Oh Dae-Su ist eigentlich ein ganz normaler Mann, Angestellter, Vater einer kleinen Tochter. Er hat nichts verbrochen, es gibt keinen Grund, warum jemand ihn entführen und fünfzehn Jahre lang in einer Zelle eingesperrt halten sollte. Doch genau das geschieht. Und als Dae-Su plötzlich wieder freikommt, bekommt er sogleich eine Aufgabe: Fünf Tage Zeit hat er, um herauszufinden, wer und warum ihn entführt hat. Schafft er das, wird sein Peiniger sich umbringen. Versagt er, wird Mido, das Mädchen, in das er sich auf den ersten Blick verliebt hat, sterben.

„Oldboy“ ist ein Rachefilm, wie er epischer und umfassender kaum sein könnte. Auf der einen Seite gibt es haarsträubende physische Gewalt, inklusive einer der fiesesten Folterszenen der Filmgeschichte, und auf der anderen Seite wahrlich erschütternde psychische Gewalt. Dae-Su, brilliant gespielt von Choi Min-Sik, geht kaputt und nimmt den Zuschauer mit sich. Er ist der Ich-Erzähler dieser Geschichte, der Kommentator, der teils mit Fernsehfloskeln, teils mit Sprichwörtern, mit Tagebucheinträgen, Wahnvorstellungen oder schier durch seine Mimik durch das Katze-Maus-Spiel des Films führt. Wenn Dae-Su schlussendlich vor seinem Gegenspieler steht und die sowohl brilliante als auch unerwartet simple Auflösung erfolgt, zerbricht der Protagonist mit einer Brutalität, die kaum noch auszuhalten ist.

Regisseur Park Chan-wook inszeniert „Oldboy“ als formale und stilistisch absolut eigenständige Wundertüte, die immer wieder überraschen kann. Ebenfalls im Angebot ist rabenschwarzer Humor, der zuweilen an der Grenze des Absurden schrammt, und die geradezu kühne Einbindung des Films in die sogenannte Rache-Trilogie, zu der weiterhin „“ und „“ gehören. Park Chan-wook ist ganz sicher kein Mann für flaches Kommerzkino, obwohl gerade „Oldboy“ ein großer Hit in Südkorea war. Man muss sich nur einmal die Szene ansehen, in der vier lebende Tintenfische verspeist werden – noch viel mehr Traute kann es im Mainstream-Kino eigentlich kaum noch geben.

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