel sich ihr gegenüber verhalten.

Daher ist es auch schwer einzuschätzen, ob die befragten Spieler beispielsweise eher weibliche Protagonisten in MMOs oder in Rollenspielen wichtiger finden.

Aufschluss könnten die jeweiligen Spiel-Motivationen der befragten Spieler geben: Diejenigen, die weibliche Protagonisten in Spielen als wichtig erachten, haben Design (viele Anpassungsmöglichkeiten des Spielcharakters), Fantasy (jemand anderes oder wo anders sein) und Story (interessanter Plot und interessante Charaktere) als größte Motivationen zum Zocken genannt.

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