Game of Thrones TV-Review – Der Herr der Hypes

Allerdings unterscheidet sich Martins “Lied von Eis und Feuer” auch in entscheidenden Punkten von der klassischen Fantasy-Literatur. Eher ungewöhnlich ist zum Beispiel die multiperspektivische Erzählweise. So führt Martins in seinen Büchern eine beachtliche Anzahl von Charakteren ein, deren unterschiedliche Perspektiven er gleichberechtig zum Ausdruck bringt. Gepaart mit einem fiktionalen Realismus und einer nicht-beschönigenden Gewaltdarstellung ergibt sich so ein sehr vielschichtiges Bild seiner großen Handlungsstränge. Martins Welt kommt ohne die Stereotype seines Genres aus und findet jenseits von Gut und Böse statt.

“A Game of Thrones” bei HBO

All das hat George R. R. Martin nicht nur eine begeisterte Fangemeinde beschert, sondern auch HBO dazu bewogen, das schillernde Epos im typischen Stil des amerikanischen Pay-TV-Senders (u.a. “Die Sopranos”, “The Tudors” “Deadwood”) zu verfilmen. Herausgekommen ist ein äußerst unterhaltsames Fantasy-Drama, das Martins komplexe Erzählung überraschend ernst nimmt.

Unter der produzierenden Feder von David Benioff, vor allem bekannt für sein hervorragendes Skript zu “25th Hour”, adaptiert “Game of Thrones” die Themen und Charaktere der Vorlage ganz so, als handele es sich dabei nicht um vermeintlich “minderwertige” Fantasy-Literatur, sondern um einen historischen Mittelalter-Roman, bei dem es um eine angemessen Darstellung von Sitten und Bräuchen geht. Natürlich spendiert HBO dem Format auch wieder jene opulente Ausstattung, die zuvor schon “Rome” oder auch “The Tudors” zu ihrem besonderen Glanz verholfen haben. Gedreht wurde mit einem hohen Produktionsaufwand in Nordirland und auf Malta.

Dass “A Game of Thrones” dabei so gut funktioniert, liegt in erster Linie an der erneut erstklassigen Schauspieler-Riege. Allen voran Sean Bean, der die edle und aufrechte Seite seiner Boromir-Rolle aus “The Fellowship of the Ring” wiederbeleben darf. Er wirft sich mit fettigem Haar, in abgewetzter Rüstung und mit voller Schauspielwucht in das intrigante Machtspiel von dem “Die Herren von Winterfell” erzählen.

Jenseits von Gut und Böse

Bean ist das Oberhaupt der Familie Stark, die die sieben Königreiche und deren legendäre Hauptstadt King´s Landing seit Jahrhunderten vor den barbarischen Stämmen im Norden beschützt. Hinter einer riesigen Wand aus Eis warten diese sogenannten “White-Walker” darauf, dass endlich ihre Zeit kommt. Daran, dass hinter dem Schutzwall das absolut Böse lauert, zweifeln in “A Game of Thrones” aber selbst jene, die mit der Verteidigung des Reichs betraut wurden: “Die White-Walker hatten einfach das Pech, zu dem Zeitpunkt als unsere Vorväter diese Wand erbauten, auf der falschen Seite zu sein”. Wie gesagt, die Welt von George R. R. Martins ist ein Ort der Ambivalenzen.

Böses lauert hier vor allem im Menschen, in der Herrschaft, ja sogar in der eigenen Familie. Doch keine Angst: “A Game of Thrones” spielt nicht nur auf den grauen Zwischentönen – die Serie beherrscht auch die Genrekonventionen sehr gut. Wenn Sean Bean zum Beispiel sein “Der Winter naht”, den mahnenden Leitspruch seines Clans, mit epischer Wahrhaftigkeit in die Weitwinkel-Kamera haucht, dann ist es um den Fantasy-Nerd längst geschehen.

In den USA wurde “Game of Thrones” von Kritikern und Fans schon abgefeiert. Die zweite Staffel startet dort am 1. April. Wer noch mehr “Game of Thrones” erleben möchte, sollte sich unbedingt George R. R. Martins Fantasy-Saga zu Gemüte führen. Lesefaule können auf das hier verlinkte Gratis-Hörbuch zugreifen und Gamer schauen sich das interessante Spiel zur Serie mal genauer an.

Weitere Themen: Madeleine Fairley, Peter Dinklage, Nikolaj Coster-Waldau, LENA HEADEY, Sean Bean


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