Frauen in Videospielen: Warum tragen weibliche Charaktere immer pinke Schleifen?

Marcel-André Wuttig
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Kurzes Quiz: Welches Geschlecht hat Toad eigentlich? Er ist männlich. Warum wissen wir das? Weil Nintendo sein weibliches Gegenstück vor einigen Jahren vorgestellt hat. Toadette ist nämlich eindeutig weiblich. Das mag auf den ersten Blick nach größerer Vielfalt in Games klingen, doch limitieren diese weiblichen Pendants in Wirklichkeit die Vielfalt von Frauen in Videospielen.

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Pac-Man (NES) – Gameplay

Was macht einen nicht-menschlichen Charakter wie Pac-Man männlich? Im originalen Arcade-Game ist er doch nur ein Pixelhaufen in Form eines Kreises. Seine einzigen Darstellungsmerkmale sind sein gieriger Mund und seine gelbe Farbgebung. Das klingt weder besonders männlich noch besonders weiblich. Pac-Man erhielt erst ein Geschlecht, als im Jahr 1982 sein weibliches Gegenstück vorgestellt wurde: Ms. Pac-Man. Und genau dort liegt ein großes Problem in der Darstellung von männlichen und weiblichen Charakteren in Videospielen.

Pac-Man

Denn Ms. Pac-Man sieht im Grunde genommen genau wie das Original aus. Auch sie ist ein pixeliger Kreis mit einem großen Mund. Doch trägt sie eine rote Schleife auf dem Kopf, roten Lippenstift und Maskara. Das ist Symbolik, die in unserer Gesellschaft als klar weiblich definiert ist.

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„Ms. Male“-Charaktere

Auf ihrem YouTube-Kanal „feministfrequency“ diskutiert auch Anita Sarkeesian diese Problematik in einem ihrer Videos. So bezeichnet sie die weiblichen Gegenstücke zu neutralen Charakteren als „Ms. Male“-Charaktere.

Die Neigung, aus beliebten Helden weibliche Versionen zu schaffen, ist durchaus verbreitet in Videospielen. Es lassen sich etliche Beispiele dafür finden: Toad und Toadette. Bomberman und Bombergirl. Sonic und Amy Rose. In all diesen Fällen gab es einen neutralen Charakter, der ein weibliches Gegenstück nachträglich erhielt. Erst dadurch wurde auch der Original-Charakter als männlich identifiziert.

ToadToadette

Dabei greifen Entwickler auf einfache Symbolik zurück, um die Gegenstücke als eindeutig „feminin“ zu markieren. Ms. Pac-Man und Co. tragen nämlich Schleifen, Make-Up, Zöpfe, Röcke, Herzen und/oder High-Heels und sind pink oder lila. Ihre Persönlichkeit ist zart, sensibel, wehleidig oder zickig. Ihre Identität wird also nur auf ein Merkmal reduziert: Dass sie weiblich sind.

Das sind die coolsten weiblichen Charaktere

Männlichkeit ist normal

Leider ist diese Darstellung durchaus problematisch. So erhalten nur die weiblichen Charaktere feminine Symbolik, die sie von ihren Gegenstücken differenzieren. Die männlichen Originale besitzen keine solch strikten Merkmale. Wie gesagt, Pac-Man ist lediglich ein Haufen gelber Pixel. Der originale Toad ist ein roter Pilz mit weißer Hose und blauer Veste. Sonic ist ein blauer Igel, der rote Schuhe trägt.

SonicAmyRose

Dieses Markieren von Weiblichkeit suggeriert, dass Frauen eine Abweichung von der Norm sind. Sie brauchen besondere Symbolik, um als eindeutig weiblich zu gelten. Männliche Charaktere brauchen diese nicht. Eine neutrale oder vielfältige Darstellung gilt automatisch als männlich. Männlichkeit wird zur Norm.

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