Fifty Shades of Grey: Kamal Against The Movies (Filmkritik)

Kamal Nicholas
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Kamal against the Movie: 50 Shades of Grey
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Es ist soweit: Auch meine Jungfräulichkeit in Bezug auf E L James Bestseller „Fifty Shades of Grey“ wurde mir genommen. Zurückgelassen wurde ich mit dem Wunsch nach einer langen, heißen Dusche. Hier ist meine Filmkritik.

Sex sells. Wohl kaum ein anderes Buch wie 50 Shades of Grey hat im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt, dass dieses Credo auch weiterhin uneingeschränkt gilt. Insgesamt wurden weltweit über 90 Millionen Exemplare der Trilogie verkauft. Ich selbst habe das Buch glücklicherweise nicht gelesen, viel zu sehr hat mich die Geschichte um die 21-jährige Studentin Anastasia Steele und den 27-jährigen Multimilliardär von Anfang an gelangweilt.

Dies liegt nicht etwa daran, dass ich ein Problem mit dem Thema S&M hätte, sondern daran, dass 50 Shades of Grey einfach nach einem billigen Ärzte-Roman klingt, bei dem ein bisschen Sadomasochismus und Bondage involviert ist. Doch genug vom Buch, da ich diesem nicht unrecht tun will, ohne es gelesen zu haben. Den Film jedoch habe ich mir heute freiwillig angetan und muss sagen, dass meine niedrigen Erwartungen erfüllt wurden. Eine gute Sache ist das allerdings nicht.

Geheimes Verlangen? Och nö!

„Geheimes Verlangen“, so der Titel des ersten Buches und damit auch der erste Teil des Films, erzählt auf wirklich plumpe und dümmliche Weise, wie eine extrem naive und weltfremde Studentin auf einen extrem eloquenten und einschüchternden „Dominanten“ trifft, der ganz offensichtlich auf der Suche nach seinem neuesten „Opfer“ ist. Doch natürlich wäre dies zu einfach und so scheint unser lieber Christian im Grunde genommen von seiner Ana zum „Besseren“ bekehrt zu werden, um die Liebe zu entdecken. Und auch Anastasia sucht die Liebe. Aber natürlich ist das alles nicht so einfach. Klar, wann ist die Liebe schon einfach? Wenn dann auch noch Peitschen, Handschellen, Klebeband und Kabelbinder im Spiel sind, wird es sogar noch komplizierter. Kritisch sehen sollte man das Ganze aber dennoch.

Selbstverständlich stellt sich bei ein einem solchen Film nämlich auch sehr schnell die Frage, ob man sich hier wieder mit dem Thema Sexismus auseinandersetzen muss. Verständlicherweise. Ich persönlich finde die Antwort schwierig, weil wirklich beide Seiten nicht besonders gut wegkommen: Anastasia, die devote Studentin, die alles mit sich machen lässt, um ihn zu verstehen und Christian, der emotionale Eisblock, der eben „so ist wie er ist, weil er so ist“ und der nicht „Liebe macht“, sondern fickt. Hart. Er wird fast noch mehr auf sein Äußeres reduziert, sie aber natürlich auch, besonders tiefgründige Sätze bringen beide nicht zustande, dementsprechend platt sind die Konversationen. „Aber wir schauen uns doch diesen Film nicht wegen der Gespräche an, sondern wegen des Sex“. Ok, aber dann tut es doch eigentlich auch ein Porno, oder?

So ziemlich alle Frauen im Film stehen auf den „hotten“ Grey, andere Männer spielen kaum eine Rolle. Grey indes umgibt sich nur mit Models in seinem Unternehmen (was tut er eigentlich, außer in sein Macbook zu starren und dabei auf Tasten zu drücken?), die nichts anders zu tun haben, als in engen Kleidern auszusehen.

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S&M statt Therapie? Kritik ist angebracht

Problematisch wird es für mich allerdings an der Stelle, wo die Frau ganz selbstverständlich als ein Objekt dargestellt wird, das eigentlich nur dazu da ist, die Bedürfnisse des Mannes zu ertragen, damit es ihm besser geht. Hey! Wie wäre es mit einer Therapie? Damit hätte sich der Roman und damit der Film sicherlich weniger gut verkauft. Ich will damit aber nicht etwa sagen, dass jemand, der S&M praktiziert, eine Therapie notwendig hat. Im Falle Christian Grey wäre dies aber definitiv eine gute Möglichkeit, die Probleme der Vergangenheit etwas besser zu bewältigen, als Frauen zu “bestrafen”.

Wie auch im Video bereits gesagt finde ich es gut, sich im Film mit dem Thema S&M auseinanderzusetzen. Im Bereich des eher populäreren Films sei als Beispiel etwa  „Secretary“ genannt, einen noch besseren aber auch intimeren und vor allem wesentlich intensiveren Einblick in diesen Bereich der Sexualität und der damit verbundenen Beziehung zwischen Menschen bietet die Dokumentation „Sick: The Life and Death of Bob Flanagan, Supermasochist“. Aber Achtung: Hier ist tatsächlich Anstößiges, Grenzüberschreitendes und gleichzeitig Herzzerreißendes zu sehen.

Fifty Shades of Grey ist in sich einfach nur flach und getraut sich nicht, auf echte Hintergründe einzugehen, die jemandem zu einer extremeren Variante der körperlichen Zwischenmenschlichkeit bringen, sondern wirkt eher wie eine billige Sex-Fantasie, die zwar anstößig sein will, dabei aber keinesfalls zu anstößig sein will. Die Frage, wie sich diese Grenzüberschreitung der Protagonisten entwickelt, wird natürlich nicht beantwortet, dafür sind ja noch Buch 2 und 3 vorhanden, die sicherlich auch verfilmt werden. Ich werde mir diese wahrscheinlich ansehen. Außer wenn ich noch ein weiteres Video dazu machen soll.

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