Die vierte Macht – Kinokritik – spannender Politthriller mit Moritz Bleibtreu

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Ein großer deutscher Kinofilm mit internationaler Ausrichtung und klarer Genrethematik? „Die vierte Macht“ geht ungewohnte Wege und verdient alleine deswegen Applaus, zumal die hier Beteiligten offenkundig ihre Politthriller-Hausaufgaben gemacht haben.

Regie bei „Die vierte Macht“ führt Dennis Gansel, der bereits mit seinem letzten Film, „“, in die gleiche Richtung stieß. Und dabei eine saubere (finanzielle) Bruchlandung erlitt. Was aber keinesfalls ein Omen sein soll, sondern höchstens auf z.B. Robert Schwendtke zeigt, der nach einigen „un-deutschen“ Genrefilmen inzwischen in Hollywood kurbelt. Einem Ort, an dem man sich auch Dennis Gansel absolut vorstellen kann.

„Die vierte Macht“ ist bereits der zweite Vorstoß des Regisseurs in das Genre des Politthrillers, wobei der erste, „“, lediglich im Fernsehen zu sehen war. Der Titel bezieht sich auf den Einfluss der Presse, der in Moskau, dem Handlungsort der Geschichte, für klassische Genrespannung sorgt. Ein deutscher Journalist (Moritz Bleibtreu) beobachtet den Mord an einem Kollegen, schreibt einen Nachruf und gerät so ins Visier der oppressiven Staatsmacht. Verrat, Knast und Terror vs. Pressefreiheit; Moskau als immer noch mysteriöses Labyrinth zwischen Hyper-Kapitalismus und guter, alter KGB-Gewalt.

Über weite Strecken präsentiert sich „Die vierte Macht“ als glaubwürdiger Politthriller, der dicht inszeniert ist, eine gut aufgebaute Geschichte vermittelt und vor allem in den haarigen Gefängnisszenen beklemmende Spannung erzeugt. Man ist „drin“ in dem Film, selbst wenn das ganz große Nägelkauen ausbleibt und Moritz Bleibtreu keine -mäßigen Verrenkungen macht. Seine Figur verhält sich eher zurückhaltend und damit aber auch greifbar. Ein völlig zu Recht eingeschüchterter deutscher Journalist auf einer dreckigen Pappe im russischen Knast. Und am Fenster gleich daneben hängt ein frisch aufgeknüpfter Verräter.

Was man „Die vierte Macht“ lediglich vorwerfen kann, sind ein paar dramaturgische Abkürzungen (Stichwort: durchwühltes Zimmer) und vor allem das zwar mögliche, aber dennoch nicht sonderlich konsequente Ende. Wenn den ganzen Film über die Pressefreiheit mit dem Rücken zur Wand steht, würde man sich eigentlich wünschen, dass der Showdown etwas weniger plakativ im Hoffnungstopf rührt. Wo „Die vierte Macht“ an vielerlei Stellen durch die internationale Ausrichtung gewinnt, wandert die Schärfe der Erzählung klar auf die Soll-Seite. Der Film ist auf jeden Fall gut, aber bis zu einem gewissen Grad auch konventionell.

Fazit
Es wäre zu wünschen, dass „Die vierte Macht“ ein Erfolg wird, denn große Genre-Anläufe aus Deutschland sind viel zu rar gesäht. Beginnend mit einer spektakulären Explosion, verbreitet der (auf Englisch gedrehte) Film internationale Größe, was sich vorwiegend als Vorteil herausstellt. Die Produktion sieht sehr gut aus, Regisseur Dennis Gansel inszeniert angenehm direkt und die Schauspieler, allen voran Moritz Bleibtreu, agieren gut und glaubwürdig.

Das „vorwiegend als Vorteil“ ist bedingt durch die manchmal etwas zu glatte Erzählung und vor allem das zu nette Ende, das dem Realismusfaktor des Geschehens ein knirschendes Bein stellt. „Die vierte Macht“ ist schon fast Hollywood, inklusive den Konventionen, und trotzdem zum Glück immer noch gut genug für ein eigenständiges Gesicht. Bitte also ins Kino gehen, sonst ist Dennis Gansel demnächst im Flieger Richtung Westen. Und wer weiß, was dann da für ein Käse auf ihn wartet…

Wertung: 7/10

Regie: Dennis Gansel
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Rade Serbedzija, Kasia Smutniak
D/2012
Start: 8.3.2012


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