Bis jetzt haben wir es bei unserer Reihe „GIGA Film empfiehlt“ ruhig angehen lassen, doch heute rufen wir offiziell die Krawallwochen aus und bringen euch Tod und Gewalt ins heimische Wohnzimmer. Na gut, ganz so dramatisch wird es vielleicht nicht, dennoch zählt „Story of Ricky“ definitiv zu den blutigsten Komödien aller Zeiten und ist unser Partytipp für den nächsten Filmabend.

GIGA FILM empfiehlt: Story of Ricky
Bildquelle: © Tokyo Shock

Viele Filme sind einfach für die Tonne, aber „Story of Ricky“ gehört zu dieser seltenen Gattung schlechter Filme, die man gesehen haben sollte. Nicht umsonst wird der Splatterstreifen gerne als „Braindead“ des Hongkong-Kinos bezeichnet. Diese Perle des Trashkinos mit Worten zu beschreiben, fällt gar nicht so leicht, denn die zahllosen Absurditäten, die uns hier präsentiert werden, können eigentlich nur das Werk eines Genies sein – oder das eines Wahnsinnigen, aber das liegt ja bekanntlich nah beieinander.

Die Geschichte spielt in einer dystopischen Zukunft: Alle staatlichen Einrichtungen wurden privatisiert und Ricky Ho (Siu-Wong Fan) landet wegen Mordes in einer Haftanstalt, die von Gefängnisdirektor Sugiyama (Ka-Kui Ho) und seinem Stellvertreter (Mei Sheng Fan) mit strenger Hand geführt wird. Da Ricky nicht nur übermenschliche Fähigkeiten besitzt, sondern auch ein Herz aus Gold, kann er die Ungerechtigkeit, die er tagtäglich miterleben muss, bald nicht mehr ertragen und spuckt der Gefängnisleitung gehörig in die Suppe.

In Deutschland steht der Film leider immer noch auf dem Index und selbst in Hongkong erhielt der Film wegen seiner Gewaltexzesse eine Bewertung, die sonst eigentlich Hardcore-Pornos vorbehalten ist. Heutzutage ist diese Einstufung einfach nur lächerlich, denn selbst PG-13 Filme wie „Der Hobbit – Die Schlacht der Fünf Heere“ sind inzwischen deutlich „gewaltverherrlichender“ und grausamer in ihrer Darstellung, als diese eher alberne Schlachtplatte aus Fernost. Allerdings wird der Erwerb durch diesen Umstand etwas erschwert, denn auch wenn indizierte Filme theoretisch verkauft werden dürften, investiert kaum ein Verleiher Geld für Neuauflagen oder gar eine aufpolierte Blu-ray-Version, von deren Existenz dann eh nur eine Handvoll Leute wissen. Während man den Film in den USA schon in HD gucken kann, müssen wir uns also gedulden. Das ist es aber wert, denn ohne die aberwitzige deutsche Synchro ist der Film nur halb so spaßig.

Ja, es werden regelmäßig menschliche Leiber durchschlagen und dabei kann es auch mal passieren, dass eine Ansammlung innerer Organe zu Boden klatscht, als hätte es einem Fass Spaghetti mit Tomatensoße den Boden ausgeschlagen. Aber ob platzende Köpfe oder abgetrennte Körperteile, die Splattereffekte sind so übertrieben und unrealistisch, dass andere Filme im Vergleich dazu wie wissenschaftliche Studien aussehen. „Story of Ricky“ punktet hier vor allem durch Einfallsreichtum. Wer lieber den Magen umgestülpt bekommt, ist zum Beispiel bei „A Serbian Film“ weitaus besser aufgehoben.

In einer Szene – an dieser Stelle ist eine kleine SPOILERWARNUNG angebracht – kommt es zum Zweikampf: Unser Titelheld Ricky bekommt erst Glasstaub in die Augen und eine Sehne wird durchtrennt. Kein Problem, ein bisschen frisches Wasser und ein fachmännischer Knoten beheben die Angelegenheit im Nu. Davon schwer beeindruckt, richtet sein Kontrahent das Messer gegen sich selbst und rammt es sich nach japanischer Tradition in den Bauch. Allerdings mit einem Hintergedanken, denn der Muskelberg nutzt den direkten Zugriff auf sein Körperinneres sogleich, um seinen Gegner mit den eigenen Därmen zu würgen – wie man sich denken kann, nicht unbedingt die klügste Idee.

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte sich schleunigst mit ein paar Bier eindecken und die Gang auf der Couch versammeln. Wer den Film schon kennt, schaltet auf den Audiokommentar, wo sich die Macher selbst über ihr Werk lustig machen. „Story of Ricky“ ist übrigens einer der wenigen Filme, die von ihrer deutschen Synchronisation stark profitieren. Die Sprüche sind pures Comedy-Gold und die Sprecher klingen so, also hätten sie bei den Aufnahmen tierisch aufpassen müssen, nicht die Nachbarschaft aus dem Bett zu holen, weswegen aus einem markerschütternden Schrei ein lustloses Stöhnen wird. Und aus einer Frau wird plötzlich ein Mann. Warum auch immer. Aber so laufen die Dinge bei diesem Film nun mal…

Achtung, der Trailer spoilert das Ende! Ist aber eigentlich egal, so überraschend ist das sowieso nicht.

Story of Ricky - Trailer Englisch
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