Die ersten Hobbit-Kritiken: Von “drei Stunden Gähnen” bis “besser als der Herr der Ringe”

Während hier die Ponys mit den Hufen scharren, laufen nach der Premiere und dem Ende des US-Presse-Embargos die ersten Kritiken zum “Hobbit” ein. Und die ergeben ein sehr disparates Bild – von “langweilig” bis zu “besser als der Herr der Ringe” ist alles vertreten.
UPDATE 12.12.: Hier geht es zu unserer ausführlichen Hobbit-Kritik.

Die ersten Hobbit-Kritiken: Von “drei Stunden Gähnen” bis “besser als der Herr der Ringe”

Wie wirkt die hohe Framerate? Wie kann man die 13 Zwerge auseinanderhalten? Und wie ausgewälzt geht die Geschichte im ersten von drei Filmen voran? Darüber darf gestritten werden – und es wird. Kaum eine Kritik kommt ohne den Verweis auf Star Wars aus, bei der George Lucas nach einem ähnlich überwältigenden Trilogie-Erfolg dann umstrittene Prequels hinterhergeschoben hat. Auch die doppelte Projektionsrate von 48 Frames per Second ist überall ein Thema – die beim ersten Screening zu entgeisternden Reaktionen geführt hatte, sich jetzt aber offenbar runder anfühlt. Hier ein Querschnitt durch die ersten Kritiken:

Luke Thompson vom Nerdist nennt die “Unerwartete Reise” ein “Erwartbares Vergnügen”. Für ihn wirkt der Hobbit wie ein “Next-generation Reboot” vom “Herrn der Ringe“. Von den ähnlichen Plot-Punkten, angefangen von dem Beginn im Auenland, der Reise nach Rivendell, dem neuen Ork-Mini-Boss, dann über und unter die Berge, bis zu dem Einsatz von Musik und den Kameraeinstellungen bei der Landschaft wirkt vieles bekannt. Die doppelte Framerate ist für ihn “both astounding and potentially nauseating”, er spricht von einem klareren Bild und “motion sickness”. Sein Fazit: Der Hobbit macht sogar mehr Spaß als der Herr der Ringe, wegen seines Humors. Bilbo wirke deutlich plastischer als der immer ernste Frodo. Außerdem: Bessere Kämpfe, größere Effekte.

Der Hobbit: Perücken, Slapstick und Gewalt

Der Hobbit sieht aus “wie ein Fernsehfilm”, urteilt James Rocchi von Boxoffice.com. Das bezieht er vor allem auf die 48-FPS-Rate, die normale Aktionen wie Drogen-Halluzinationen aussehen lässt. Er hätte die ganzen 166 Minuten lang den Filmvorführer fragen wollen, nochmal den Projektor zu überprüfen, das ganze ergäbe flaches Licht und einen Plastik-Look. Rocchi vergleicht den Hobbit mit den Star-Wars-Prequels – die Technik und die Erwartungen seien fortgeschritten, die Story aber kindischer. Auch sonst lässt er kaum ein gutes Haar am Film: Wo der HdR Gewicht hatte, besteht der Hobbit aus Perücken, Slapstick und Kopf-kürzender Gewalt, die für Kinder nicht geeignet ist – das einzige Publikum, das nicht zu Tränen gelangweilt sein wird.

Edward Douglas von Comingsoon.net schlägt in eine ähnliche Kerbe: Der Hobbit sei über weite Strecken “unsehbar” wegen der Framerate, die den Film ruiniere. Vieles habe man schon gesehen und der Versuch, die Magie des Herrn der Ringe einzufangen, sei ein Fehlschlag. Die “Unerwartete Reise” könnte eine Art “Episode 1″ sein – und “Gott schütze uns, wenn die nächsten beiden Filme nicht besser werden als dieser hier”.

CGI-Monster statt echter Präsenz

Jim Vejvoda von IGN kritisiert zunächst den unnötig langsamen Anfang – die erste Stunde passiere quasi nichts, der rund 10-minütige Cameo-Auftritt von Elijah Wood als Frodo sei komplett sinnlos, das beraube den Film seiner Dringlichkeit. Anders als im HdR seien die Orks, Goblins etc. rein CGI-animiert – und das würde man auch sehen. In einigen Kämpfen wird gegen nichts gekämpft, die Monster entwickelten keine Präsenz. Nur Gollum würde auch als CGI-Figur funktionieren – und seine Szene komme genau im richtigen Moment. Nur fünf der Zwerge würde man richtig als Personen wahrnehmen, ansonsten seien sie eher für Gags am Rande vorhanden – und am Ende stellt man fest, dass man sich weit weniger an die Hauptfiguren erinnert als beim HdR. Vejvoda empfiehlt außerdem, den Film in 24FPS anzusehen, denn die höhere Bilder-Rate entzaubere die fantastische Welt zu einem “realistischen” Fernseh-Film. Das sei dann zwar die beste BBC-Produktion ever, aber der höhere Eintrittspreis sei nicht gerechtfertigt. Sein Fazit: Epischer Fun, aber nicht so großartig wie die Vorläufer-Trilogie.

Auch Hollywood.com vermisst die Leben-oder-Tod-Dringlichkeit, die man von einer Reise durch Mittelerde erwartet. Die epische Breite fühlt sich auf den zweiten Blick eher “mäandernd” an. Matt Patches urteilt, dass die Rätsel-Szene mit Gollum und Bilbo eine der besten Blockbuster-Szenen des Jahres sei, er findet lobende Worte für Martin Freeman und Gandalf-Darsteller Ian McKellan. Am Ende sei der Hobbit ein guter Einstieg für die Ring-Trilogie, bedient aber auch die Wünsche der Fans, mehr zu wollen.

“Drei Stunden Gähnen”

Eine der harschesten Kritiken kommt von Screencrush.com: “Drei Stunden Gähnen” schreibt Jordan Hoffman. “Wer nach einem großartigen Film sucht, wird enttäuscht werden. Trotz seiner vielen Gimmicks ist “The Hobbit: an Unexpected Journey” nur ein okayer Film.”

Insgesamt erzielt der Hobbit: Eine unerwartete Reise auf Rotten Tomatoes derzeit eine Wertung von 71% – was sich anhand der einlaufenden Reaktionen aber noch ändern kann (heute morgen waren es noch 82%). Einige schlechte Kritik-Werte sind sicher auch Kalkül, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ausgeglichenere Reviews erschienen auch beim Hollywood Reporter und bei Collider.com. Bei uns bleiben jedenfalls die Vorfreude auf den 13.12. hoch – und die Erwartungen auch.

Weitere Themen: Martin Freeman, Christopher Lee, Peter Jackson

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