Iron Man 3 Filmkritik: Marvel-Mainstream zum Abgewöhnen

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Die Marke steht, das Publikum wächst und die Kassen klingeln – die Marvel Studios haben alles richtig gemacht. Mit „Iron Man 3“ wird die zweite Phase einer beispiellosen Marketingoffensive gezündet, die uns in immer kürzeren Abständen in das zusammenhängende Film-Universum der Superhelden locken will. Wer von Anfang an dabei war – sich also „Iron Man“, „Der unglaubliche Hulk“, „Iron Man 2“, „Thor“, „Captain America“ und die „Avengers“ gegeben hat – der dürfte mit „Iron Man 3“ entweder zum glücklichsten Fanboy der Welt werden oder mit schweren Ermüdungserscheinungen zu kämpfen haben. Auf mich trifft Letzteres zu.

Die oben genannten Filme über einen Kamm zu scheren, ist nicht besonders fair. Unterschiede sind sehr wohl vorhanden. Und doch kommt man nach nunmehr fünf Jahren Marvel Cinematic Universe nicht umhin, sie lediglich als unterschiedliche Spielweisen des ewig gleichen Stoffes zu betrachten. Die Figuren variieren kunstfertig, doch das Genre der Comic-Verfilmung tritt stoisch auf der Stelle.

Nun ist die Formelhaftigkeit dieser Filme natürlich gewollt. Das System Marvel basiert ja gerade auf Ähnlichkeiten, auf Anschlüssen und Übereinstimmungen – Schade nur, dass diese Formel sich immer mehr an den anspruchslosen Spektakel-Touristen des Blockbuster-Sommers orientiert und dabei die lustvolle Verspieltheit ihrer Comic-Herkunft komplett vernachlässigt. Comics leben von ihrer Unberechenbarkeit, von radikal neuen Interpretationen des Etablierten, von Ideen, die mit den selbst aufgestellten Prämissen Pogo tanzen. All das ging den Marvel-Filmen bisher komplett ab, all das lässt auch „Iron Man 3“ wieder vermissen.

Iron Man 3“ macht Marvels perfekt abgeschmeckte Mixtur aus möglichst überall anschlussfähigen Massengeschmack und pflichtbewusstem Fanservice dabei sichtbarer als jemals zuvor. Ein lupenreines Traumfabrik-Produkt für die Erwartungen eines ausgelesenen Kundenstamms. Originalität und Eigensinn unerwünscht.

Ein guter Blockbuster ist er trotzdem geworden. Ein Film, der sich voll und ganz auf seine erstklassigen Action-Sequenzen und seine motivierten Darsteller verlassen kann, jedoch keinerlei bleibenden Eindruck nach dem Verlassen des Kinos hinterlassen wird. „Iron Man 3“ lebt von Marvels Macht der Gewohnheit – eine irgendwie geartete filmische Identität sucht man indes vergebens. Auch ein Shane Black muss wie zuvor Joss Whedon oder Kenneth Branagh – allesamt Regisseure mit einem erkennbaren Fingerabdruck – vor der offiziellen Doktrin des Marvel Cinematic Universe kuschen.


Die Handschrift des Regisseurs und Co-Autors kommt in „Iron Man 3“ nicht über den Status einer Anlage hinaus. Immer wieder macht der Film zarte Anstalten, mit Tony Starks (Robert Downey, Jr.) Männlichkeit und seiner Angst vor dem körperlichen Versagen zu spielen. Stark hat nach den Ereignissen aus den „Avengers“ mit kleinen Panikattacken zu kämpfen, die den Multi-Milliardär mit dem Monster-Ego vor ein interessantes Problem hätte stellen können. Doch während das Comic Stark für diesen Konflikt kurzerhand zum alkoholkranken Einsiedler gemacht hätte, beschert uns Hollywood nur eine schwer erträgliche Instant-Therapie von einem Zwölfjährigen Iron Man-Fan, der den leicht beschädigten Mann dann wieder auf die Beine bringen darf.

Auch einen cleveren Umgang mit Starks neuem Gegenspieler, dem Mandarin, und ein spürbares Mehr an Bedrohung darf man dieses Mal erwarten. Stark ist überraschend oft ohne Anzug unterwegs und dabei stets angenehm unterlegen. Leider wird die hin und wieder aufkommende Ernsthaftigkeit jedes Mal erbarmungslos von Downeys coolen Sprüche vernichtet. Echte Spannung kommt somit gar nicht auf.


 

Fazit

Am Ende von „Iron Man 3“ fühlte ich mich wie der berühmte Frosch im Wasserbad. Marvel hat mich in den letzten fünf Jahren langsam aber sicher weichgekocht, ohne dass ich es gemerkt hätte. Mag sein, dass „Iron Man 3“ für sich genommen dank seiner optimal inszenierten Action-Sequenzen und seiner ambitionierten Cast einen respektablen Unterhaltungswert entfaltet. Als Teil des Systems Marvel führt er mir meine eigenen Ermüdungserscheinungen aber drastisch vor Augen. „Iron Man 3“ ist risikofreies Franchising auf höchstem Niveau, gestrickt aus einer viel zu eng gewordenen Masche, die neue Muster unmöglich macht. Letztlich langweilig.

 

Iron Man 3

Regie: Shane Black
Darsteller: Robert Downey jr. Guy Pearce, Ben Kingsley
USA,C/2013; Start: 1.5.2013


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