Kony 2012 – eine andere/ kritische Sicht der Dinge

Kony 2012“ ist ein Phänomen: 76 Millionen YouTube-Klicks zeugen von weltweiter Empörung über Joseph Kony, der seit 1987 mit seiner „Lord’s Resistance Army“ (LRA) Krieg gegen die ugandische Armee führt.

Kony 2012 – eine andere/ kritische Sicht der Dinge

In diesem Zeitraum hat Kony zwischen 30.000 und 60.000 Kinder verschleppt, was die Non-Profit-Organisation Invisible Children zu der Doku „Kony 2012“ inspirierte. Das Ziel dabei: Über das Internet so viel Aufmerksamkeit generieren, dass Joseph Kony bis Ende des Jahres im Knast landet.

Eine gute Sache? Auf jeden Fall – könnte man meinen. Nachdem GIGA einen ersten Text über diese virtuelle Kampagne veröffentlicht hatte, gab es jedoch diverse Kommentare, die auf die negativen Seiten der Aktion hinwiesen. „Kony 2012“ ist inzwischen so groß, dass ein umfassendes Abklopfen des Sujets kaum ausbleiben kann. Keine Frage: Das Omelett schmeckt nach wie vor richtig, doch die zerbrochenen Eier, die daneben liegen, sollte man ebenfalls unter die Lupe nehmen.

  • Das Hauptargument der “Kony 2012“-Gegner ist die fehlende aktuelle Relevanz von Joseph Kony und der LRA. Der Mann ist eigentlich nicht mehr aktiv, seine Truppen haben bereits rebelliert und wenn er nochmal auftritt, dann höchstens, um Vorräte zu erbeuten.
  • Es wäre also sinnvoller, mehr Aufmerksamkeit anderen, dringenden Problemen in Uganda (wie z.B. der Korruption, dem unzureichenden Schulsystem oder der wirtschaftlichen Entwicklung) zu widmen, oder z.B. die aktuellen Verbrechen in Syrien stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
  • Invisible Children kommt also zu spät, ihre Hilfe stülpt über anstatt eine konstruktive Strategie auf Augenhöhe zu verwirklichen. Auch wird durch das Video lediglich ein oberflächliches Placebo an die Rezipienten verabreicht, die sich über eine schnittige und manipulative Präsentation in den „ich habe etwas Gutes getan“-Sessel fallen lassen dürfen.
  • Kann man wirklich mit einem Video die Welt verändern, inklusive einem „action kit“, der Ende April in eine Plakatieraktion münden wird? Eine vielleicht naive Annahme, zumal Invisible Children nur 1/3 der Spendengelder in konkrete Entwicklungshilfe steckt...zu der auch die Unterstützung der ebenfalls umstrittenen ugandischen Armee gehört.
  • Die restlichen 2/3 der Spendengelder verwendet Invisible Children für Verwaltungsarbeit, politisches Lobbying und die Finanzierung der Filme. Spenden an die Organisation TRI, für die das Kony-Video wirbt, werden sogar komplett zur Finanzierung von Lobbyarbeit genutzt.


  • „Kony 2012“ bleibt eine zweischneidige Angelegenheit, vor allem für Leute, die tatsächlich helfen und nicht einfach nur einem riesigen Image-Ballon beim weiteren Aufblasen applaudieren wollen. Falls ihr tatsächlich Geld für Entwicklungshilfe übrig habt, sollte am besten zunächst ein Klick auf Charity Navigator erfolgen. Hier geht es vor allem um klare Fakten…und weniger um blanke Emotionen.

    Kony 2012 – die offizielle Internet-Seite

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