Der Hobbit Film-Kritik – Die Rückkehr der Kinomagie

Der Hobbit
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Peter Jackson ist ein Mann, der sich schwer damit tut, zum Punkt zu kommen. Das ist insbesondere faszinierend wie skurril zugleich, wo er doch als Regisseur, Antreiber und Visionär der „Herr der Ringe“-Trilogie mehrfach bewiesen hat, dass er komplexeste Szenenfolgen und Bildmontagen auf die Sekunde timen kann. Und dann gibt es Momente, wie die letzten 20 Minuten von „Die Rückkehr des Königs“, die einfach nicht enden wollen. Ist Jackson erst mal „drin“, mag er sich von keiner Zeile seines Drehbuchs mehr trennen. Was dummerweise auch auf seinen „Hobbit“ zutrifft.

Der Hobbit Filmkritik – Anfangs langatmig, aber dann...

Dabei wollte er den Hobbit ja ursprünglich gar nicht drehen. Zu infantil sei die Vorlage, zu naiv, betonte er stets. Ihn könne man keinesfalls zur Rückkehr bewegen. Permantes Fanecho, ein saftiger Gehaltscheck und sehr wahrscheinlich auch die Aussicht auf noch mehr Oscars sind ein steter Tropfen, der eben auch den härtesten Stein aushölt. Dennnoch: Gemessen an Jacksons initialem Unwillen, ist es dann doch verwunderlich, wie sehr er sich an seine Vorlage krallt.

Nach einer überragenden Rückblende, in der uns Jackson nicht nur die neuen Helden, sondern gleich auch das große Übel des „Hobbits“ auftischt, ist erst einmal Pause angesagt. Das Erzähltempo plätschert gemütlich vor sich hin, Vieles wird gesagt, nicht alles davon ist wirklich wichtig. Da ist sie wieder, diese Jackson-eigene Unart, auf exzellent pointierte Sequenzen  plötzlich Momente folgen zu lassen, die bisweilen einfach zu viel des Guten sind.

Jackson suhlt sich förmlich in seinen Darstellern und deren Monologen, hält manchmal minutenlang auf Gesichter und Naturkulisse. Aber wer mag ihm das schon verübeln. Auch wenn Sätze wie „Eine große Dunkelheit zieht auf“ zum x-ten Mal fallen – aus dem Mund eines Ian McKellen oder einer Cate Blanchet will das einfach nicht kitschig wirken. Und spätestens mit dem Aufbruch der Gemeinschaft der Zwerge hat sich auch dieses Problem erledigt.

Ab diesem Zeitpunkt wird „Der Hobbit“ zu all dem, was man sich vom Erbe einer der gewaltigsten Filmreihen aller Zeiten hätte wünschen können. Ein wundervolles Märchen zum Beispiel, das rührig zwischen herzlicher Message und Fantasien purer Magie wechselt, ohne dabei jemals kindisch zu wirken. Auch wenn dabei manche Bilder schon verbraucht wirken – der Anblick des Bruchtals sorgt selbst 2012 noch für großes Staunen.

Zuallererst ist „Der Hobbit“ aber pures Spektakel. Eines, für welches das Kino erfunden wurde, das Bilder erschafft, die auf eine Leinwand gehören. Und selbst dort droht die Bildgewalt, der schiere Detailreichtum einer jeden Szene weit über die Ränder hinauszudrücken. Mittelerde ist mehr als je zuvor ein lebendiger, pulsierender Ort, dem eine magische Aura anhaftet. Riesenspinnen treffen auf hustende Igel auf pfeilschnelle Hasen auf Geisterwesen und hilfreiche Schmetterlinge.

Dass Peter Jackson zu einem der Großen seiner Kunst gehört, beweist er in jenen Momenten, in denen das „Abenteuer“, in das des „Hobbits“ Titelheld gesogen wird, mit voller Wucht auf die Leinwand trifft. Dann preschen plötzlich gigantische Warge durchs Geäst, gewaltige Armeen kämpfen gegeneinander oder – eine der monumentalsten Szenen des gesamten Jahres – bekämpfen turmhohe Steintitaten einander.

Als Zuschauer müsste man schon schwer abgestumpft sein, um dabei nicht in den Sessel gepresst zu werden. Die Effekte sind makellos, Howard Shores (leider sehr überraschungsarmer) Score steigert sich zu großer Theatralik und Jacksons Kamera schwebt wie losgelöst durch den Raum, dreht sich manisch um Gandalf und Co., während diese durch perfekt animierte Goblinhorden hechten. Ob Kind oder nicht, Fantasyliebhaber oder Realist – Staunen ist hier wohl das Mindeste.

Der Großteil dieser Zwischenstationen wirkt – so ehrlich muss man sein – bisweilen arg konstruiert und aufgesetzt. Wenn Bilbo und die Zwerge auf einen Haufen Trolle treffen, bringt das die Handlung keinen Schritt weiter. Man merkt, dass J.R.R. Tolkien sein Werk als Kinderbuch konzipierte und dabei wahllos „aufregende Momente“ in die Handlung zu quetschen versuchte. Was fehlt noch? Achja, Riesenwölfe! Spinnen? Hatten wir auch noch nicht.

Jackson hält den Ton jedoch erstaunlich düster. Anders als befürchtet, ist „Der Hobbit“ weder sonderlich humorig, noch würde er Gewalttaten aussparen. In den Schlachten fliegen die Körperteile wie eh und je, es wird gelitten, es wird triumphiert, Heldenmut wechselt sich mit Leid und Tod ab. Eine der stärksten und gleichzeitig finstersten Szenen trägt abermals Andy Serkis alias Gollum, der sich damit jedoch lediglich in ein Ensemble großartiger Schauspielleistungen einreiht.

Ein Wort zur Technik: Die 3D-Brille hätte uns Jackson gerne ersparen können, genutzt wird der Effekt nicht, abgesehen von der zusätzlichen Bildtiefe gewinnt der „Hobbit“ dadurch nichts. Selbiges gilt leider auch für die arg umstrittene Entscheidung, den Film in 48 statt 24 Bildern pro Sekunde zu drehen. Das Bild wirkt dadurch sauberer, beinahe zu scharf und erinnert damit nicht selten an eine überteuerte Dokumentation.

Der Hobbit Film-Kritik: Fazit

Es passiert nicht oft, dass ich, mit immerhin 31 Jahren, im Kino sitze und mit einem Schlag zurück in meine Kindheit katapultiert werde. Damals, 1988, als ich zum ersten Mal „Die unendliche Geschichte“ im Kino sah und mit weit aufgerissenen Augen erlebte, wie Drachen, gigantische Kreaturen und tiefe Emotionen diesen winzigen Saal erleuchteten, war es um mich geschehen. Filme wie „Der Hobbit“ erinnern mich wieder daran, weshalb ich mich einst unsterblich in die große Leinwand verliebt habe.

Ob mit oder ohne 48 Bildern pro Sekunde – „Der Hobbit“ ist ein gewaltiges Spektakel geworden, das eben jenes manchmal verloren geglaubte Staunen wieder aufleben lässt. Hier werden kleine Kerle zu großen Helden, weise Zauberer zu Vaterfiguren, Träume von fremden Welten zum Leben erweckt – alles zum Preis einer Kinokarte. Die neue Bildtechnik braucht Peter Jackson gar nicht, um seinem Abenteuer Leben einzuhauchen.

Neben dem deutlich zu scharfen Bild ist es einzig Jacksons Unvermögen, sich in den richtigen Momenten kurz zu fassen, das dem „Hobbit“ den Status “Meisterstück” verwehren könnte. Zudem kommt man nicht umhin zu bemerken, dass „Der Hobbit“ im Gegensatz zur epischen, komplex verschachtelten „Ring“-Saga der deutlich seichtere Stoff ist. Allerdings: Wenn das hier nur der erste Ausblick auf die Güte der kommenden Episoden ist, dann...Hallelujah! Ich kann es jedenfalls kaum mehr abwarten.

Wertung: 8/10

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