Haywire – Videokritik – die durchschlagende Geburt einer Actionheldin

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GIGA Filmkritik - Haywire
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Wann gab es eigentlich das letzte Mal eine porentiefe Actionheldin auf der Leinwand? Also kein posendes Schnuckiputzi à la Milla Jovovich, die ohne perfekte Ausleuchtung am nächsten Marmeladenglas scheitern würde, sondern ein zu allem entschlossenes Muckipaket. Das volle Kanne Arsch tritt. Und Abends dann im kleinen Schwarzen begeistert.

Gina Carano stößt in eine weit klaffende Marktlücke, die seit Yukari Oshima & Co. (sprich: den 80er Jahren in Hongkong) weitgehend brach liegt. Was wirklich verwundert, weil von toughen Frauen, die mächtig austeilen, eine geradezu hypnotische Faszination ausgeht. Besonders wenn die Hiebe gegen Männer gehen, die einfach nicht damit rechnen, dass ihre ungebremsten Backpfeifen mit spektakulären Knochenbrüchen und Kopfschüssen beantwortet werden.

Gina Carano ist für diese Aufgabe der „real deal“, ohne Zweifel. Vor „Haywire“ war sie eine Mixed Martial Arts-Meisterin, die hier ihr Schauspieldebüt hinlegt und bereits nach wenigen Minuten Channing Tatum in die Fresse gibt. Eine Frau mit Rachegelüsten und linearer Rammbock-Agenda. Ein Ex-Marine, die für die amerikanische Regierung aufräumt und dabei selbst in die Schusslinie gerät. Eine gegen alle (Männer); no frills-Dresche im dichten 70er Jahre Gewand.

Regisseur Steven Soderbergh verweigert „Haywire“ die marktübliche Zocker-Glasur namens CGI-Kugeln und SloMo-Posen, und rauscht lieber durch Mätzchenfreies Digitalhandwerk. Die ungeschönte Direktheit des Films mag zunächst irritieren, doch spätestens ab der Mitte, als Dublin Schauplatz spektakulärer Kämpfe wird, hat der Film einen an der Gurgel. Soderbergh umarmt die B-Basis mit hemdsärmeliger Effizienz und lässt seine phänomenale Besetzung (unter anderem spielen Antonio Banderas, Michael Douglas, Ewan McGregor und Michael Fassbender) in schlecht ausgeleuchteten Zimmern kryptische Cameo-Dialoge absondern. Knöchernes Actionkino von geradezu avantgardistischer Konsequenz. Statt „schöner Sterben“ lautet das selbstsichere Credo „schneller Feierabend“.

„Haywire“ ist rasant, brutal und ganz schön kompliziert – was aber auch wieder bei der Stange hält. Bei der Barcelona-Sequenz erzeugt die „low key“-Inszenierung, die hier lediglich aus verschmierten Digitalfiltern und dem jazzigen Score von „“-Komponist David Holmes besteht, eher Irritation, doch ansonsten geht das rumpelige Understatement stramm nach vorne los. „Haywire“ ist cooles Genrekino mit Hirn, einer authentisch zuschlagenden Hauptdarstellerin und zwei GIGA-Redakteuren namens Martin und Philipp, die in der ganz oben plazierten Videokritik einen nur dünn verhüllten Paarungsaufruf Richtung La Gina absondern. Bitte genau so weitermachen, liebe neue Actiongöttin, dann gibt's spätestens in „Expendables 4“ eine prominente Poster-Plazierung auf Augenhöhe mit ole Sly!

Wertung: 8/10

Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor
USA,IRL/2011
Start: 8.3.2012

Ebenfalls interessant: das GIGA-Gewinnspiel zu dem Film!


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