Der Zoowärter: Kinokritik - Kevin James und sprechende Tiere - eine pfundige Verbindung?

Martin Beck
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Kevin James genießt nach wie vor ungeheure Popularität, was aber nach wie vor hauptsächlich mit “King of Queens” zu tun hat. Sein Alter Ego Doug Hefferman ist der Pin Up-Boy einer Legion übergewichtiger Couch Potatoes, die in ihm ein schwabbeliges Placebo für die eigene Antriebslosigkeit erkennen. “Es ist okay, keine Ambitionen zu haben und einen Durchschnitts-Job vor allem mit Fernsehen und Futtern auszugleichen”. Ach ja, was für ein wunderschönes Lebensmotto!

Der Zoowärter: Kinokritik - Kevin James und sprechende Tiere - eine pfundige Verbindung?

Kevin James ist der fleischgewordene Durchschnitt, inklusive 8 Euro-Haarschnitt, und darf als solcher seit einigen Jahren auch im Kino die Leinwand füllen. Wo jedoch “King of Queens” durchaus witzige bis zumindest skurrile Anflüge vorweisen konnte, sind seine Spielfilme bisher ausnahmslos lahmarschige Stangenware, die spätestens mit dem letztjährigen Auswuchs namens “Kindsköpfe” auch die adäquate Überschrift bekommen hat. Kevin James im Kino ist amerikanischer Mainstream zwischen Cordhemden, Buddie-Witzchen und ungelenkem Herzschmerz-Schmalz.


Was eine geradezu organische Überleitung zu “Der Zoowärter” schafft, dem neuesten Kevin James-Film, der nicht nur perfekt ins bisherige Kevin James-Schema passt, sondern auch gleich noch einen mutigen Schritt Richtung Keller unternimmt – dort, wo dicke Hauptdarsteller mit vermenschlichten/ sprechenden/ animierten Tieren gepaart werden. Die mit diesen Merkmalen sämtliche Familienknöpfe dieser Welt drücken und sich damit auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner an gestresste Eltern im nachmittäglichen Shopping Center-Stress wenden.


“Der Zoowärter” ist für Kevin James das, was “Dr. Doolittle” für Eddie Murphy bedeutete: der feist grinsende Handschlag zum “All American”-Familienstar. Der sich tollpatschig genug für grimassierende Slapstick-Einlagen geben darf, am Anfang eine Niederlage (=einen abgeschmetterten Heiratsantrag) erleiden muss und dann mit Hilfe von Tieren und seiner besten (=platonischen) Freundin das “richtige” Leben kennenlernen darf. Was sich natürlich vor allem um die erneut aufgetauchte Ex dreht. Und am Ende natürlich, wir wechseln in den Zeigefinger-Modus, wahre Gefühle vor heiße Kurven stellt.


“Der Zoowärter” ist von Anfang bis Ende eine Tortur. Die Geschichte schleicht mit penetranter Vorhersehbarkeit, der Hauptdarsteller ist eine einzige Platitüde und die vermenschlichten/ sprechenden/ animierten Tiere bekommen die größten Lacher. Was in diesem Umfeld gleichbedeutend ist mit milden Schmunzlern. Die mächtig zu kämpfen haben, sich gegen ein wild herumplapperndes Drehbuch überhaupt Gehör zu verschaffen. Und letztendlich einfach Pointen-loser Teil des alles erschlagenden Riesel-Flows werden.


Selbst wenn man mal außer Acht lässt, dass die Geschichte an sich einfach nur addierter Baukasten-Quatsch für anspruchslose Kinder ist, kommt man hier nicht auf das wohlmeinende Schlagwort “leichte Unterhaltung”. Nein, “Der Zoowärter” ist nichts anderes als ultraflacher Blödsinn, der als solcher schnell langweilig wird und sein Publikum für dümmer verkauft als es wahrscheinlich ist. Wenn Tiere Menschen zeigen müssen/dürfen, wo es im Leben und der Liebe langgeht, wird die Evolutionsgeschichte immerhin soweit negiert, dass Kevin James auch mal im Restaurant an eine Topfpalme pinkeln darf.

Fazit
“Der Zoowärter” zielt genauso tief wie man es von Kevin James inzwischen leider gewöhnt ist und kann kaum etwas vorweisen, was nicht fünf Minuten nach Filmende schon wieder vergessen ist. Geschlagene fünf Drehbuchautoren mühen sich hier, Gorilla Bernie, übrigens ein Mann in einem Affenkostüm, muss ein depressives Tief überstehen und Regisseur Frank Coraci, der unter anderem “Klick” auf dem Kerbholz hat, gestattet sowohl Ken Jeong (dem hysterischen Koreaner aus den “Hangover”-Filmen) als auch Thomas Gottschalk (dem hysterischen Deutschen aus den “Wetten Dass” Sendungen) grauenvolle Cameos. Ja Hilfe. Oder, mit anderen Worten: Solche “Komödien” verdienen keinen Verriss, sondern eine Warnung.

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