Vorsicht, Klischee: Gamer-Girls können weiblicher sein, als Du denkst

Kamila Zych

Was, Du zockst? Hätte ich gar nicht gedacht!“ Solche oder ähnliche Sprüche musstest Du Dir als Mädchen bestimmt nicht nur ein Mal anhören. Meist siehst Du „viel zu süß“ aus oder bist „viel zu nett“ – schlichtweg zu „weiblich“, um Games zu zocken. Doch was heißt es eigentlich, „weiblich“ zu sein und wer sagt, dass Du mit dieser Eigenschaft nicht trotzdem zocken kannst?

Vorsicht, Klischee: Gamer-Girls können weiblicher sein, als Du denkst

Wenn ich jemanden kennenlerne und erwähne, dass ich Videospiele spiele, kann ich meist mit folgenden Reaktionen rechnen:

1. „Oh, krass! Dein Freund kann sich glücklich schätzen!“

2. „Was echt? Hätte ich nicht gedacht!“

3. „Cool! Was spielst du denn gerade?“

Letzteres kommt vor allem deshalb ziemlich selten vor, da ich in meinem Umfeld leider so gut wie nie auf Gamer treffe. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich in meinem weiblichen Freundeskreis als Gamerin eher die Ausnahme darstelle. Die erstgenannte Reaktion höre ich hingegen vorrangig von Vertretern des männlichen Geschlechts. Die Faszination für zockende Frauen scheint in der Männerwelt ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, warum auch immer. Wenn eine attraktive Frau dazu noch typische „Männerspiele“ wie Call of Duty oder FIFA spielt, fällt nicht selten sogar das Wort „Traumfrau“ – als wären zockende Frauen eine ganz seltene Spezies Mensch. Liebe Männer, nur zur Information: Wir Frauen spielen nicht (nur) Sims und Pokémon GO – und das ist ganz normal!

Frauen stehen auf Horror-Games, auch ohne starke Schulter zum Anlehnen

Immer diese Vorurteile

Die zweite Variante meiner oben aufgezählten Sprüche höre ich in der Regel am häufigsten und schaue dabei oft in erstaunte Gesichter – egal, ob männlich oder weiblich. Auf die Frage nach dem „Warum“ folgt meist so etwas wie: „Du siehst gar nicht aus, wie ich mir eine Gamerin vorstelle.“ Aber wie sieht überhaupt so eine typische Gamerin aus?

Anscheinend gibt es gar nicht so wenige Menschen, die sich bei dem Begriff „Gamerin“ das klischeehaftes Bild eines dicken Mädchens vorstellen, das den ganzen Tag vor der Konsole sitzt und Chips isst – mal krass ausgedrückt. Also einfach eine weibliche Variante des typischen Gamer-Junge-Klischees. Dabei zeigen Beispiele aus den Medien, dass Gamer-Girls alle Facetten der Weiblichkeit abbilden. Welche Körperform ein Gamer-Girl hat, welches Spiel sie spielt und welchen Stil sie mag ist also vollkommen unerheblich.

Die Definition der Weiblichkeit: Ein Versuch

Schließlich geht es hier nicht um Schönheit, sondern um Weiblichkeit. Diesen Begriff zu definieren ist gar nicht so einfach: Da gibt es einmal die biologische Definition. Im Prinzip besagt diese, dass jeder Mensch, der weibliche Geschlechtsorgane besitzt, weiblich ist. Folgen wir dieser Definition, sind wir laut einer Bitkom-Studie mit den männlichen Zockern so gut wie gleich auf.

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In unserer Gesellschaft ist der Weiblichkeitsbegriff dann doch etwas komplexer. Es haben sich im Laufe der Zeit Eigenschaften etabliert, die als „typisch weiblich“ gelten. Im Konkreten geht es mir um die beiden Aspekte Aussehen und Verhalten. Wenn Du Dich zum Beispiel schminkst, Kleider oder generell figurbetonte Kleidung trägst, lange Haare hast und dazu noch immer lieb und nett bist, giltst Du als Prototyp der Weiblichkeit – abwertend auch „Tussi“ genannt.

Weniger weiblich sind hingegen Frauen, die sich nicht oder kaum schminken, ein generell eher burschikoses Auftreten haben und kein Blatt vor den Mund nehmen – oder wie (vor allem hier) oft gesagt wird: Eine „Berliner Schnauze“ haben. Im schlimmsten Fall wirst Du als Gamer-Girl mit solchen Eigenschaften als „Mannsweib“ abgestempelt. Und eben solche „Mannsweiber“ werden meist hinter Spielen wie Battlefield und Co. vermutet. Völliger Schwachsinn!

Auch Tussis spielen Männerspiele

Uns Frauen wird ja oft ein hohes Maß an Empathie und Mitgefühl  zugesprochen, was vielleicht stimmen mag, aber das heißt nicht, dass wir keinen Spaß daran haben, ab und zu ein bisschen rumzuballern. Erst kürzlich haben wir nämlich festgestellt, dass Shooter-spielende Frauen keine Ausnahme sind. Ich würde mich persönlich eher zur „typisch weiblichen“ Fraktion zählen und bin auch bekennende Sims-Spielerin. Trotzdem spiele ich GTA 5, Mafia 3 oder Far Cry mindestens genauso gerne und freue mich, wenn ich eine Meute Zombies mit gezielten Headshots abschieße oder meinen Freund bei einer Runde NBA 2K17 besiege – und das, obwohl ich kein „Mannsweib“ bin.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich diesen Begriff „Mannsweib“ absolut schrecklich finde, weil Du damit als Frau im Allgemeinen total abgewertet wirst. Ich bin mir sicher, dass viele Frauen, die vielleicht nicht dem typisch weiblichen Klischee entsprechen, sich trotzdem als Frauen sehen und auch dementsprechend respektiert werden möchten. Was ich damit sagen möchte: Egal ob feminin oder boyish – wir Frauen lieben alle Arten von Games und das ist auch gut so!

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