Gamer haben größere Gehirne - Studie belegt: Vielspieler haben mehr Hirn

Tobias Heidemann
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Das Image der Gamer wird in diesen Tagen durch eine wissenschaftliche Studie aufgebessert. Die unverhoffte Rückendeckung kommt aus der Psychiatrischen Universitätsklinik der Berliner Charité. Dort machten Forscher eine Entdeckung, die bestätigt, was wir schon lange wissen: Moderate Vielspieler haben ein größeres Gehirn.

Gamer haben größere Gehirne - Studie belegt: Vielspieler haben mehr Hirn

Die für die Studie verantwortlichen Wissenschaftler sind ob ihres aufsehenerregenden Fundes vollkommen aus dem Häuschen. Dr. Simone Kühn, zuständig für die Auswertung der Untersuchung, spricht von einem “sensationellen Ergebnis, das uns selbst überrascht hat.” Das Ergebnis, von dem die junge Neurowissenschaftlerin da erzählt, hat es tatsächlich in sich.

Im Rahmen einer Hirnstrukturstudie zu Computerspielen kam heraus, dass moderate Vielspieler mehr Hirnvolumen und -rinde haben. Mehr als wer fragt man sich allerdings. RTL-Moderatoren? Südamerikanische Brüllaffen? Und vor allem: Was sagt das überhaupt aus? Das Problem neurowissenschaftlicher Studien – oft argumentieren sie sehr biologistisch. Da werden dann komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge gerne mal auf eine naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeit reduziert.

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Es ist also höchste Vorsicht geboten. Womit haben wir es also genau zu tun? Mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie – kurz MRT – wurde die Hirnstruktur von 154 Jungendlichen untersucht. Dabei achteten die Forscher drauf, die Testgruppe möglichst repräsentativ aufzustellen. Die Heranwachsenden stammten aus verschiedenen Bezirken, kamen aus unterschiedlichsten Familien und besuchten alle Schulformen. Die so zusammengestellte Gruppe wurde daraufhin auf ihre Spielgewohnheiten hin befragt. Wer mehr als neun Stunden pro Woche zockte, wurde als moderater Vielspieler eingestuft. Der Rest der Befragten diente als Vergleichsgruppe.

Die MRT-Bilder zeigten Erstaunliches. Das so genannte “Belohnungszentrum” unseres Gehirnes – die Region, in der Emotionen wie Freude und Begierde entstehen – ist bei den Vielzockern größer als bei der wenig bis gar nicht spielenden Kontrollgruppe. Untersucht hatten die Wissenschaftler der Universitätsklinik diesen Teil des Gehirns, da sich hier auch das Suchtverhalten niederschlägt. Die Studie ist Teil eines europäischen Forschungsprojektes, an welchen sich die neurochemische Arbeitsgruppe der Berliner Charité beteiligte.


Sehr viel interessanter als das größere Belohnungszentrum ist für die Wissenschaftlicher aber die Tatsache, dass Vollzeit-Gamer auch mehr “graue Zellen” haben. Damit werden die Bereiche im frontalen Kortex bezeichnet, in denen das strategische Planen und die Aufmerksamkeitsprozesse stattfinden. Es geht um einen ganzen Millimeter. Das ist für einen Hirnforscher offenbar ziemlich viel – daher auch die große Aufregung.

Vielspieler haben mehr Gehirn – so das neurowissenschaftliche Credo der Studie. Was wir Gamer mit diesem Mehr an Hirnmasse anstellen, welche konkreten Tätigkeiten des Vielspielens für die Ausbildung des Frontalkortex zuständig sind, ob sich diese Daten überhaupt mit dem Begriff der Intelligenz operationalisieren lassen (mehr Gewicht = schlauer?) – all das lässt diese Studie noch offen. Die Forscher der Universitätsklinik der Berliner Charité haben deshalb bereits eine Nachfolgestudie angekündigt. Wir behalten das gewichtige Thema natürlich im Auge.

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