After Earth Filmkritik: Im After von Scientology

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Wer mal so richtig laut lachen möchte, der nehme sich fünf Minuten seiner kostbaren Zeit und lese sich die Geschichte vom intergalaktischen Herrscher Xenu durch. Die dilettantische Science-Fiction-Story aus der gänzlich unbegabten Feder des abgehalfterten Selbsthilfeautors L. Ron Hubbard ist nicht nur aberwitzig albern und bemerkenswert dumm – sie stellt leider auch das konzeptionelle Zentrum des scientologischen Glaubensgerüsts dar. Das ist weniger lustig. Der beknackte Xeno diente Hubbard seinerzeit als Mittel zum Zweck, denn Scientology ging schon damals gerne mit der (Science) Fiktion auf Mitgliederfang. So auch im aktuellen Will Smith-Vehikel „After Earth“.

“After Earth” bekam deshalb auch schon vor dem Start ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Die in puncto Scientology sonst so kuscheligen US-Medien nahmen den Streifen nach allen Regeln der Kunst als offenkundige Propaganda auseinander. Ehemalige Sekten-Mitglieder enttarnten die perfide Lehre der Scientologen und Insider berichteten ausführlich von den heimlichen Verbindungen zwischen Will Smith und der in Deutschland vom Verfassungsschutz überwachten „Kirche“. Ganz schön viel Lärm um einen Film, der am Startwochenende kaum jemanden interessierte. „After Earth“ ist ein Flop.

Tut da all die Aufregung überhaupt Not? Ja! Ausrufezeichen! In „After Earth“ wird nämlich selbst ein Blinder vom missionarischen Buhei der Sekte erschlagen. Und das ist weder egal noch lustig.

Wie einst Hubbard hat sich nun auch Will Smith der Fiktion bedient, um die Scientology-Message unters vornehmlich jüngere Volk zu bringen. Die wohl wichtigste Botschaft ist dabei noch vor dem Kinobesuch auf den Plakaten zu lesen: „Gefahr ist real – Angst ist eine Entscheidung“. Eine Doktrin, die Sektenforschern sehr bekannt vorkommen dürfte. Die Überwindung der Angst und die Kontrolle von Gefühlen sind das vermeintliche Ziel der Scientology-Seminare. Natürlich geht es dort insgeheim immer nur darum, sehr viele steuerfreie Profite zu erwirtschaften, doch die Angst-Botschaft ist so etwas wie der ideologische Rattenfänger des Unternehmens. Und im Kino ist diese Botschaft eben besonders mächtig.

After Earth Filmkritik: “Auditing” im Kino

So lässt sich der gesamte Film dann auch kaum anders als ein Einsteiger-Seminar lesen. Der junge Schüler und Sohn Kitai (Jaden Smith) muss Vater und Vorgesetztem Raige (Will Smith) beweisen, dass er in einer unwirklichen Umgebung seine Angst im Griff hat und das Zeug für eine Beförderung zum Scientologen, eh sorry, „Ranger“ hat. Papa Raige ist dabei ein Mensch ganz nach Hubbards Vorbild – angstfrei, rational, emotionslos und beunruhigend „befreit“. Schauspielerisch mündet all der emotionsfeindliche Hokuspokus darin, dass Will Smith eine regungslose Salzsäule spielt und das ist sogar noch langweiliger, als es sich anhört.

Nur wenn der arme Jaden Smith gerade mal wieder von einer Horde blutrünstiger Paviane durch den Wald gejagt wird, zeigen sich in „After Earth“ ein paar Gefühle – und dann auch nur, damit Ober-Ranger Will Smith seinen Sohn für diesen Fehltritt zur Sau machen kann.

Am Ende ist der Sohn durch die Feuertaufe seines Überlebenskampfes dann natürlich auch zum Gefühls-Zombie geworden und wird mit einem militärischen Salut in die Reihen der Sekte aufgenommen. Unheimlich!

 

Fazit

Der totale Ausverkauf von „After Earth“ an die Symbolik und Botschaft von Scientology ist nicht der einzige Skandal dieses Films. Skandalös ist auch die Tatsache, dass der einst so talentierte M. Night Shyamalan hier endgültig zum Auftragsmörder seiner eigenen Handschrift wird. „After Earth“ ist bemerkenswert blass und konventionell inszeniert. Der Mann, der mal „Signs“, “Unbreakable“ und “Sixth Sense“ realisierte, ist heute ein gewaltiger Langweiler. Schade drum.

Am allermeisten habe ich mich aber über etwas anderes geärgert. Hinter dem ideologischen Minenfeld und der schnarchigen Inszenierung schlummert in „After Earth“ ein gelungener  Science-Fiction Film, der sich ohne all den Bullshit einem schönen Trend hätte anschließen können: Kleine, ambitionierte Science-Fiction-Filme, die eine interessante Prämisse im minimalistischen Maßstab konsequent und befriedigend ausspielen. Filme wie „Moon“, „Looper“, „Monsters“ „Another Earth“, „Chronicle“ oder gar „Dredd“ haben mir zuletzt eindrucksvoll bewiesen, dass es für gutes Science-Fiction-Kino vor allem gute Ideen und kein Millionenbudget braucht. „After Earth“ hätte sich in dieser Reihe sicherlich ganz gut gemacht. So ist dieser Film nur ein Fall für die Filmanalyse im Religionsunterricht.

 


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