Melancholia: Kinokritik - Lars von Hitler lässt die Welt untergehen

Martin Beck
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Ein neuer Film von Lars von Trier: bitte in Deckung, aus verschiedenen Gründen. Zum Beispiel, weil man einen neuen Skandal à la "Antichrist" erwartet. Oder weil man die komischen Hitler-Sprüche aus Cannes noch im Ohr hat. Oder weil von Trier sich offen zu seinen Depressionen bekennt und die Hauptdarstellerin, Justine alias Kirsten Dunst, als sein "alter ego" ausruft.

Melancholia: Kinokritik - Lars von Hitler lässt die Welt untergehen

An Lars von Trier haben sich schon immer die Geister geschieden und “Melancholia” wird daran nichts ändern. Auf der einen Seite narzistische Selbstdarstellung, filmischer Arthaus-Nebel und furchtbar arrivierte “enfant terrible”-Posen, auf der anderen Seite aber auch traumhafte Darsteller, ein großartiges Gespür für formale Eleganz und ein bisweilen unbestimmtes Gefühl, hier vielleicht doch einem großen Wurf beizuwohnen.


“Melancholia” berührt, verstört und langweilt. Wer hier erneute Schockstarre im Angesicht stämmiger Schniedel erwartet, dürfte wohl enttäuscht werden – was aber als Pluspunkt zu werten ist. Der unerträgliche Zeigefinger-Horror von “Antichrist” zeigte einen Regisseur klar ausserhalb seiner Liga, die mit “Melancholia” nun wieder auf Kurs gebracht wird und dabei sogar unverhoffte Ruhe absondert. Nach wilder Agitation wird dem Schicksal nun mit Zen-gleicher Gelassenheit begegnet.

Der Film handelt von nichts geringerem als dem Untergang der Welt, hevorgerufen durch den Planeten Melancholia, der sich auf direktem Kurs zur Erde befindet. Auf einem abgelegenen Schloss findet gerade die Hochzeit von Justine (Kirsten Dunst) und Michael (Alexander Skarsgård) statt, die durch die Vorgänge am Himmel zunehmend in Mitleidenschaft gezogen wird. Besonders die Braut reagiert verstört, doch auch ihre Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg), die die Hochzeit arrangiert hat, mag immer weniger glauben, dass die Kollission noch zu vermeiden ist.

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