Contagion: Kinokritik - Halb Hollywood vs. weltweite Epidemie

Martin Beck
8

Erinnert sich noch jemand an "Outbreak", den Seuchenthriller von Wolfgang Petersen? "Contagion" ist "Outbreak" auf intelligent, und halb Hollywood spielt auch mit. Stell dir vor, die Welt geht unter…und nirgendwo laufen wild blinkende Countdowns bis zur Erfindung des Antiserums!

Contagion: Kinokritik - Halb Hollywood vs. weltweite Epidemie

Der Anfang des Films spielt in Hongkong, als sich Gwyneth Paltrow bei einem Koch den hochagressiven Virus MEV-1 einfängt und wenig später verstirbt. Laurence Fishburne, der beim Zentrum zur Seuchenbekämpfung arbeitet, schickt Kate Winslet zu Matt Damon, dem immunen Ehemann von Frau Paltrow, und Marion Cotillard soll in Hongkong nach dem Ursprung des Virus suchen.


Und parallel dazu wird natürlich nach einem Antiserum geforscht, die Leichenberge werden rapide größer und ein paranoider Blogger (Jude Law) verbreitet konspirative Thesen. “Contagion” möchte eine Seuchenkatastrophe von weltweitem Ausmaß darstellen und bemüht dazu eine Starträchtige Ensemblebesetzung und ein verschachteltes Drehbuch. Niemand kann den Aggressor sehen, aber (fast) jeder ist davon betroffen.


Regisseur Steven Soderbergh hat sich mit “Contagion” eine ambitionierte Aufgabe vorgenommen, die auch deswegen einigen Atem erfordert, weil eben keine Countdowns rattern und keine reisserischen Panikszenen zu sehen sind. Sein Film ist kühl, realistisch und relativ ruhig. “Contagion” erinnert an klassische Science Fiction-Thriller der siebziger Jahre, wie z.B. ““. So oder zumindest so ähnlich könnte es tatsächlich passieren.


Die Kehrseite dieser Doku-Aura ist zum einen die vor Hollywood-Glamour bald platzende Schauspielriege und zum anderen eine gewisse Distanz zum Geschehen. Soderbergh bemüht sich um realistische Nähe, aber serviert gleichzeitig Matt Damon. Der sehr gut spielt, genauso wie auch der Rest der Besetzung (mit Ausnahme von Jude Law – Himmel hilf!), doch halt definitiv niemand ist, den man mit seinem tatsächlichen Nachbarn verwechseln würde.


Und der halt auch nie wirklich agieren darf, sondern wie betäubt durch das Szenario geschleift wird. Das selten greifbare Beklemmung auslöst, genauso wie Spannung oder Mitgefühl, sondern lieber beobachtet. Was zwar peinliche Schmalztöpfe vermeidet, aber auch nicht wirklich mitreisst. “Contagion” ist so kühl, dass Matt Damon kaum den Tod seiner Frau beweinen darf. Der Film hakt die richtigen Boxen für große, erwachsene Unterhaltung ab, aber mehr als dezent träges Mitlaufen wird den Zuschauern nicht gestattet.


Fazit
Irgendwie ist “Contagion” ein komisches, bisweilen sogar unbefriedigendes Erlebnis. Die reservierte Stimmung des Geschehens senkt die Mainstream-Tauglichkeit und schiebt eine ganze Reihe von Stars durch ein eigentlich grausiges Szenario, dem aber die kinetischen Spitzen gezogen werden. “Contagion” ist kein schlechter Film, aber richtig ansteckend ist er auch nicht. Die einzigen hörbaren Regungen im Publikum werden auf Scherzbolden basieren, die betont laut ins Kino husten.

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