Die Muppets – Kinokritik – Applaus, Applaus, Applaus!

Kaum ein Film in den letzten Monaten wurde so gespannt erwartet wie „Die Muppets“. Weil einfach alle die Muppets lieben. Und selbst die schwächeren Kinofilme, Stichwort: „“, etliche großartige Momente haben – wie z.B. Wasserski fahrende Ratten.



„Die Muppets“ ist der erste Muppets-Kinofilm seit 12 Jahren. Der letzte Muppets-Film, „“, war ein finanzieller Flop, so dass hier zunächst einmal die Kasse klingeln soll. Und damit die Puppen-Truppe wieder so präsent dasteht, dass weitere Kinofilme und, so wird gemunkelt, auch eine neue TV-Serie möglich gemacht werden.

Im Vor-Vorfeld wurde dieses Vorhaben äußerst kritisch aufgenommen, zumal „Die Muppets“ der erste Muppets-Film ist, der ohne den Henson-Clan auskommt. Disney, die bisher lediglich koproduziert und vertrieben hatten, übernahmen die komplette Produktion und sorgten damit natürlich für Zähneklappern. Ein Regisseur (James Bobin), der bisher vor allem schräge TV-Serien, wie z.B. „“, gedreht hat? Ein Hauptdarsteller (Jason Segel), der auch noch das Drehbuch schreibt?? Was mag da rauskommen – etwa Kermit & Co. als CGI-Figuren???

Es bestehen kaum Zweifel, dass auch diese Option auf dem Disney-Tisch lag, was die seit Mai letzten Jahres -wir befinden uns inzwischen in der Vorfeld-Phase- penetrierenden Trailer mit umso größerem Jubel unterlegte. Statt normaler Vorschauen bekam der „Muppets“-Film etliche Parodie-Trailer, die spätestens ab dem großartigen Mash-Up mit dem „Verblendung“-Remake eine unverhoffte Schärfe und Coolness offenbarten. „Die Muppets“ visierte Erwachsene an und schürte Lust auf Chaos.

Dass man schließlich trotzdem mit gemischten Gefühlen im Kino Platz nahm, war vor allem der hemmungslos subjektiven Bestie Nostalgie zuzuschreiben, die auch hier eine immens schmerzhafte Fallhöhe empor kletterte. „In this market, you guys are no longer relevant“ sagt Rashida Jones in dem Film und meint damit natürlich auch das ganze Unternehmen “Die Muppets“. Anarchische Handpuppen anno 2012, das heißt im schlimmsten Fall gelangweilte Jugendliche. Weil einfach niemand mehr weiß, dass extreme Bilder nur im richtigen Kontext funktionieren können.

Was „Die Muppets“ möchte, ist eine Vermischung originärer Inhalte mit popkulturellen Referenzen. Die im schlimmsten Fall „product placement“ für „Cars 2“ bedeuten und im besten Fall fröhliche Gaststars (wie z.B. Jack Black, Neil Patrick Harris, Sarah Silverman oder Zach Galiafakanis) und selbstironische Brüche – à la der Kommentierung einer Explosion mit „DAS war im Budget drin??“ Kein Mensch will verbissen ablachenden Handpuppen zusehen. Die Flucht nach vorne kann eigentlich nur bedeuten, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

Was über weite Strecken erstaunlich gut funktioniert und die sehr spezielle „Muppets“-Mischung tatsächlich auf den Punkt bringt. Mit flachen/feinen Gags, wild gestikulierenden Puppen, allgemeinem Chaos und spontanen Songs im Rahmen eines vor Charme nur so sprühenden Familientreffens. Das die Anarchie der Serie eher nicht erreicht, analog zu allen anderen Kinofilmen, aber den Fans von Kermit & Co. trotzdem pures Manamana serviert.

Im Film wie in der Realität müssen sich die Muppets erst wieder zusammenraufen. Um dann allen zu beweisen, dass sie immer noch Begeisterung erzeugen können. Kermit, Fozzy Bär, Gonzo & Co. kommen nach und nach wieder vor die Kamera und balancieren dabei zwischen angeschrägtem Humor und rührender Nostalgie. In der besten Szene des Films befinden wir uns in Kermits Haus und sehen dabei zu, wie seine Bilder zu neuem Leben erwachen. Die Puppen standen bereits kurz vor dem Museum, übrig bleibt nur noch rückwärts gerichtetes Merchandise.

Was die großartigen Trailer versprachen, kann „Die Muppets“ nicht ganz halten, aber die Fans werden trotzdem glücklich sein. Weil der Neuanfang aus alt & neu die alten Tugenden respektiert und gleichzeitig neue Aspekte, namentlich vor allem Walter, eine Bindeglied-Puppe zur heutigen Jugend, wesentlich weniger aggressiv einsetzt als man eigentlich erwarten durfte. Zuallererst ist „Die Muppets“ einfach ein großer Spaß, mit lauten Lachern, knallbuntem Durcheinander, tollen Songs („Am I a man or a Muppet“ – ein KILLER!) und einer generellen Fröhlichkeit, die in ihrer unbändigen Lebensfreude einem gelungenen Kindergeburtstag mit Bällebad UND Bierfass ähnelt. „I am a man AND a muppet“: Herzlich willkommen zurück!

Fazit
Was auch immer man im Vorfeld von „Die Muppets“ für Bauchschmerzen hatte, der Film verwandelt sie in fröhlich hoppelnde Honigkuchenpferde. Der einzige Vorwurf, den man dem Film machen kann, ist seine vielleicht etwas zu nette Nettigkeit, doch ansonsten bleibt eigentlich nur die Kapitulation. Vor zugleich irren und liebenswerten Puppen. Die hier durch eine knallbunte Mischung aus „Muppet Movie“ und „Blues Brothers“ purzeln, und dabei auf unglaublich charmante Weise mitteilen, dass sie immer noch begeistern wollen.

„Ist dieser Film in 3D“? „Nein. Die Muppets sind so eindimensional wie immer.“

Lieber Waldorf, lieber Statler, was haben wir euch vermisst.

Regie: James Bobin
Darsteller: Kermit, Miss Piggy, Fozzy Bär, Gonzo
USA/2011
Start: 19.1.2012

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