Ghosts with shit jobs - Science Fiction ist nicht tot

Peer Göbel
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„Ach du liebe Güte“ – das dürfte die vorherrschende Reaktion auf „Ghosts with shit jobs“ sein, einen nigelnagelneuen Science Fiction-Film, der das Leben in Amerika anno 2040 schildert.

Ghosts with shit jobs - Science Fiction ist nicht tot

Anno 2040 ist Amerika nämlich pleite und besteht vorwiegend aus Slums und verzweifelten Menschen, die all die Jobs erledigen, für dich sich China, die neue globale Supermacht, zu schade ist. Arbeitnehmer als „Ghosts“, als quasi unsichtbare Erfüllungsgehilfen, die z.B. als „human spam“ arbeiten. Also einfach herumlaufen und Gespräche mit “product placement“ würzen.

Wer das nicht tun möchte, kann entweder verhungern oder alternativ als „digital janitor“ anheuern und Logos übertünchen, die Google Street View im Weg sind. Oder die Seide von Spinnennetzen einsammeln. Oder täuschend echte Roboter-Babies zusammenschrauben, mit denen dann reiche asiatische Kinder spielen können.

„Ghosts with shit jobs“ ist (noch?) eine Mockumentary, die gerne zum Lachen reizt – wenn denn nur das Thema nicht so verdammt gruselig und verdammt möglich wäre. Was der Film zeigt, ist eigentlich eine TV-Serie für Chinesen, die einfach mal wissen wollen, was die neue Unterschicht so für skurrile Jobs erledigen muss. Prekariat-Fernsehen in einer ganz neuen Dimension.

Zitat Kickstarter, über deren Seite das Budget des Films (=US$5000) zusammengespendet wurde: “It’s lo-fi sci-fi. We’ve seen too many blockbusters where the writing is in service to the spectacle, and we’d like to invert that equation. B movies are fine, but we like to try a little harder: B+, maybe. We still like to keep the fun in and the pretension out. We squeeze the most we can out of the new wave of cheap and accessible production and distribution technology.“

Ein Projekt wie “Ghosts with shit jobs“ hat eigentlich keine Chance und nützt sie. Die gesamte Crew arbeitete zum Nulltarif und wird zu gleichen Teilen an den Einnahmen beteiligt. Das letzte kreative Wort haben keine Schlipsträger, sondern tatsächlich der Drehbuchautor (namens Jim Munroe). Und die Weltpremiere findet immerhin auf dem Sci-Fi-London-Festival statt – HEUTE, gefolgt von einer weiteren Vorstellung am 10. Mai 2012 in BERLIN!

Wer neugierig auf „Ghost with shit jobs“ geworden ist, der sollte sich zu jenem Termin um 22:15h beim Moviemento-Kino einfinden. „In attendance“ werden nicht nur die Filmrollen, sondern auch diverse Mitglieder des kreativen Teams sein, die nach der Vorstellung auch noch für ein „q&a“ zur Verfügung stehen.

Unterstützt junges & frisches Science Fiction-Kino – wie z.B. auch Wired mit ihrer satt applaudierenden Kritik: „Excellent...Science Fiction is not dead. It's just moved from the cinema tot the internet.“

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Credits:
Regie: Chris McCawley, Jim Morrison, Jim Munroe, Tate Young
Darsteller: Rachel MacMillan, Sanford Kong, Mark Baldesarra, Anita Nittoly
CDN/2012

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