H.P. und die Heiligtümer des Todes II - Die Giga-Filmkritik zum finalen Harry Potter-Film

Martin Beck
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“All was well”, heißt es ganz am Ende von Buch Nummer sieben, “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes”. Erschienen ist es bereits vor vier Jahren, da hatte sich Joanne K. Rowling längst zur mächtigsten Frau Englands geschrieben, die ersten Filme spielten sich allesamt nah an den Rand der Milliarde-Marke. Harry Potter – eine Cash Cow sondergleichen.

H.P. und die Heiligtümer des Todes II - Die Giga-Filmkritik zum finalen Harry Potter-Film

Zuletzt war das allerdings nicht mehr alles so “well”, war Harry längst nicht mehr der alleskönnende Crowdpleaser, dem man die eigenen Kinder für ein paar Stunden an die Hand geben konnte, damit sie in phantastische Welten abtauchen. Nach dem grandiosen vierten Teil zog auf einmal die große Depression in Hogwarts ein, wo vorher grelle Farben und fantasievolle Gestaltung ein zauberhaftes Bild erschufen, sah das ab “Der Orden des Phönix” alles aus, als hätte Darren Aronofsky “Der Soldat James Ryan” nachgedreht – düster, trist, hoffnungsbefreit.


“Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2″ trägt also eine besonders schwere Last. Als großes Finale. Und als Wiedergutmachung für vergangene Versäumnisse. Die Fans erwarten schließlich nicht weniger als den großen Knall. Und genau den bekommen sie: das langersehnte Aufeinandertreffen von Harry Potter und Lord Voldemort einerseits, sämtliche offenen Antworten auf die letzten Fragen andererseits.

Wie es sich für ein Finale gehört, ergießt sich dabei ein emotionales Bildgewitter über das Publikum. Es gilt ja schließlich lieb gewordene Charaktere zu verabschieden, weil sie gehen. Oder sterben. Weil wir mit ihnen erwachsen geworden sind. Regisseur David Yates inszeniert all dies mit einem Maximum an Würde und Ehrerbietung für Fans und Vorlage – jede noch so kleine Nebenfigur bekommt den Raum, den sie verdient, bekommt ihren großen Abgang.


Trotzdem ist “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2″ erstaunlich straff durchinszeniert, ein Blick auf die Laufzeit offenbart sogar – das hier ist einer der kürzesten Einträge im cineastischen Potter-Oeuvre. Zu verdanken ist das der Konzentration auf das zentrale Thema des letzten Buches: Tod. Wie und wen es dabei trifft und warum, das sei hier nicht verraten. Wohl aber, dass David Yates auf technischer Ebene noch einmal alle Register zieht, um das große Sterben ins rechte Licht zu rücken.

Der Angriff auf Hogwarts, die finale Konfrontation und die kleineren Scharmützel auf dem Weg dahin, all das gestaltet sich als perfekte Choreografie aus Bild, Ton und Wort, die man gesehen haben muss – selbst wenn man mit dem kleinen Zauberlehrling nie etwas anfangen konnte. Es mag Filmfans geben, die “Harry Potter” aufgrund der Geschichte, des naiven Anstrichs oder der Darsteller nicht mochten, aber wenn diese Reihe nun ihren finalen Gang antritt, dann geht mit ihr ein Jahrzehnt cineastischer Expertise, ein Filmteam, das mit jedem Teil sichtlich besser geworden ist.


Vor allem die Kamera-, Effekt- und Schnittabteilung hat sich zu immer erstaunlicheren Höchstleistungen getrieben. Harry sieben, Teil zwei fährt nun Bilder, Montagen und Fahrten auf, die nichts weniger als den Oscar verdient haben. Allein dafür lohnt sich der Eintritt, auch wenn diejenigen Fans, die mit Harry, Hermine und Ron gemeinsam groß geworden sind, eher weniger auf die Kamerawinkel achten dürften.

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