Die gescheiterten Tolkien-Verfilmungen: So sahen Hobbit und Herr der Ringe vor Peter Jackson aus

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Wirft man einen Blick auf die früheren Tolkien-Verfilmungen, kann man Peter Jackson gar nicht dankbar genug sein. Von den Kinderbuch-Zeichnungen zur ambitionierten Ralf-Bakshi-Rotoskopie-Variante – hier ein Überblick zu den anderen Film-Versionen vom Hobbit und dem Herrn der Ringe, die niemanden wirklich glücklich machten.

Die gescheiterten Tolkien-Verfilmungen: So sahen Hobbit und Herr der Ringe vor Peter Jackson aus

The Hobbit (1966) von Gene Deitch und William L. Snyder

1964 erwarb der Filmproduzent William L. Snyder die Hobbit-Filmrechte direkt von Tolkien und ließ den Zeichner Gene Deitch 1966 einen 12-minütigen Kurzfilm erstellen – größtenteils aus Bildern, kaum animiert. Dazu wurde die Story auch noch etwas frisiert – oder könnt ihr euch an eine Prinzessin erinnern? Und wo sind die ganzen Zwerge hin? Das US-Team Deitch/Snyder produzierte seine Filme (wegen der günstigeren Tarife) in Prag, war mehrmals für Oscars nominiert und gewann 1961 die Auszeichnung für den besten animierten Kurzfilm mit “Munro”. Ihr Hobbit blieb allerdings eine Sendung-mit-der-Maus-Bildergeschichte.

The Hobbit (1977) von Bass / Rankin

Die erste abendfüllende Verfilmung des Hobbits stammt von Jules Bass und Arthur Rankin jr. – aber was heißt abendfüllend. “The Hobbit” von 1977 kommt (anders als bei Peter Jackson) auf 77 Minuten Länge und wurde für das kanadische und japanische Fernsehen vom Topcraft-Studio produziert – also in derselben Konstellation wie “Das letzte Einhorn” fünf Jahre später, 1982. Und so ähnlich sieht es auch aus. Eine deutsche Synchronisation dieser immerhin annehmbaren Tolkien-Adaption existiert nicht.

Der Herr der Ringe (1978) von Ralph Bakshi

Der erste und einzige Versuch vor Peter Jackson, das große Tolkien-Epos zu verfilmen, wurde von Zeichentrick-Regisseur Ralph Bakshi unternommen – der schon zuvor mit “Fritz the Cat” einen Kino-Erfolg feiern konnte und mit “Wizards” (1977) einen animierten Fantasy-Film produziert hatte. Sein “Herr der Ringe” war durchaus ambitioniert, zum größten Teil mit echten Schauspielern gedreht und anschließend überzeichnet (was man “Rotoskopie”-Verfahren nennt), die Schauspieler-Orks auch teilweise nur mit Folie eingefärbt. Der Rund 130-minütige Film bricht bei der Schlacht in Helms Klamm ab und erfüllte nur mäßig die Erwartungen der Fans. Ursprünglich wollte Bakshi die drei Bücher in drei Filmen umsetzen, ließ sich dann auf eine Zwei-Film-Version ein. Bei der Veröffentlichung strich United Artists dann plötzlich den Hinweis “Part 1″ und ließ den gesamten Film als “Lord of the Rings” laufen. Das Filmstudio entschied sich aus finanziellen Gründen dagegen, den zweiten Teil zu produzieren – obwohl der Film sogar ein echter Erfolg an den Kinokassen wurde.

Bakshi hält sich dicht an der Tolkien-Vorlage, und Peter Jackson schildert in den Extras zu den “Gefährten”, welch großen Einfluss diese erste Verfilmung auf ihn hatte (so wird beispielsweise Tom Bombadil hier auch ausgespart, die Szene unter den Wurzeln deutlich zitiert). Auch der Soundtrack von Leonard Rosenman war exzellent – und griff den gerade von Star Wars vorgelegten Wechsel zu orchestralen Scores mit einer dissonanten Note auf. Bakshi war erschöpft von den Kämpfen mit dem Filmstudio, er legte später mit “Fire and Ice” (1983) nochmal einen Fantasy-Animationsfilm nach – der aber floppte. Wurde neu veröffentlicht.

The Return of the King (1980) von Bass / Rankin

Oft als inoffizielle Fortsetzung des Bakshi-Films gesehen, machten sich Bass/Rankin 1979 an eine Adaption vom dritten Herr-der-Ringe-Band. Die Geschichte ist relativ frei gestrickt, lässt viele Figuren und Handlungsstränge aus, und ähnelt ihrer “Hobbit”-Verfilmung, mitsamt den Musical-ähnlichen Passagen, den etwas billig wirkenden Zeichnungen und der nicht existenten deutschsprachigen Synchro. Jedenfalls kein ernstzunehmender Versuch, die Trilogie passend auf die Leinwand zu bringen.

Der russische Hobbit von 1985

Die russische Hobbit-Verfilmung von 1985 entstand als Fernsehspiel und verzichtete u.a. auf die Trolle, Elrond, Beorn und die Wald-Elben. Die Goblins werden von Tänzern des Leningrader Opern-Balletts gespielt. Unter der Regie von Vladimir Latyshev entstand eine Art Theater-/Puppen-Spiel, das im Kinderprogramm des UdSSR-Fernsehens gezeigt wurde. Kurios.

Und das war’s auch schon mit den Tolkien-Verfilmungen – abgesehen von Fan-Flicks wie dem 70-minütigen “Born of Hope” von 2009 (hier auf Youtube ansehen) und dem kürzeren “Hunt for Gollum” aus demselben Jahr, die beide erstaunlich gut sind. Wo gute Fantasy-Umsetzungen sowieso selten sind, war Peter Jackson einfach ein Glücksfall für alle Tolkien-Fans – und die Technologie inzwischen auch weit genug, dass man diese Mammut-Aufgabe stemmen konnte.

Weitere Themen: Der Herr der Ringe – die Gefährten, Martin Freeman, Christopher Lee, Peter Jackson


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