Green Lantern Filmkritik - Ein schwarzer Tag für die Comicwelt

Tobias Heidemann
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Der Showdown hat begonnen. Die Green Lantern stürmen aus dem DC Universum und blasen zum großen Gegenangriff auf das Marvel-Imperium. Bewaffnet mit der unbegrenzten Macht der Vorstellungskraft, soll der Testpilot Hal Jordan den fanatische Feldzug von "Iron Man", "Thor", Captain America und Co. stoppen, bevor diese sich als Die Rächer im kommenden Jahr versammeln.

Green Lantern Filmkritik - Ein schwarzer Tag für die Comicwelt

Die Konkurrenz zwischen Marvel und DC Comics hat eine lange Tradition. Seit beinahe 80 Jahren teilen sich die beiden Verlagsriesen nun schon die Vorherrschaft über den US-amerikanischen Comicmarkt. In dieser Zeit nahm das Verhältnis zwischen den beiden Verlagshäusern schon jede erdenkliche Form an. Von offener Feindschaft bis zur friedlichen Koexistenz war alles dabei.

Mit dem Boom der Comicverfilmungen verlagerte sich das Absatz-Gerangel in den letzten Jahren zunehmend vom Printmarkt an die Kinokassen. Während Marvel unter der erfolgreichen Ägide des Disney-Konzern mit “Spiderman”, “X-Men”, “Iron Man” und “Thor” zuletzt merklich aufblühte, konnte DC im klassischen Superheldenkostüm nur Christopher Nolans “Batman”-Zyklus als echten Gewinner vorzeigen. Zwar basieren auch Filme wie “Road to Perdition”, “V for Vendetta”, “Watchmen” oder zuletzt “R.E.D.” auf DC Comics – im Gegensatz zu Marvels Siegeszug, der 2012 mit den “Avengers” gekrönt werden soll, geriet der New Yoker DC-Verlag aber deutlich ins Hintertreffen.

DC braucht also einen neuen Helden, der es mit Peter Parker, Steve Rogers und Vielfraß Logan aufnehmen kann. Die Wahl fiel auf den Testpiloten Hal Jordan (Ryan Reynolds) – dem ersten Menschen im “Green Lantern”-Corps.

Nicht comicbelesene Menschen dürfen sich die Green Lantern als eine Art intergalaktische Friedenstruppe vorstellen. Die bunte Truppe sorgt in allen bekannten Sektoren des Universums für Recht und Ordnung. Ihre wichtigste Aufgabe ist der Schutz der Wächter. Diese uralten Wesen thronen über dem Planeten Oa und lenken von dort die Geschicke der über 3000 Weltraumcops.


Dank der Wächter – die leider aussehen wie eine computeranimierte Sparversion des Jedi-Rates – ist das Lantern Corps mit besonderen Superfähigkeiten ausgestattet. In den namensgebenden Laternen wird die stärkste Macht des Universums gebündelt, der Wille. Air Force-Pilot Hal Jordan erhält diese Superkräfte in Form eines Ringes von Abin Sur (Tenuera Morrison), welcher auf der Erde abstürzt und dort – im Sterben liegend – einen geeigneten Nachfolger suchen muss.

Der Stoff des 1959 von Autor John Broome erdachten Comics eignet sich gleich in mehrfacher Hinsicht für den aktuellen Konkurrenzkampf mit den Marvel Studios. Die Handlungsorte der “Green Lanterns” bleiben nicht auf die Erde allein beschränkt, sondern erstrecken sich über das gesamte Universum. Die Vorlage liefert damit genügend Stoff für fantastische Schauplätze, außerirdische Heldenfiguren und ungewöhnliche Superkräfte. Umso bedauerlicher ist es, dass sich das regieführende Alteisen Martin Campbell (“Goldeneye”, “Die Maske des Zorro”, “Casino Royal”) und seine Drehbuchautoren alle Mühe gaben, dieses kreative Potential zu verschenken.


Die außerirdischen Drehorte sind hoffnungslos überladene CGI-Spielplätze ohne Wiedererkennungswert, die fremdartigen Lebewesen bleiben charakterlose Statisten und der Einsatz der (Super-)Vorstellungskräfte erinnert eher an die kunterbunten Eskapaden aus Jim Carreys “Maske” als an ein epischen Superheldenfilm. Nur äußerst selten lässt “Green Lantern” zumindest vermuten, was man aus der coolen Grundidee rund um Hal Jordans Willenskräften alles hätte herausholen können. Zur Erinnerung: Was auch immer sich die Lanterns vorstellen – es wird sofort Realität.

Wenn der Ringträger Hal also mit einem Schwarm von messerscharfen Glasscherben attackiert wird, dann sucht man als Zuschauer instinktiv nach einen gedanklichen Gegenmittel. Wäre Martin Campbell ein wenig cleverer vorgegangen, er hätte die Zuschauer auf eine ganz neue Weise einbinden können. Leider gelingt ihm das fast nie.

Neben den vielen vertanen Chancen, den bemerkenswert flachen Dialogen – Ryan Reynolds und Love-Interest Carol Ferris werden sich in ein paar Jahren sicher öffentlich für das Gesagte schämen – und einer arg stereotypen Superheldenwerdung, leidet “Green Lantern” aber vor allem an seinem schwachen Hauptdarsteller. Ryan Reynolds ist vollkommen außer Stande, einen Film dieser Machart zu tragen. Seine hauchdünne Vorgabe – draufgängerischer Testpilot mit Vaterproblemen – mag Reynolds wenig verwertbare Substanz bieten; ein Bisschen mehr hätte sich der Schauspieler aber schon ins Zeug legen können.


Das gilt im Übrigen für die gesamte Cast. Tim Robbins taumelt mit seinem Senator Hammond unschlüssig zwischen Karikatur und Lustlosigkeit, Mark Strongs Sinestro bleibt hinter all der knallroten Schminke sehr blass und die computeranimierten Nebenrollen sind alle keine neuen Gollums. Einzig der von Peter Sarsgaard gespielte Bösewicht Hector Hammond vollbringt hier und da Vorzeigbares.

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