Hugo Cabret – Kinokritik – sorry, Mr. Scorsese, 11 Oscars sind 11 Oscars zu viel

Man würde gerne an „Hugo Cabret“ vorbeikommen, doch das ist leider unmöglich: Martin Scorsese führt nun mal Regie, das Zielpublikum sind (auch) Kinder und 11 Oscar-Nominierungen können einfach nicht lügen. „Hugo Cabret“ ist ein allumfassender Konsensfilm…und die Stimmung „danach“ trotzdem im Keller.

Natürlich muss man aufpassen, den Film zu verreißen, weil es hier schließlich um eine Zelebration von Filmgeschichte geht. Und um 11 Oscars. Und um Martin Scorsese – der tatsächlich immer noch ein spannender Regisseur ist, doch hier eine künstliche Welt erschafft, die bereits bei der ersten von ca. 200 selbstgefälligen Endloskamerafahrten überzuckerte Abwehrreaktionen auslöst. Scorseses Paris der späten 20er Jahre ist ein falsches CGI-Panorama, das nach etlichen Kurven, Auf-und-Abs und Überblendungen in einem falschen Bahnhof landet. In dem niemand französisch spricht und alle ihre kleinen Schicksale vor sich hertragen. Wie zum Beispiel der gestrenge Bahnhofsvorsteher (Sacha Baron Cohen), der heimlich in die adrette Blumenverkäuferin (Emily Watson) verliebt ist.

Oder natürlich auch der titelgebende Hugo (Asa Butterfield), der im Gewölbe des Bahnhofs lebt und von seinem verstorbenen Vater (Jude Law) einen mechanischen Roboter bekommen hat, der dann irgendwann, viele behäbige Filmminuten später, für eine Lehrstunde über Georges Méliés und den grundsätzlichen Zauber des Kinos herhalten muss. Was man natürlich unmöglich verreissen kann, aber leider trotzdem furchtbar leblos und didaktisch empfindet. Weil der Film einfach zwischen allen Stühlen sitzt und dabei so pompös auftischt, als würden die Bilder von einem großen Mann mit einem grauen Bart in Stein gemeisselt werden.

Oh wenn nur das Ansinnen von Scorsese nicht so nobel wäre. Georges Méliés hat natürlich eine Verbeugung verdient, nur eben nicht auf diese plumpe Weise. Die beiden zentralen Kinder, Hugo und seine Gefährtin Isabelle (Chloe Grace Moretz), spielen einfach nur grausig schlecht, die 3D-Effekte kommen exakt so bescheuert wie in jedem x-beliebigen anderen Film, und diese ständig auf die Pauke hauende Inszenierung versenkt die sowieso schon schwach geschriebenen Charakteren vollends in flachen Allgemeinplätzen. „Hugo Cabret“ ist ein kaum greifbares Kuddelmuddel aus Filmgeschichte, abenteuerlicher Kinderbespaßung und einer Allegorie auf die zeitlose Magie des Kinos. Ach, was wäre hier für ein schöner Film möglich gewesen.

Fazit
Immerhin ist „Hugo Cabret“ für seine Größe ein ungewöhnlicher bis geradezu mutiger Film geworden...der aber trotzdem als glatter Flop eingestuft werden muss – zumindest für diejenigen Geschmäcker, die eine Hommage an das Kino nicht mit didaktischen CGI-Paukenschlägen, schwach entwickelten Charakteren und einer schwerfälligen Geschichte verbinden. Eigentlich braucht man ja nur ein Oscar-Treppchen weiter zu blicken, um mit „The Artist“ ein ähnliches Thema in ganz anderer Aufmachung zu bekommen – einer Aufmachung, die in ihrer reduzierten Konsequenz letztendlich viel mehr ankommt als das undurchdachte, massiv irritierende Tschingderassabumm von Martin Scorsese. Don't believe the hype – „Hugo Cabret“ ist lediglich einer von DIESEN GANZ BESTIMMTEN Oscarfilmen.

Wertung: 3/10

Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Asa Butterfield, Chloe Grace Moretz, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen
USA/2011
Start: 9.2.2012

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