Fright Night - Kopflos in die rabenschwarze Nacht

Tobias Heidemann
8

Die trügerische Vorstadt-Idylle war lange Zeit der beliebteste Spielplatz des amerikanischen Horrorfilms. Vor allem in den 80er Jahren war die kleine, heile Welt der getrimmten Hecken und gewaschenen Familienwagen ein wahrer Hort des Bösen. “Poltergeist”, “Prom Night”, “Gremlins” oder auch die “Halloween”-Reihe – sie alle machten sich eine großen Spaß daraus, das suburbane Nest zu beschmutzen. Tom Hollands “Fright Night” (“Die rabenschwarze Nacht”) aus dem Jahre 1986 war ein besonders gelungener Vertreter dieser Zunft.

Fright Night - Kopflos in die rabenschwarze Nacht

“Fright Night” machte aus dem durchschnittlichen Teenager Charlie Brewster einen Zweifler an der behaglichen Vorstadt-Fassade. Eigentlich hat Charlie nur Mädchen und Horrorfilme im Kopf. Doch als sein neuer Nachbar – der galante Dandy Jerry Dandrige – sich plötzlich vor Charlies Fenster an jungen Damen vergreift und dazu auch noch mit gänzlich unmanikürten Klauen durchs Fenster winkt, steht für Charlie fest: Mein Nachbar ist ein Vampir. Doch wie soll man DAS den spießigen Bewohnern der Vorstadthölle erklären?

Aus dieser Prämissen bastelte sich der 1986er “Fright Night” ein fantastisches Fangfest, das seinen enormen Unterhaltungswert aus derselben Spannungsecke bezog wie Hitchcocks “Fenster zum Hof” und die Zuschauer schön mit dem armen Charlie mitleiden ließ. Von der Polizei, Freunden und Familie für verrückt erklärt, muss Charlie die Dinge nämlich selbst in die Hand nehmen und Vampir Jerry das Handwerk legen.

Merkwürdigerweise hat sich Marti Noxon – die Drehbuchautorin des Remakes – entschieden, genau diese Spannungselemente zu streichen. Anstatt Charlie (Anton Yelchin) als einzigen Zeugen aufzubauen, kommt diese Aufgabe nun seinem Schulfreund Ed (Christopher Mintz-Plasse) zu. Erst als dieser verschwindet, beginnt Charlie skeptisch zu werden. So wird Charlies “Fenster zum Hof” in der Neuauflage zur Nebensache. Das Remake plätschert fast über die gesamte Laufzeit ohne nennenswerte Spannungsspitzen dahin.

Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass der im Genre noch unerfahrene Regisseur Craig Gillespie das Tempo seines Filmes immer wieder für banale Dialogszenen drosselt. Was im Original als doppelbödiges Verbalgefecht zwischen dem verängstigten Charlie und seiner nachtaktiven Nachbarschafts-Nemesis angelegt war, hangelt sich hier nun arg bemüht von Einzeiler zu Einzeiler.

Blutsauger Colin Farrell (spielt Jerry) trifft dabei keine Schuld. Er gibt sich redlich Mühe, hinter der Fassade des netten Nachbarn ein bösartiges Tier lauern zu lassen. Der neue Jerry ist jedoch als eher ein biertrinkendes, irisches Bauarbeiter-Model aus einem Coke-Light Werbespot angelegt; der hinterfotzige und geheimnisvolle Vampir von Welt, der Charlie im Original das Leben so schön schwermachte, ist dagegen Geschichte.


Das macht es Farrell sehr schwer, seiner Figur Tiefe zu geben. Auch an Charlies Freundin darf sich der Nachbarvampir im Remake nur ganz kurz vergreifen; in der Vorlage war dies nicht nur einer der Hauptgründe für Charlies überraschend mutige Verzweiflungstaten, sondern mischte der Story auch noch eine ordentliche Portion Sex unter. Die fehlt Craig Gillespies Neuauflage gänzlich.

Gekrönt wird die mangelhafte Modernisierung des Stoffes aber noch durch etwas anderes: Die für die Vorlage so wichtige Figur des Peter Vincent funktioniert im aktuellen Fright Night leider überhaupt nicht. Im Original stellt Vincent (damals gespielt von Roddy McDowall) einen wundervoll abgehalfterten Schauspieler dar, der als Gentleman-Vampir-Killer allabendlich durch die trashige TV-Show “Fright Night” führt. Die Neuauflage macht aus Vincent einen exaltierten Las Vegas Zauberer mit Drogenproblemen.


Gespielt wird der neue Vincent von David “Doctor Who” Tennant, der ihn als eine Art David Copperfield für Arme auslegt. Die Idee ist gut, doch Tennant überspannt den Bogen und macht aus Vincent eine unglaubwürdige Witzfigur, die wie überflüssiges Schmuckwerk am faden Rest des Filmes klebt.

Fazit

Die Neuauflage nimmt zahlreiche Änderungen am Original vor. Das ist eigentlich eine gute Sache, denn den meisten Remakes mangelt es bekanntlich an Selbstbewusstsein. Leider liegt “Fright Night” bei der Wahl der Veränderungen fast immer falsch. Wer das Original indes noch nicht kennt, der bekommt mit “Fright Night” einen zwar etwas blutarmen aber solide inszenierten Vampir-Thriller geboten, der sich auf eine engagierte Schauspielertruppe und seine Comedy-Elemente verlässt. Im Vergleich mit dem Original geht “Fright Night” aber jeder Hinsicht baden.

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