Die Frau in Schwarz – Kinokritik – Harry Potter und das Haus des Schreckens

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„Die Frau in Schwarz“ besitzt zwei große Argumente: Die erste Hauptrolle von Daniel Radcliffe nach dem Ende der „Harry Potter“-Reihe und die erste neue Großproduktion der wiedererweckten Hammer Studios.

Während Argument Nummer 2 vor allem Freunde klassischer Gothic Horror-Unterhaltung erfreuen dürfte, ist Argument Nummer 1 ein Köder für die ganze Familie. Wie auch gerade bei Kristen Stewart zu beobachten, möchte Daniel Radcliffe dem Fluch der ewigen Rollentypisierung durch einen bewusst harten Schnitt entgehen. Statt jugendlicher Fantasy ist nun erwachsener Horror angesagt, statt üppiger Effekte subtile Knarzgeräusche.

„Die Frau in Schwarz“ zelebriert klassischen „haunted house“-Horror mit allem was dazu gehört: Nebel, Regen, ein geheimnisvoller Fluch, lange Schatten, seltsame Geräusche, sich spontan bewegende Gegenstände und natürlich eine imposante viktorianische Villa. Die Daniel Radcliffe alias Rechtsanwalt Arthur Kipps aufsucht, um den Nachlass der verstorbenen Eigentümerin zu klären. Und dabei auf ein düsteres Geheimnis stößt, das mit ertrunkenen Kindern und der mysteriösen Titelfigur zu tun hat.

Die Art und Weise, wie „Die Frau in Schwarz“ Horror vermittelt, ist zugleich konventionell und erfrischend. Ganz in der Tradition klassischer Hammer-Filme geht es hier zurück zu den absoluten Grundlagen eines Genres, das in jüngster Zeit von CGI-Kreaturen, Splatter-Exzessen und angetackerten Cliffhangern drangsaliert wurde. Bei „Die Frau in Schwarz“ bekommt man eine quasi unverfälschte Gänsehaut verpasst, die nicht den großen Showeffekt braucht, sondern ihre Wirkung aus einer schleichend düsteren Atmosphäre bezieht.

Auf der einen Seite geht es „back to the roots“, auf der anderen Seite zeugen kunstvoll arrangierte Bilder und eine stilvolle Inszenierung von einer definitiv modernen Produktion. Regisseur James Watkins beweist nach „“, seinem ungleich ruppigeren Debüt, erneut ein umfassendes Verständnis für das gewählte Genre und schafft zusammen mit dem glücklicherweise überzeugenden Hauptdarsteller ein zwar nicht unbedingt innovatives aber auf jeden Fall packendes Gruselerlebnis. Horror als Mischung aus alt und neu; die Neuerfindung von Hammer ist mehr als geglückt.

Fazit
Das Schlimmste, was man der „Frau in Schwarz“ antun kann, ist sich von dem grottigen deutschen Poster (alleine diese Typo – H-I-L-F-E!) leiten zu lassen. Hinter den stahlgrünen Augen von Harry Potter verbirgt sich nämlich ein im besten Sinne altmodischer Gruselfilm, der sein Genre Ernst nimmt und dem Zuschauer eine nachhaltige Gänsehaut verpasst.

Sowohl der Schritt weg von „Harry Potter“ als auch die Wiederbelebung von Hammer sind geglückt. „Die Frau in Schwarz“ war bereits in England und Amerika ein großer Hit und wird auch bei uns dafür sorgen, dass Horror nicht nur mit tief fliegenden Augäpfeln in Verbindung gebracht wird. Was –bitte nicht vom Stuhl fallen- zumindest als satte Alternative eine verdammt gute Sache ist.

Wertung: 8/10

Regie: James Watkins
Darsteller: Daniel Radcliffe, Misha Handley, Ciaran Hinds
GB,SWE,CAN/2011
Start: 29.3.2012

Apropos Poster: Das gibt’s auch in schön, zumindest in England:


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