Assassin's Creed: Warum der Film eine Chance verdient hat

Martin Eiser
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Mit Assassin’s Creed gibt es einen erneuten Anlauf, um eine Spiele-Reihe erfolgreich für das Kino zu adaptieren. Ist Ubisoft der Sprung auf die große Leinwand gelungen oder gesellt sich der Streifen am Ende doch nur zu den vielen anderen misslungen Produktionen?

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Assassin's Creed - Trailer 2 (2016)

Hintergrund zur Verfilmung

Noch immer gibt es leider nur wenige Beispiele dafür, wie Spiele erfolgreich auf die große Leinwand gebracht werden können. Dafür gibt es umso mehr Filme, die zeigen, wie es nicht funktioniert. Ubisoft arbeitet seit über fünf Jahren daran, Assassin‘s Creed auf die große Leinwand zu bringen. Der Publisher hat für Projekte dieser Art eine eigene Filmsparte geschaffen, um bei der Entstehung der Filme direkt mitwirken zu können und dabei immer auch die kreative Kontrolle über seine Marken zu behalten.

In den Hauptrollen spielen Michael Fassbender (X-Men, Steve Jobs) und Marion Cotillard (La vie en rose, Inception). Regie führte der australische Regisseur Justin Kurzel. Das Trio hat früher bereits in Macbeth zusammengearbeitet. Für Assassin‘s Creed wurde ein Budget in der Größenordnung von 150 bis 200 Millionen Dollar angesetzt – übrigens ähnlich hoch wie seinerzeit bei Prince of Persia: Der Sand der Zeit, der bis heute teuerste Film, der auf einem Videospiel beruht. Während die Geschichte über den persischen Prinzen als das neue „Fluch der Karibik“ gehandelt wurde, aber mit rund 330 Million Dollar Umsatz nicht erfolgreich genug war, soll Assassin‘s Creed nicht möglichst viel Geld einspielen, sondern vor allem die Spiele beliebter machen.

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Darum geht es im Film

Das die DNA wie ein genetischer Speicher funktioniert, in dem wir auch die Erinnerungen unser Vorfahren tragen, ist der Kern des Kinofilms. Er thematisiert dabei auch den Kampf zwischen den Templern und den Assassinen sowie den Umgang mit Macht. Templer glauben an Ordnung, Wissenschaft und das einige Menschen wichtiger sind als andere. Und sie sind der Meinung, dass der Großteil der Menschheit tatsächlich nur noch den Mächtigen dienen sollten. Die Assassinen wiederum glauben an den freien Willen und dass dieser um jeden Preis geschützt werden muss.

Während im Spiel vor allem die Geschichte des jeweiligen Vorfahren im Mittelpunkt steht und die Szenen in der Gegenwart inzwischen kaum noch eine Rolle spielen, ist es beim Film genau umgekehrt. Der zum Tode verurteilte Straftäter Callum Lynch (Michael Fassbender) ist die wichtigste Figur. Er erwacht zu seiner Überraschung nach der eigentlichen Vollstreckung des Urteils in einem geheimen Labor. Sophia Rikken (Marion Cotillard) von Abstergo Industries hat ihn für das Animus Projekt auserkoren: Er soll in seinen Erinnerungen in die Vergangenheit reisen, um im Körper seines Vorfahren Aguilar de Agarorobo an wichtige Informationen zu kommen. Der lebte zur Zeit der Spanischen Inquisition und gehörte den Assassinen an. Lynch erfährt auf seinen Ausflügen viel über die Hintergründe der Assassinen und Templer, aber vor allem lernt er auch Kampftechniken.

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Lohnt sich der Besuch im Kino?

Michael Fassbender, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern den Film auch gleich mit produzierte, wollte in erste Linie etwas Unterhaltsames abliefern, aber auch eine Videospielverfilmung mit Tiefe erschaffen. Es war daher eine gute Entscheidung, die wesentliche Handlung in die Gegenwart zu legen und nicht wie im Spiel, vor allem auf historische Ereignisse und Schauplätze zu setzen. Für die Spiele-Reihe mögen die Trips in die Vergangenheit das wichtigste Element sein, aber ohne die Möglichkeit der freien Erkundung und das Entdecken sind sie nicht besonders interessant.

Natürlich gibt es auch im Film einige typische Elemente aus dem Spiel. Es gibt akrobatische Parcours-Szenen, in denen Lynch in der Haut seines Vorfahren über Dächer springt und auch der Sprung aus größer Höhe ist prominent im Film vertreten. Trotzdem hat die Handlung ihren Schwerpunkt vor allem im hier und jetzt. Das ganze Werk fühlt sich daher deutlich anders an als die Spiele, die inzwischen den Charakter aus der Gegenwart und die entsprechende Geschichte dazu in den Hintergrund gedrängt haben.

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Um die Gegenwart spannender zu machen, bringt der Film eine hübsche Neuerung mit sich. Der Animus wurde deutlich aufgebohrt, damit der Charakter nicht nur still auf einem Stuhl liegt, sondern sich frei bewegen kann. Über Projektionen ist für die Wissenschaftler in der Gegenwart auch sichtbar, was sich in der Vergangenheit abspielt. Der Animus im Film ist somit im Grunde eine sehr fortschrittliche Form von virtueller Realität und ein wunderbarer Kniff, um Dir als Zuschauer die Verbindungen zwischen der abgespielten Vergangenheit und der Wirklichkeit deutlich zu machen. Mit dem Animus machst Du schließlich keine Zeitreise, sondern es geht lediglich um gespeicherte Erinnerungen in der DNA.

Leider gibt es einige Ungereimtheiten und unlogische Szenen, die in erster Linie die Gegenwart betreffen. Vor allem den Anfang des Films finde ich schwach, der Film wirft allerdings zwischendurch und am Ende auch ein paar Fragen auf. Aber Assassin’s Creed funktioniert als Film für all jene, die nichts über die Handlung der Spiele wissen – für den Spannungsbogen ist das sogar förderlich. Trotz ein paar Merkwürdigkeiten ist dank der guten Schauspieler und einer guten Grundlage ein ernsthafter Film entstanden, der einen interessanten Ansatz verfolgt und auf jeden Fall eine Fortsetzung verdient hat. Wer Non-Stop-Action erwartet, wird sicherlich enttäuscht – doch das gilt ja auch für die Spiele.

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