Cars 2: Filmkritik - Eine weitere Pole Position für Pixar?

Martin Beck
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“Die perfekte Siegesserie ist gebrochen”, schallt es seit wenigen Tagen aus den Staaten, wo “Cars 2″ der Presse bereits gezeigt wurde – und seither durchgehend abgestraft wird. Während jedes andere Werk der Animationsgötter Pixar bisher abgefeiert wurde, steckt die Fortsetzung des eher mäßig beliebten Auto-Spaßes von 2006 von allen Seiten Schelte ein. Auf dem Metacritic-Portal “rottentomatoes.com” gab’s sogar die schlechteste Durchschnittswertung aller bisherigen Pixarfilme. Zu Recht?

Cars 2: Filmkritik - Eine weitere Pole Position für Pixar?

Schon die Entscheidung, den eher mäßig beliebten Vorgänger überhaupt fortzusetzen, stieß auf allgegenwärtige Fragezeichen. “Findet Nemo”, “Die Unglaublichen”, “Wall-E” – allesamt großartige CGI-Meisterwerke, die nun vom vermeintlich schwächsten Glied der Kette aufs Abstellgleis geschoben werden. Fast so als wolle es Regisseur John Lassetter allen beweisen: “Und es geht doch, die Nummer mit den Autos, ich sage es euch!”

Sorry, John – es geht nicht. Während es Pixar bisher noch immer gelang, selbst der abstrusesten Drehbuchidee Leben, Gefühl und Wärme einzuverleiben, bleiben die Karosserien aus Radiator Springs schlicht und einfach kalt, grobmotorisch und distanziert. Vielleicht liegt es daran, dass hier nun mal Gebrauchsgegenstände vermenschlicht werden sollen. Andererseits hat das bei “Wall-E” auch ganz hervorragend funktioniert.

Der Teufel sitzt hier eher im Detail – sprich: dem Drehbuch. Während der erste Teil zumindest noch die herzerwärmende Geschichte eines übermütigen Blenders erzählte, der im Laufe der Geschichte durch Lehre und Liebe zum Helden heranwuchs, tischt man uns hier eine größtenteils konfus zusammengeschusterte Agentengeschichte auf, die man nach 22 “James Bond”-Filmen und unzähligen Spionagethrillern nicht einmal mehr als konventionell bezeichnen kann.

Da geht es um Undercover-Spione, eine turbulente Verwechslung und das größte Rennen der Welt. Da gibt es das fiese Superass Prof. Zündapp, einen sagenumwobenen Supersprengstoff und alle möglichen Informanten/Geheimnisse/Beweise, die Lightning McQueen, Mator und Co. rund um die Welt hetzen. Klingt spannend? Ist aber für jeden, der zumindest einen Krimi in seinem Leben gesehen hat, ein völlig überraschungsfreies Malen-nach-Zahlen der Sonderklasse.

Statt diesen unbefriedigenden Untersatz wie üblich mit viel Humor und Herz zu überspielen, passiert hier rund zwei Stunden lang tatsächlich nichts dergleichen. Als Erwachsener kriegt man da schnell das große Gähnen, die kleinen Zuschauer wird die wirre Geschichte hingegen überfordern. Zumindest – und das muss man “Cars 2″ zu Gute halten – gibt sich Pixar viel Mühe mit der Gestaltung ihrer Filmwelt: Wenn in Paris kleine Propeller-Tauben durchs Bild flattern oder Auto-Pantomimen auf der Straße stehen, macht sich wieder Pixars berüchtigte Liebe zum Detail bemerkbar.

Überhaupt witzelt “Cars 2″ viel mit der Weltreise-Prämisse herum und fährt in Tokyo -Cultureclash sei Dank- sogar einen der besten Gags des ganzen Films auf, als Mator plötzlich in einer ganz und gar japanischen Toilette gefangen wird. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass Pixar auch an der Spaßfront schon cleverer, gewitzter, einfach charmanter agierte. Von den unzähligen Gags des Films sitzen nämlich nur die wenigsten.

Dafür sind die Actionszenen großartig, vor allem da man hier endlich auch mal wieder einen echten Grund abfeiern darf, warum man gerade 12 Euro an der Kasse für eine schnöde Plastikbrille bezahlt hat – der 3D-Effekt ist nämlich spitze, gerade in den zahlreichen Rennsequenzen, die “Cars 2″ sogar atemberaubender inszeniert als manche Blockbuster-Kollegen aus dem Realfilm-Segment. Nur fehlt letzten Endes auch hier die nötige Konsequenz: Immer wenn man sich gerade richtig satt sehen möchte, blendet Pixar ab und blödelt sich durch die vergleichsweise dröge Handlung.

Fazit
Ist “Cars 2″ also ein schlechter Film? Klares Nein – wenn er nur nicht so schrecklich durchschnittlich wäre. “Cars 2″ ist vielleicht sogar der erste Pixar-Streifen, der sich so gar nicht nach Pixar anfühlt. Diese grundsolide herunter gespulte Agentenstory hätte so auch von jedem anderen Animationsstudio stammen können. Statt einer kleinen, herzergreifenden Geschichte um menschliche Werte (Oben), humorvoller Feinschmeckerkost (Ratatouille) oder einem völlig losgelösten, knallbunten Actionfest (Die Unglaublichen), tischt Pixar hier ein größtenteils banales Story-Nichts um Spione und unkomische Verwechslungen auf. Das kann man immer noch ordentlich bis mäßig unterhaltsam finden, aber neben den bisherigen Meisterstücken von Pixar verblasst “Cars 2″ noch bevor es überhaupt zu strahlen begonnen kann.

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