Auch “Blutzbrüdaz” ist eine Constantin-Produktion zum Thema Hip Hop, doch das war’s dann schon mit den Gemeinsamkeiten. “Blutzbrüdaz” verhält sich zu “Zeiten ändern dich” wie Hip Hop zu Semino Rossi. Dieses Mal ist der Humor freiwillig, die Darsteller verstrahlen burschikose Sympathie und statt “Für immer jung”-Tralala gibt’s am Ende einen “8 Mile“-mäßigen Battle. “Zeiten ändern dich”, zumindest in Gestalt einer Blaupause für eine “to not do”-Liste nachfolgender Musikfilme.

“Blutzbrüdaz” ist das Spiegelbild des Bushido-Heulers, einschließlich der bewussten Fiktionalisierung des Geschehens. Sido wird damit aus der Schusslinie genommen und darf gleichzeitig ein durchaus authentisch anmutendes Bild Berliner Hip Hop-Kultur anno 2000 entwerfen. Abseits der eigentlich vor Klischees nur so strotzenden Handlung (=zwei Homies steigen musikalisch auf und entzweien sich dadurch) dürfen schräge Typen, herrlich prolliges Gelaber und satte Beats wuseln. Hip Hop heißt hier sowohl Spaß als auch Subkultur.

Wer hätte gedacht, dass Sido einmal als sympathischer Kinodarsteller aufläuft? Genauso wie sein (echter & fiktiver) Kumpel B-Tight liefert er eine absolut überzeugende Leistung, die perfekt zu dem locker groovenden Tonfall von Regisseur Özgür Yildirim (“Chiko“) und Produzent Fatih Akin (“Soul Kitchen“) passt. Hip Hop auf Ernst ist einfach durch, seit “8 Mile” eine Flut an peinlichen Gangsta-Rührstücken an den urbanen Strand gespült hat. Selbst die derbsten Checker hier, wie z.B. Sidos Manager (herrlich gespielt von Alpa Gun), können eigentlich nur knuffig. Und am Ende darf die Meute zeigen, dass selbst Spaß sattes Standvermögen erfordert. Hip Hopper sind eben DOCH coole Säue.

Fazit
Was kaum einer für möglich gehalten hat, ist tatsächlich eingetreten: “Blutzbrüdaz” besteht als superlässige und grundsympathische Komödie, die jede Erinnerung an “Zeiten ändern dich” ganz schnell verblassen lässt. Mal abgesehen von der bekannten Handlung (und einer überzeichneten Klischeefigur namens Label-Macher Tim Wilde), ist hier alles wie frisch aus dem Ei gepellt und düst als ansteckende Brise durch den entspannten Kinosaal.

Statt “Zeiten ändern dich” sollte man eigentlich lieber “Soul Kitchen” als Vergleich heranziehen. Beide Filme beweisen, dass auch deutsche Komödien cool sein dürfen, und beide Filme strömen absolut authentisch wirkende Liebe zu ihren Figuren und ihrem Milieu aus. Fatih Akin ist einfach einer von den Guten, genauso wie auch Sido. Und Özgür Yildirim. Und B-Tight. Und…überhaupt. Wer sich auf “Blutzbrüdaz” einlässt, bekommt eine DER Überraschungen des laufenden Kinojahres serviert.

YO YO YO – GIGA hat Sido und B-Tight auch noch zum Interview getroffen. Was die beiden Jungs zu sagen hatten, könnt ihr euch hier reinziehen: