Die Schlümpfe: Kinokritik - Sollte man für diesen Film blau sein?

Martin Beck
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Es gibt wohl kaum etwas uncooleres, als erwachsenen Mitbürgern zu verklickern, dass man sich jetzt “Die Schlümpfe” in 3D ansieht. Zumindest wenn man selber schon erwachsen ist und erst vor ein paar Wochen “Der Zoowärter” aushalten musste, eine weitere Familienkomödie zwischen CGI und “live action”. Die maximal Fünfjährige zum Lachen bringt, weil der dicke Kevin James einfach so herrlich trottelig ist.

Die Schlümpfe: Kinokritik - Sollte man für diesen Film blau sein?

Und da sitzt man nun, mit seiner vom Verleih gesponserten Pepsi, und freut sich zumindest, dass neben einem ein kleines Mädchen namens Luise Platz nimmt. Die von ihrem Papa, einem sicherlich wichtigen Filmkritiker, eingeschleust wurde und nun zusammen mit ihm die dicken 3D Brillen aufsetzt. “Mein Liebling ist Schlumpfine, weil die so schönes Haar hat und außerdem das einzige Mädchen bei den Schlümpfen ist”. Ich beginne zu lachen und Luise strahlt mich an. Vielleicht könnte das hier ja doch ganz lustig werden…


“Die Schlümpfe” sind eine Kreation von Peyo, einem belgischen Comiczeichner, der 1958 kleine blaue Männchen mit weißen Hosen und Zipfelmützen auf die Menschheit loslies. Angeführt von Papa Schlumpf, leben die Schlümpfe in Schlumpfhausen und erleben dort allerlei lustige Abenteuer, die nur von Gargamel, einem bösen Zauberer, gestört werden. Es ist nämlich so, dass die Schlümpfe ein zauberhaftes Elixier in sich tragen, das Gargamel zum mächtigsten Magier überhaupt machen würde – sofern er denn die kleinen Blaumänner wortwörtlich ausquetschen kann.

Als Gargamel Papa Schlumpf in “Die Schlümpfe” mittels einer abenteuerlichen Maschine in der Auspress-Mangel hat, möchte Luise gar nicht mehr hinsehen und klettert bei Papa auf den Schoß. Glücklicherweise ist diese Szene aber rasch wieder vorbei und macht Platz für bunten Frohsinn, der selbst allerkürzesten Mitbürgern keine Angst bereitet. “Die Schlümpfe” erzählt eine harmlose “smurf-out-of-water”-Geschichte, bei der ein Zeitportal die blauen Gesellen von Schlumpfhausen ins heutige New York verfrachtet. Gargamel kommt natürlich hinterher und schon ist alles bereit für turbulente Unterhaltung zwischen erstaunten Menschen, viel Action und weisen Werte-Botschaften.


Über weite Strecken hat Luise einen Heidenspaß, auch wenn sie eher staunt als albern herumkichert. Die Animation bei “Die Schlümpfe” ist einfach nur phänomenal, die 3D Bilder sind gestochen scharf (und bisweilen tatsächlich spektakulär) und langweilig kann einem eigentlich auch nicht werden. Basierend auf einem schon Zillionen Mal gesehenen Basisplot, ist hier genug los, dass die natürlich gnadenlose Vorhersehbarkeit der Handlung kaum ins Gewicht fällt. Man möchte lieber noch ein paar Tölpeleien von Clumsy sehen oder auch Gargamel bei seinen herrlich bööösen Schandtaten anfeuern.


Clumsy, natürlich der Schlumpf, der immerzu herumstolpert oder Sachen fallen lässt, ist ein herrlich sympathischer Zeitgenosse, und Gargamel alias Hank Azaria ein absolut großartiger Bösewicht. Der jeden Satz mit sattem Gusto herauspfeffert, seiner höchst eigenwilligen Katze einen satten Fußtritt verpasst und einen zahnlosen Alki fragt, wo’s denn hier zum blauen Dorf geht. Was wiederholt Lacher produziert und immer wieder Erinnerungen an die besten Disney-Fieslinge hervoruft. Ich möchte zu gerne mal einen Showdown zwischen Gargamel und Cruella de Vil sehen.

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