Vorsicht, Klischee: So will Skylla zu einer gesünderen E-Sport-Szene beitragen

Lisa Fleischer

Männer und Frauen können nicht in einem Team spielen! Was in körperlichen Sportarten gang und gäbe ist, hat sich in den letzten Jahren auch im E-Sport etabliert. Doch ist die strikte Trennung der Geschlechter überhaupt gut für die Szene? Petya Zheleva, ehemalige professionelle CS-Spielerin und Gründerin von Skylla, sieht das anders.

Vorsicht, Klischee: So will Skylla zu einer gesünderen E-Sport-Szene beitragen

Als Petya Zheleva zum ersten Mal mit Counter Strike in Berührung kam, war die Szene noch jung. Die gebürtige Bulgarin war 19 Jahre alt, als sie von ihren hauptsächlich männlichen Freunden dazu überredet wurde, mit dem Shooter anzufangen. Zwar hatte sie zuvor nichts mit Videospielen am Hut, trotzdem entfachte innerhalb kurzer Zeit ihre Leidenschaft für das kompetitive Spiel. Statt auf ihr Studium konzentrierte sie sich ab 2002 darauf, immer besser zu werden, trat der badGirls Clan Organization bei und nahm an so einigen Turnieren teil – mit Erfolg.

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Geschlechtergetrennte Turniere gab es damals so gut wie nicht. Die Szene war zu klein, als dass es wichtig war, ob ein männlicher oder weiblicher Mitspieler das Team unterstütze, wenn Not am Mann war – Hauptsache, die Leistung stimmte. Positiver Nebeneffekt: Nicht nur die Fanbase wurde durch die unterschiedlichen Team-Mitglieder schnell erweitert, Petya lernte, mit Stresssituationen besser umzugehen und ihre eigene Reaktionsfähigkeit zu verbessern. Möglich war das vor allem durch das positive Feedback, dass sie von Teamkameraden und der Community bekam.

Der moderne E-Sport: Frauen unerwünscht?

Heutzutage sind die meisten Turniere geschlechtergetrennt. Einen bestimmten Grund hat das nicht, Petya beschreibt die Entwicklung als fließend. Sie vermutet einen Zusammenhang mit dem steigenden Bekanntheitsgrad der Szene. Viele männliche Spieler haben aufgrund ihres Erfoges ein großes Ego und Selbstbewusstsein, von dem weibliche Spieler wohl oftmals eingeschüchtert sind.

Außerdem ist es für weibliche Teams wesentlich schwerer, einen Sponsor zu finden, da die weibliche Szene doch wesentlich weniger Aufmerksamkeit bekommt. Da sie sich ohne Sponsor aber nur selten die Teilnahme an und Reisen zu größeren Turnieren leisten können, nehme sie oftmals einfach nicht teil. Zu den schwerwiegendsten Gründen für die Geschlechtertrennung zählen aber sicherlich die zahlreichen Vorurteile gegenüber weiblichen Spielern.

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Vor allem jüngere E-Sportler geben regelmäßig zum besten, Frauen im E-Sport wären nur eine Modeerscheinung, machen alles nur wegen des Geldes und gehören nicht in die Szene. Dabei wurden laut Petya Spielerinnen in den Anfängen des E-Sports als Selbstverständlichkeit toleriert und akzeptiert.

Das Schlimmste, was Petya beim Spielen jemals zu Ohren kam? „Dass ich ein Junge bin.“ Denn wenn dann doch einmal ein Spieler aus der Masse heraussticht, wird sofort davon ausgegangen, dass es sich doch um ein Mann handeln muss. Passiert ist ihr das in Overwatch: Vor kurzem erst hatte sie ein Match gespielt „und ein Typ schrieb ‘Ich bin ein großer Fan. Er spielt so gut’, weil ich nicht zu erkennen gegeben habe, dass ich eine Frau bin.“

Vorurteile gegenüber Frauen bestehen laut Petya in den Köpfen der Spieler und Fans, weil über die weibliche Szene nur selten berichtet werde. Selbst, wenn eine Frau besonders gut ist, bekommt es niemand mit, weil die Szene unterrepräsentiert ist. Wenn die Bedingungen im Turnier für weibliche Teams zusätzlich schlecht sind und selbst Admins negativ auf sie reagieren, demotiviert das verständlicher Weise.

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Weitere Themen: E-Sport, Counter-Strike: Global Offensive, Counter-Strike 1.6

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