Iron Sky – Kinokritik – Angriff der Mondnazis

von

Die treibende Kraft hinter „Iron Sky“ kann mit einem Satz zusammengefasst werden: Nazis auf dem Mond – verpackt in einen „high concept“-Jux aus Finnland, der über mehrere Jahre hinweg die Filmmagazine dieser Welt mit appetitlichen Nachweisen der langsam aber stetig fortschreitenden Produktion versorgt hat.

Als „Iron Sky“ dann auf der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte, waren die Vorstellungen sofort ratzekahl ausverkauft. Das Konzept des Films plus Berlin ist einfach pures Dynamit...das dann im Verlauf der 90 Minuten auch durchaus zündete – wenngleich nicht auf die Weise, die man eigentlich erwarten könnte.

„Iron Sky“ ist nämlich keine Trashgranate geworden, am besten mit Pappraketen und schäumenden Nazi-Despoten, sondern punktet mit einer soliden Produktion, hervorragenden Spezialeffekten und relativ bodenständigen Schauspielern. Die selbst in Gestalt von Udo Kier nur begrenzt ausrasten und damit eine homogene Einheit mit dem erstaunlich konventionellen Drehbuch bilden.

Wirklich dicke Lacher sind bei dem Film tatsächlich relativ rar gesäht, genauso wie subversive Haken oder gar böse inhaltliche Spitzen. Mit dem „Nazis auf dem Mond“-Rahmen ist bereits so viel Pulver verschossen, dass die Geschichte selbst eine straighte Invasions-Taktik fährt und dabei kaum über diverse ““-Zitate und einen herrlichen „“-Gag hinaus kommt.

Auf den ersten Blick entsteht aus dieser ausgebremsten Erwartungshaltung ein Gefühl milder Enttäuschung, zumal die Geschichte auch nicht gerade überraschende Sprünge tätigt, doch im Grunde genommen kann man dem Film einfach nicht böse sein. „Iron Sky“ pocht zunächst einmal auf seine stattliche Größe, die selbst vor imposanten Weltraumschlachten nicht halt macht, und nimmt sein Genre ernster als so manchem lieb sein dürfte. Als das erste Mal Nazis mit Gasmasken, MGs und Ledermänteln über den Mond marschieren, ist man vor allem mächtig beeindruckt. Scheiße, „Iron Sky“ ist ja tatsächlich ein richtiger Film!?

Fazit
Man möchte es Timo Vuorensola, dem grundsympathischen Regisseur von „Iron Sky“, gerne zugute halten, dass das offensichtliche Trash-Potential der „Nazis auf dem Mond“-Idee hinter einem weitgehend konventionellen Science Fiction-Abenteuer mit Hakenkreuz-Borde zurückstehen musste. Nuancierte Schauspieler, satte Spezialeffekte (alleine die Götterdämmerung-Maschine – wow!), ein orchestraler Laibach-Score mit Wagner-Anleihen und bekannte Genre-Inhalte schieben den Film vom eigentlich bereit gestellten Trash-Thron.

So richtig weit auf den nächsten Stuhl, namentlich eine klassische Weltraum-Oper, kommt „Iron Sky“ allerdings auch nicht, so dass der erreichte Zwischenraum schon für etwas Unmut sorgen könnte – wenn da nicht der generelle Charme der Unternehmung zur doch noch skurillen Rettung kommen würde. Am besten sollte man sich gar nicht erst ausmalen, was jemand wie z.B. Paul Verhoeven aus der phänomenalen „high concept“-Idee gemacht hätte. „Iron Sky“ bleibt zwar unter der potentiell denkbaren Partysause, doch genügend Spaß für eine Empfehlung macht der Film trotzdem. Den allergrößten Respekt für das hier über Jahre bei der Stange gebliebene Team; die Götterhämmerung möge sie so nachhaltig treffen, dass die Größe der Produktion in Zukunft kein vorrangiges Thema mehr sein muss.

Wertung: 6/10

Regie: Timo Vuorensola
Darsteller: Julia Dietze, Goetz Otto, Tilo Prueckner, Udo Kier
D,FIN,AUS/2012
Start: 5.4.2012


Kommentare zu diesem Artikel

Anzeige
GIGA Marktplatz