Hangover 2 Filmkritik - Im falschen Filmriss

Tobias Heidemann
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Die so gar nicht jugendfreie Komödie "Hangover" schlug 2009 ein wie eine im Vollrausch geworfene Bierflasche. Die krawallige Sauftour gehörte zu den erfolgreichsten Filmen der vergangenen Jahre. Eine Fortsetzung war nach den ungeschriebenen Gesetzten Hollywoods absolute Pflicht. Leider gibt es noch ein weiteres Filmgesetz, das man sehr schön auf "Hangover 2" anwenden kann. Es hat etwas mit Fortsetzungen zu tun.

Hangover 2 Filmkritik  - Im falschen Filmriss

Die Idee von “” war schlicht, aber effektiv: Die drei Freunde Doug, Stu und Phil wollen sich zwei Tage vor Doughs großer Hochzeit mit einem Vollrausch in Vegas von einem Leben ohne Verantwortung und Konsequenzen verabschieden. Der sozial unterentwickelte Weirdo Allan macht aus dem regulären Junggesellenabschied allerdings einen vollwertigen Horror-Trip inklusive 48-stündigem Filmriss. Ein entführtes Baby und ein paar ausgeschlagene Zähne später wird der Geist der wahren Männerfreundschaft beschworen und alle leben glücklich bis an ihr bürgerliches Lebensende. Prost!


Der enorme Erfolg des Films – “Hangover” erzielte mit knapp einen halben Milliarde US-Dollar das höchste Einspielergebnis einer nicht jungendfreien Komödie aller Zeiten – dürfte vor allem darin begründet gewesen sein, dass fast jeder Mann eine irgendwie “krasse Saufgeschichte” im geliebten Giftschrank seiner Adoleszenz versteckt hält. “Hangover” gab den richtigen Anlass diese alkoholisierten Anekdoten nochmals zum Besten zu geben. Idealerweise im Kreise der Kumpels. Nach dem weitgehend geschmacksfreien Genuss der Komödie ließ sich prima auf die guten alten Zeiten anstoßen. Was will Mann mehr?

Die Berechtigung des ersten Teils erschöpfte sich somit in einer konventionell erzählten Freundschaftsgeschichte und in einem zünftigen Männerabend – aber immer hin hatte “Hangover” seine Berechtigung. Mit “Hangover 2″ stehen die Dinge nicht ganz so überzeugend, denn es fällt schwer – klingelnde Kinokassen einmal ausgenommen – überhaupt gute Gründe für eine Fortsetzung des Junggesellenabschieds zu finden.


Die Ü30-Entfremdung zwischen den vier Leidensgenossen Allan, Doug, Stu und Phil ist zum Ende des ersten Teils überwunden; das Band der Freundschaft wurde neu geknüpft und die verkaterten Helden erreichten im verbeulten Mercedes Cabrio gerade noch rechtzeitig den sicheren Hafen der Ehe. Wo also weitermachen? Wie verkauft man dem Publikum die gedächtnisgestörte Grundidee ein zweites Mal? Die Handlung von “Hangover” war schließlich durch – die Story zu Ende erzählt.

Regisseur Todd Phillips hatte 467 Millionen Gründe, sich trotzdem eine Lösung für das Problem der eigentlich überflüssigen Fortsetzung einfallen zu lassen. Mit “Hangover 2″ hat er eine ebenso überraschende, wie ärgerliche Antwort gefunden: Er macht gar nicht weiter, setzt einfach alles zurück auf Start und tut dabei so, als wäre nichts gewesen. “Hangover 2″ ist eine verstörend genaue Kopie des ersten Teils geworden.


Todd Phillips setzt einfach seine verrostete Skript-Schere an, schneidet die Story, die Charaktere und die Jokes des ersten Teils fein säuberlich aus und klatscht sie frei von Inspiration auf eine versiffte Bangkok-Postkarte für Sextouristen. Aus Vegas wird Bangkok, aus den verlorenen Zähnen wir ein Tattoo, aus dem Tiger ein Äffchen und aus dem verlorenen Bräutigam wird der strebsame Bruder der Braut – und so weiter. Das Skript des Erstlings wurde einfach noch einmal durch den Fotokopierer gejagt.

Das ist selbst für ein reines Cash-Sequel ein neuer Rekord in Kreativlosigkeit, denn schließlich hätte man auf der Grundlage des Erfolgs so ziemlich jede noch so durchgeknallte Idee realisieren können. Es gibt tausend clevere Drehbuch-Gründe irgendwo mit einem Kater aufzuwachen und sich an nichts mehr zu erinnern. Todd Phillips und seinen Autoren ist leider keiner davon eingefallen. Stattdessen entschied man sich für die komplette Neuaufführung der alten Nummern vor “exotischer” Kulisse.

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