Kung Fu Panda 2 - Mehr Abenteuer - weniger Kömodie: Das sind ja ganz neue Töne

Tobias Heidemann
7

Pixar bleibt unerreicht. Auch in diesem Jahr versucht wieder eine Legion von mehr oder weniger ambitionierten Animationsfilmen am Thron des Studios zu sägen. Bisher noch ohne Erfolg. Pixar strauchelt nicht – im Gegenteil: Die werden immer besser! "WALL-E" und "Oben" waren kleine Meisterwerke. Seit dem Beginn ihres beispiellosen Siegeszuges mit der "Toy Story" ist es niemanden gelungen, einen ähnlich charmanten, cleveren und warmherzigen Streifen in die Kinos zu bringen. "Kung Fu Panda" aus dem Jahr 2008 war allerdings nah dran.

Kung Fu Panda 2  - Mehr Abenteuer - weniger Kömodie: Das sind ja ganz neue Töne

Sehr nah. DreamWorks ließ die beiden Regisseure Mark Osborne und John Stevenson ein sehr unterhaltsames CGI-Süppchen nach dem bewährten Pixar-Rezept köcheln. Für die Kleinen hatte das temporeiche Kampfkunst-Märchen um den übergewichtigen Panda-Bär Po jede Menge gut getimten Klamauk und eine nachvollziehbare Schulhof-Botschaft im Programm: Den eigentlich aussichtslosen Kampf gegen Bösewicht Tai Lung konnte das beleibte Bärchen nicht gewinnen obwohl er anders war, sondern gerade WEIL er anders war als die coolen Kids. Pos einmaliger Kampfkunst-Stil ließ sein Fett zur Waffe werden.

Die Erwachsenen freuten sich hingegen über die stilvolle Hommage an das Kung-Fu-Kino der 70er und die schenkelklopfende Dauerbelastung, die Fettwanst Po für seinen seelenfrieden-suchenden Lehrer Shifus darstellte. In seinen besten Momenten erinnerte “Kung Fu Panda” in dieser Hinsicht an die schöne Dynamik zwischen Pierre Richard und Gérard Depardieu.

Nun kehrt der legendäre Drachenkrieger Po also mit seinen Furiosen Fünf – Tigress, Crane, Monkey, Mantis und Viper – zurück in die Kinos. Auf dem Regiestuhl hat mittlerweile Jennifer Yuh Platz genommen, die bereits im Vorgänger ihre Hände in den Farbtöpfen des Art Departements hatte. Die Dame macht ihre Sache wirklich gut. Schon mit der ersten Sekunde ist man wieder drin, im “Kung Fu Panda”-Universum.


Mit einer ungemein stimmungsvollen Eingangssequenz verbreitet “Kung Fu Panda” sofort die richtige Abenteuerstimmung. Der ambitionierte, aber furchtbar fehlgeleite Sohn des Kaisers – der Pfau Shen – wird nach einer grausamen Gewalttat von seiner eigenen Familie verbannt. Shen kehrt Jahre später hasserfüllt zurück in die Hauptstadt Gongmen City, um sich dort mit einer gefährlichen Geheimwaffe zur Alleinherrschaft zu verhelfen. Shens Armee hat das Schießpulver als seinen mächtigen Verbündeten im Gepäck – die gerechten Kung Fu-Meister des Kaiserreichs sind chancenlos. Also muss Po mit den Furiosen Fünf ausziehen, um nicht nur das Reich, sondern auch das Kung Fu zu retten.

Wie Po und seine schlagkräftigen Freunde das anstellen, was genau Bösewicht Shen mit der nebulösen Vergangenheit des Panda-Bären zu tun hat und wie Po am Ende seinen inneren Frieden findet – denn um nichts anderes geht es in “Kung Fu Panda 2″ – das ist von der ersten bis zur letzten Minuten des Films wieder überaus gelungenes Animationskino.


Die Gründe dafür sind mannigfaltig: An vorderster Stelle steht der komplett neue Ton des Films. Anders als erwartet, versuchen sich Yuh und ihre Autoren nicht an einer Neuauflage des Stoffes, sondern legen den Schalter erbarmungslos auf die Actionschiene. Insbesondere in der zweiten Hälfte des Filmes kann man schon mal vergessen, dass man hier gerade in einem Animationsfilm für Kinder sitzt. Rasante Verfolgungsjagden folgen auf durchchoreografierte Kampfszenen, die wiederum in ein explosionsgespicktes Spektakel münden. “Kung Fu Panda 2″ macht keinen Gefangenen. Nicht alles davon zündet auch, doch unterm Strich ist die neue Gangart eine willkommene Weiterentwicklung.

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