Eingemauert: DVD-/BD-Kritik - Zum Schreien - Wände voller Leichen!

Martin Beck
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Im gleichen Maße wie "Saw" und die "torture porn"-Konsorten immer weiter ins horrible Hintertreffen geraten, können klassische Gruselthemen eine imposante Renaissance verzeichnen. Die gute alte knarzende Tür, der beschlagene Badezimmerspiegel, die plötzlich herumspringende Katze: Die schwarz-weißen Schockauslöser von anno Tuwak stoßen wieder auf gepflegtes Gänsehautinteresse.

Eingemauert: DVD-/BD-Kritik - Zum Schreien - Wände voller Leichen!

Auch “Eingemauert” zählt zu diesem Trend, wobei der Film bereits von 2009 ist und zumindest “damals” ein wenig unterging. Erzählt wird eine klassische “haunted house”-Geschichte, die eine frisch graduierte Abbruchspezialistin (Mischa Barton) in ein altertümliches Gebäude im schottischen Hinterland schickt. Erbaut wurde dieses Gebäude von einem zugleich genialen und wahnsinnigen Architekten, der angeblich mehrere Menschen in seine Wände eingemauert hat. Selbstverständlich dauert es nicht allzu lange, bis sich diese unfreiwilligen Bewohner bemerkbar machen…


Das Einmauern von Menschen basiert wohl auf ägyptischen Todesritualen, nach denen so der ewige Bestand eines Hauses gewährleistet werden soll. In Bezug auf “Eingemauert” entsteht hieraus eine durchaus interessante Basis für einen soliden Horrorthriller, der seine Prämisse mit schleichender Spannung unterfüttert. Wir lernen zusammen mit Mischa Barton das Haus kennen…und verspüren zusammen mit ihr ein unaufhaltsam heraufsteigendes Unwohlsein.


In Kombination mit der Erkundung der zentralen Location passieren auch einige zwar vorhersehbare, aber trotzdem effektive Schockmomente, die sich ganz wunderbar mit der tollen Optik des Hauses und der düsteren, drückenden Atmosphäre ergänzen. Schon nach kurzer Zeit ist man in dem Film “drin” und fiebert einer Auflösung entgegen, die dann leider nicht ganz die geschürte Erwartungshaltung erfüllen kann. Die Handlung verzettelt sich gegen Ende etwas und setzt irgendwann lieber auf einzelne Schockszenen denn ein stringentes Crescendo Richtung Finale.

Die Spannungskurve von “Eingemauert” ist typisch für viele andere Filme, die alle irgendwann zugeben müssen, dass die anfänglich geschürte Spannung ohne passende “Punchline” bleiben wird. Die guten Aspekte sind zum Glück so stark, dass die nebulösen Anwandlungen sie nicht erdrücken können, doch ein mulmiges Gefühl bleibt am Ende dennoch – auch übrigens wegen der dezent irritierenden Hauptdarstellerin, die vorzugsweise den Eindruck macht, eigentlich lieber noch ein paar Staffeln “O.C., California” nach Hause schieben zu wollen.

Fazit
“Eingemauert” basiert auf einem Bestseller namens “Les Emmures” und wurde inszeniert von Gilles Paquet-Brenner, der zuvor mit dem mäßig zerrenden Thriller “UV” in Erscheinung getreten ist. Mit diesem Film nun liefert er sein englischsprachiges Debüt ab und macht damit immerhin so viel richtig, dass man das Prädikat “sehenswert” vergeben kann…gleich gefolgt allerdings von der Einschränkung “trotz klarer Schwächen”. “Eingemauert” ist eine interessante Heimkino-Premiere im mindestens-halbe-Wand-Bereich. Solide, jawohl.

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