Outrage - DVD-/BD-Kritik - Die Rückkehr von MAXIMUM BADASS

Martin Beck

Takeshi Kitano ist zurück – zumindest für die Fans der ersten Stunde, die seine Yakuza-Klassiker lieben: “Violent Cop”, “Sonatine“, “Boiling Point” und “Brother”. Lakonisches Gangsterkino zwischen Poesie und Ultragewalt. Badass to the bone. Meilensteine.

Outrage - DVD-/BD-Kritik - Die Rückkehr von MAXIMUM BADASS

Und jetzt endlich “Takeshis’”, ““, “Achilles and the Tortoise”) und ““, einem kommerziellen Samuraifilm, in dem getanzt wird. Takeshi Kitano durfte alles und machte auch alles. Ein Filmemacher, der genau das umsetzt, was man von der kompletten A-Riege Hollywoods vergeblich erwartet. Wenn genug Geld verdient ist, kommt das ihr-könnt-mich-mal-alle-Nirvana.


Doch warum dann “Outrage“? Das ihr-könnt-mich-mal-alle-Nirvana erscheint als Zen-gleicher Glückszustand, den man eigentlich nur wieder aufgeben möchte, wenn selbst schnöder Gangsterkommerz einen Meta-Anstrich bekommt. Der das Genre herunterbricht. Der Spannungskurve ins Gesicht schießt. Die Regeln so konsequent ausstellt, dass nur noch ihr blankes Gerippe übrigbleibt.

“Outrage” ist so stoisch wie nur irgendwie möglich. Ein Yakuza-Boss intrigiert angeblich gegen den großen Paten aller Syndikate und möchte seinen Ruf durch die Einschüchterung des vermuteten Kollaborateurs wieder herstellen. Natürlich geht dieser Plan schief und natürlich entsteht daraus eine Spirale aus Gewalt und Gegengewalt. Die wiederum auf Intrigen und Gegenintrigen beruht. Und dabei aber keinerlei Emotionen beinhaltet. Weil das Spiel schon längst keine Bedeutung mehr hat.


In “Outrage” herrscht eine Stimmung wie nach einem Erdbeben. Es geht um nichts mehr, die Regeln sind nur noch Staffage. Man lacht seinen Gegenüber aus und fügt ihm viehisch brutale, unaufgeregte Gewalt zu. Eine Zurschaustellung hässlicher, wild blutender Wunden. Mit dem Essstäbchen durchs Ohr und dann mit dem Teppichmesser einmal quer über die Visage. Spielerisch ist hier gar nichts mehr. Zerstörung aus der Distanz.


Wer bei “Outrage” einen neuen “Sonatine” erwartet, wird enttäuscht von dannen ziehen. Die unterkühlte Machart des Films, die unübersichtlichen Plotgewinde sind weniger ein Beitrag als vielmehr ein beklemmender Kommentar zu den Mechanismen des Yakuza-Genres. Selbst der Titel ist ein Paradoxon, zumindest bis sich am Ende dann doch noch konsequente Konfrontation entlädt. Aber dann ist es natürlich schon zu spät. Weil Takeshi Kitano tiefer als je zuvor im ihr-könnt-mich-mal-alle-Nirvana steckt. Ein Mann namens badass. Bis zum äußersten Maximum.

Fazit
“Outrage” ist zugleich Auf- und tiefes Einatmen. Ein Yakuzafilm als Genredenkmal, das Strukturen unaufgeregt einbrennt und ihnen so stoische Überhöhung verpasst. So etwas macht man nur, wenn der Drang zur Verbeugung vor dem Publikum keinerlei Rolle mehr spielt. Das Verspielte wird so weit getrieben, dass nur noch grenzenloser Ernst übrig bleibt. Eine Meta-Karikatur als finales Ausrufezeichen für ein Genre, in dem eigentlich alles schon gesagt wurde. “Outrage” ist der absolute Wahnsinn, aber genauso furchtbar unterkühlt und geradezu abschreckend brutal. Wer hier überleben will, muss ebenfalls badass sein. Was für eine veflucht schöne Vorstellung!

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