John Carter – Interview mit Taylor Kitsch

von

Und noch ein Nachtrag zu “John Carter“, diesmal allerdings mit erfreulicher Schlagseite. Wir haben ein Interview mit dem Hauptdarsteller des Films, Taylor Kitsch, geführt, in dem er uns frank & frei von Kämpfe gegen CGI-Gegner, riesigen Sprünge, “Battleship“, “Savages” und dem Verbleib seiner Wallemähne berichtete.

John Carter – Interview mit Taylor Kitsch

Der Mann ist sowas von sympathisch, dass man sich um seine Zukunft kaum große Sorgen machen muss – selbst wenn “John Carter” tatsächlich zum Millionengrab werden sollte.

GIGA: Im Film springst und rennst Du die ganze Zeit. Das müssen die anstrengendsten Drehtage Deines Lebens gewesen sein.

Taylor Kitsch: Die Höhe der Sprünge war zum Glück computersimuliert. Aber ja, es war unglaublich anstrengend. Nicht nur das Herumspringen. Das ganze Drumherum. Eine Sechs-Tage-Woche unter diesen Bedingungen für sieben Monate, das macht dich ganz schön fertig. Und dann musste ich ja noch die ganze Zeit über in Form bleiben und viel trainieren. Jeden morgen um halb fünf aufstehen, wenn man am allerliebsten noch zwei Stunden weiterschlafen würde.

Dreharbeiten, die sieben Monate dauern, das ist schon eine ganze Menge, oder?

Das sieht man dem Film aber hoffentlich auch an. Wir sind kreuz und quer durch die Wüsten von Utah gezogen, waren mal am Lake Powell, dann wieder in den Nationalparks bei Moab. Wir wollten soviel echte Kulissen wie möglich hinein bringen.

Dabei musst Du Dich im Kampf gegen nichtexistierende Gegner, die erst im Nachhinein in den Film eingefügt werden, ganz hervorragend geschlagen haben. So gut, dass Dich Regisseur Andrew Stanton einen modernen Bob Hoskins genannt hat, der in “Falsches Spiel mit Roger Rabbit” auch gegen das Nichts anspielt.

Ich nehme die Aussage von Andrew jetzt mal als Kompliment. Aber ich gebe das zurück. Denn man ist als Schauspieler in einer solchen Situation immer auf die Reize angewiesen, die man von außen als Hilfestellung erhält. Man braucht dann jedes mal bis zu zehn Takes mit Nichts, ohne Orientierung und visuelle Anhaltspunkte. Deswegen war ich auch jedes mal überglücklich, wenn es eine Szene gab, in der ich zusammen mit Deja Thoris mitspielte.

Taylor, Du bist in Hollywood gerade ziemlich begehrt. “John Carter” kommt jetzt in die Kinos, bald darauf “Battleship”, außerdem spielst Du die Hauptrolle in “Savages”, bei dem Oliver Stone Regie führt. Scheint für dich die Zeit des großen Durchbruchs zu sein.

Ja, irgendwie schon, das ist gerade eine gute Zeit für mich. Bei „Savages“ arbeite ich nicht nur mit Oliver Stone, sondern auch mit Benicio Del Toro und John Travolta. Ich spiele Chon, einen richtig kompromisslosen Typen, und das hat wirklich Spaß gemacht. “Battleship” wiederum hätte ich wohl nicht gemacht, wenn nicht Peter Berg Regie geführt hätte.

Peter Berg hat dich zu Beginn Deiner Karriere begleitet, als Du in der Football-Serie „Friday Night Lights“ den Trunkenbold Tim Riggins gespielt hast und Peter Regie führte. Habt ihr noch viel miteinander zu tun?

Ja, Peter ist ein sehr enger Freund von mir. Es hat immer viel Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten, auch jetzt. Für „Battleship“ ist Peter schon vor einiger Zeit auf mich zugekommen. Der Film ist eine Herzensangelegenheit von ihm. Er hat einen unglaublich guten Draht zu den Navy Seals, ist sehr eng mit diesen Jungs, die übrigens auch alle unglaublich sind. Ich bin sehr froh, dass ich über Pete so viele von ihnen kennengelernt habe, dass ich mit ihnen abhängen, quatschen und trainieren durfte.

Gab es einen Punkt, an dem sich das Glück gewendet hat?

Wahrscheinlich kann man alles zurückverfolgen zu dem Zeitpunkt, als ich obdachlos war und mich mein Manager in New York aufgegriffen hat. Und er ein großes Risiko eingegangen ist, an mich geglaubt hat, obwohl ich überhaupt nichts vorzuweisen hatte. Vielleicht war es aber auch etwas später, als ich in der Serie Friday Night Lights meine erste große Rolle als saufender College-Football-Spieler hatte. Da habe ich dann die ersten Kritiker überzeugt und das Vertrauen von Leuten gewonnen, die für Casting-Agenturen arbeiten. Dabei bin ich so gut wie nie in Hollywood. Da kennt mich keine Sau, weil ich mich niemals unter die Leute da mische. Ich lebe in Austin, Texas, fliege nach L.A., nehme an einem Meeting teil, und dann bin ich wieder raus. Ich kenne also auch nicht jene Jungschauspieler, die mit mir um spannende Rollen konkurrieren. Ich kenne auch keine Gerüchte. Ich kenne ihre Filme.

Dabei würden viele Jungschauspieler dafür sterben, in Hollywood zu sein, wenn ihre Karriere einen ersten Schub bekommt. Als es bei Dir losging, hast Du Hollywood verlassen. Wieso?

Weil ich total pleite war und zu der Zeit in meinem Auto leben musste. Aber Hollywood muss nicht sein. Und würde ich es drauf anlegen, könnte ich heute Abend dafür sorgen, dass ich nächste Woche in einem dieser Magazine stehe. Man hat immer die Wahl.

Wer ist denn dann auf diesen Parties? Lindsay Lohan und Konsorten?

Ja, sicherlich lässt sie sich hin und wieder blicken. Aber ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, weil ich ja nicht da gewesen bin. Es ist das letzte, was ich machen würde, es ist soweit weg von den wichtigen Dingen. Und es ist so unglaublich fucking fake.

Unterscheidest Du denn zwischen Filmstars und Schauspielern?

Ich unterscheide zwischen Celebrities und Schauspielern.

Was hat sich in Deinem Inneren verändert, seitdem Du nicht mehr gezwungen bist, die New Yorker U-Bahnsitze als Schlafgelegenheit zu benutzen, während Du darauf gehofft hast, eine Rolle zu ergattern?

Hoffentlich gar nicht so viel. Ich hoffe, ich habe mich nicht verändert. Durch diese Widrigkeiten versteht man vielleicht umso klarer, was das für Möglichkeiten sind, die sich da vor einem auftun. Man hat mehr zu verlieren, deswegen arbeitet man vielleicht härter als der nächste, der reinkommt, um eine Rolle zu kriegen. Ich bin auch nicht in die Welt hinaus mit dem Vorhaben, ein Star zu werden. Ich liebe es einfach zu spielen, auch kleine Filme oder Theater, egal.

Wie hoch schätzt Du, ist der Anteil, den dein Aussehen spielte, als es darum ging, die Rolle für John Carter zu besetzen?

Ich hoffe doch, dass es keine so große Rolle spielte. Sondern mehr meiner Fähigkeit geschuldet ist, die Geschichte meiner Figur zu erzählen und sie emotional glaubwürdig rüber zu bringen. Aber natürlich tut es nicht weh, ganz gut auszusehen.

Und dafür musst du ein paar Extra-Schichten im Gym einlegen, oder?

Und ob, das verkommt bei mir schon zu einem Lifestyle. Ich lebe gerne sehr aktiv, aber das hier bedeutet, alles andere abzustellen, man muss extrem diszipliniert sein. Ich habe auch mal sehr ambitioniert Eishockey gespielt, aber das hier ist tausendmal härter, alles extrem reglementiert.

Ryan Goslin hat neulich erzählt, wie absurd er das harte Training für manche Rollen findet.

Ich würde es nicht absurd nennen, denn es ist manchmal notwendig, um einen Charakter, den man spielen soll, in jeglicher Hinsicht zu erreichen. Wenn es das ist, was die Figur benötigt, musst Du eben tun, was getan werden muss. Ich spiele John Carter und wollte nicht, dass er superheldenübergroß ist, das steht in keiner Beziehung zu der Figur. Er ist eben doch ein Bürgerkriegs-Veteran. Meines Wissens gibt es keine Aufzeichnungen über aufgepumpte Kriegsveteranen auf Steroiden.

Was ist eigentlich aus Deinen wunderschönen langen Haaren geworden?

Pete (Anm. d. Red.: Peter Berg) hat sie mir genommen. Für “Battleship”. Schreib das auf: Pete nahm mir die Haare! Ich habe meine Haare elf Jahre lang getragen. Aber es ist schon in Ordnung, mal ein paar Dinge zu ändern. Und sie wachsen ja auch wieder.

Wie risikobereit muss man sein, um als Schauspieler anerkannt zu werden?

Ich bin eigentlich sehr risikofreudig. Aber als man vor ein paar Jahren auf mich zukam und fragte: “Möchtest Du in „Bang Bang Club“ einen heroinabhängigen Fotoreporter spielen, der sich am Ende des Films umbringt und für Südafrika eine Art Heiliger ist?”, da musste ich erst einmal schlucken. Aber man muss so etwas riskieren und erhält dadurch auch eine gewisse Bestätigung, die einen dazu berechtigt, mit den ganz Großens spielen, Schauspielern wie Daniel Day-Lewis zum Beispiel.

Weiterlesen: die John Carter Videokritik
Einleitung & Layout: Martin Beck. Das Interview wurde geführt von TIM RITTMANN.


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA FILM

Anzeige
GIGA Marktplatz