Footloose: Kinokritik - Lasst uns doch bitte tanzen!

Martin Beck
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Muss man "amazon.de/gp/product/B005KG50OU/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=funloadde-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B005KG50OU">Footloose" überhaupt noch vorstellen? Der Film rangiert knapp hinter "Dirty Dancing" als einer DER definitiven Tanzfilme der achtziger Jahre und der Titelsong ertönt täglich auf zahllosen Formatradio-Sendern. "Everybody cut footloose." Aber logo.

Footloose: Kinokritik - Lasst uns doch bitte tanzen!

Das größte Problem der Neuauflage ist ganz sicher die ranzige Remake-Patina. “Footloose” 2011 riecht dramatisch nach stromlinienförmiger Einfallslosigkeit und risikofreier Plastikberieselung. Wäre es nicht wesentlich spannender, mal etwas wirklich Neues in die Multiplex-Kinos zu hieven? Dieses ewige Wiederkäuen eigentlich immer noch zeitgemäßer Klassiker macht nur Sinn, wenn man entweder ein junger Hupfer ist oder Filmgeschichte als bösartigen Fußpilz versteht.


Wer dieses größte Problem des Films unterschreiben kann, sollte einen Kinobesuch am besten vermeiden. An “Footloose” 2011 kommt man nur heran, wenn man das ganze Drumherum einfach vergisst…und dann auf einmal einen tatsächlich schwungvollen und unterhaltsamen Tanzfilm vor sich hat. Der überhaupt keine Bäume ausreisst, aber zumindest in seiner alles-schick-es-darf-auch-mal-völlig-oberflächlich-sein-Ecke klar über z.B. “” steht.


Das Remake hält sich ziemlich dicht an das Original, inklusive 1:1 Übernahmen etlicher Dialoge, ganzer Sequenzen (wie z.B. dem Herumgetanze in einer alten Lagerhalle), des gesamten Handlungsverlaufs und des (lediglich aufgehübschten) . Drehbuchautor Dean Pitchford, der auch schon das Original geschrieben hat, war vor allem mit Copy/Paste beschäftigt und versteht ein Remake anscheinend als Anlegen frisch gewaschener Kleider. Sprich: Was nicht kaputt ist, braucht man auch nicht zu reparieren.


Die frisch gewaschenen Kleider sind natürlich eine flippig schimmernde Inszenierung und zwei unmöglich hübsche und lebenserfahrene Hauptdarsteller (=Kenny Wormald & Julianne Hough), die wie geschaffen sind für großformatige Posterschnitte. Das zu laut aufgedrehte Autoradio wird jetzt von einem iPod befeuert, die Tanzszenen leben eher von ihrer Energie denn ausgearbeiteten Choreographien und die Charaktere besitzen nun eindeutige Persönlichkeiten. “Footloose” 2011 ist eine runde Sache, egal ob die auftretenden Personen das verdienen oder nicht.


Möchten wir denn wirklich ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen engstirnigen Kleinstadtoberen und rebellischen Teenagern mit Tanzfaible im Hämoglobin sehen? Die Beziehung zwischen Pfarrer Dennis Quaid und seiner Tochter (=dem “love interest” des jugendlichen James Dean-Verschnitts) erhält so tatsächlich eine gesunde Tiefe, doch ansonsten bleiben hier vor allem unspannende Personen…in einer hanebüchenen, mit knarzigen Klischees und groben Pinselstrichen reich gesegneten Geschichte. “Everybody cut footloose?” Nur in bigotten US-Käffern. Die wegen einem besoffenen Autounfall gleich jedes öffentliche Tanzen verbieten.


Fazit
“Footloose” 2011 ist ernster gehalten als das Original, vertieft die Charaktere, zeigt den die eigentliche Handlung einleitenden Autounfall und strahlt wie eine endlose Wäscheleine frischer Persil-Laken. Im Grunde genommen wird aber einfach der gleiche Film nochmal erzählt, was das Publikum auf anspruchslose Jugendliche einengt…und aus der Not tatsächlich eine immerhin unterhaltsame Blockbuster-Tugend zimmert.

Das ist mehr als man erwarten durfte, wobei natürlich die generelle Fragwürdigkeit dieses Unterfangens immer noch bestehen bleibt. “Footloose” 2011 ist grundsätzlich unnötiges Mainstream-Kino, das niemand wirklich braucht und nur deswegen so viele Worte abbekommt, weil innerhalb seiner Redundanz ein Schimmer solider Ex-und-Hopp-Bespaßung glüht. Wir sind gestählt für das nächste Remake namens “Dirty Dancing”. Nobody puts Einfallslosigkeit in the corner.

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