Pacific Rim – Film-Kritik: Genial verschrobenes Material-Massaker

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Ich gehöre zu denjenigen, die “Transformers 2” für großkotzigen, verschwenderischen Schwachsinn halten. So – da wir diesen Kloß nun verdaut hätten, dürfte klar sein, wohin diese Reise hier führt: Einfach nur knallig-laut und protzig – das reicht mir nicht als Gegenwert für meine Kinokarte. Wenn schon keine Story vorhanden ist, dann erwarte ich zumindest Charme, Herz oder zumindest Menschen, mit denen ich mitleiden möchte.

Enter: Guillermo del Toro. Der kleine Mexikaner, dem privat seit Jahren der Ruf des liebenswerten Obernerds vorauseilt und der beruflich mit Filmen wie „Hellboy“ oder „Pans Labyrinth“ seine Vielseitigkeit bewiesen hat. Knallig-laut oder charmant – del Toro kann beides. Und vor allem vermag er es wie nur noch die wenigsten Regisseure unserer Zeit, beides gekonnt miteinander zu verweben. Steven Spielberg hatte diese Kunstform einstmals perfektioniert, heute steht maximal noch J.J.Abrams an seiner statt.

Ich war zunächst irritiert, als die ersten Trailer zu „Pacific Rim“ den Ozean überquerten und del Toros Name über dem Schriftzug auftauchten. Gerade weil „Pans Labyrinth“ so ruhig und vielschichtig daher kam, ein malerisches Poesiealbum unvergesslicher Bilder kreierte, verwirrte mich das schiere Spektakel der ersten Eindrücke. Riesige Roboter, die alles zu Klump hauen, protzige Parolen und beinharte Typen – das hatte doch „Transformers“ schon bis zum Erbrechen durchexerziert.

Allerdings ist es eben jener Gedanke, der einen Großteil an del Toros Klasse ausmacht. Man unterschätzt ihn gerne, den kleinen Mann, gerade auch, weil seine Vita bisher keine überdimensionierten Kassenhits hervorgebracht hat. Vielleicht ist es gerade dieser Umstand: Hollywoods Mainstream-Maschinerie hat scheinbar noch keine Notiz von ihm genommen, weshalb del Toro sich und seiner Ästhetik treu bleibt.

Zunächst fällt dabei natürlich die Bildsprache ins Auge. Del Toro hat ein Auge für gute und große Bilder, erstmals mischen sich hier aber auch große Panoramen ins Portfolio bzw. dicke Moneyshots – also jene Einstellungen, die man als begeisterter Zuschauer so schnell nicht mehr vergisst. Logisch, dass ein Rudel monströser Roboter, die sich in Hongkongs Innenstadt aufs Maul hauen, für große Augen sorgen. Andererseits: So neu sind derartige Megaschlägereien nun auch nicht mehr.

Pacific Rim Film-Kritik - Still

Dass „Pacific Rim“ aber trotzdem ein Spektakel allererster Güte ist, dabei aber nicht nur den Zerstörungstrieb sondern auch das Spaßzentrum befriedigt, liegt an der cleveren und stilsicheren Regie. Die Action ist nicht einfach nur gewaltig, sie ist großartig „gestaged“ – del Toro und sein Team achten stets darauf, dass jede Action entweder cool aussieht oder die gewaltige Wucht der Geschehnissen auch auf den Zuschauer überträgt.

Wenn auf der Leinwand Metall auf Alienmasse prallen, dann rummst das Kino, dann drückt es den Zuschauer direkt in den Sitz. Und dann diese Ideen: Allein dieser geniale Moment (der leider schon im Trailer durchblitze), wenn einer der Mechs mit einem riesigen Schiffstanker zum Schwertstreich ausholt – stylischer geht nicht. Und – ebenfalls typisch für del Toro – die Kamera ist dabei immer wo sie sein soll. Nie hat man dieses verlorene Gefühl der „Transformers“-Filme, in denen das Bild völlig den Halt verliert und sich bis zum Erbrechen überschlägt.

pacific Rim - Kritik - Mech

Diese Szenen sind mit einer Dringlichkeit inszeniert, die man so aus dem Gegenwartskino kaum noch zu kennen scheint. In einem Genre, in dem es praktisch um nichts mehr geht, weil jeder und alles schier unverwundbar ist, erdrückt „Pacific Rim“ geradezu mit einer Spannung, die man so aus Actionfilmen fast nicht mehr kennt. Hier geht es noch um etwas, weil man hofft, dass das bloß gut ausgehen möge, weil eben nicht jeder vorm Tode gefeit ist.

So fühlen sich Siege noch nach Siegen an, so wirken Verluste sehr viel schwerer nach. Del Toro gelingt es zwar nicht, zwischen all die monumentalen Krach-Bumm-Momente noch glaubhafte Charakterbilder zu zwängen, aber das wäre dann vielleicht doch etwas zu viel verlangt. Denn auch wenn die Hauptpersonen leider allesamt relativ blass bleiben, webt er doch ein weiteres seiner Markenzeichen ein.

Skurrile Charaktere bevölkerten schon immer die andersweltlichen Sphären von del Toros Filmen, hier in Form zweier Wissenschaftler, die zwar immer haarscharf an der Grenze zum Overacting vorbei chargieren, aber am Ende doch den richtigen Ton treffen. So ist dann auch für die leichte Note, das nötige Augenzwinkern gesorgt, welches für del Toro-Fans ab der Hälfte des Films auch noch in Form von Ron Perlman auftritt.

Pacific Rim Poster

Pacific Rim – Filmkritik-Fazit

Es hätte so schlimm kommen können (siehe “Transformers 2″), doch der unterirdische Ansatz der bay'schen Krawallorgien wird hier meilenweit umlaufen. Guillermo del Toro beweist mit „Pacific Rim“ vielmehr, dass er auf der Höhe seines Schaffens angekommen ist. „Pans Labyrinth“ mag vielschichtiger, „Hellboy“ magischer gewesen sein, aber erst hier bemerkt man, wie gekonnt del Toro praktisch mit jedem beliebigen Filmgenre zu jonglieren scheint.

Zum einen ist dies eine ausgesprochen werkstreue Verbeugung vor dem asiatischen Monsterfilm, die sich nicht selten wie einer der grandiosen Kaiju-Filmklassiker (Godzilla, Mothra, Gamera) anfühlt – vollgepackt mit skurrilen Charakteren und drolligem Humor. Zum anderen ein herrlich losgelöster Actionfilm, der sich spielend an der Spitze des „Alles geht kaputt“-Films setzt. Und wo in „Man of Steel“ gerade zwar mindestens genauso viel zu Bruch geht, hält del Toro durch geniale Spannungsmomente den Adrenalinpegel stets am Limit.

Es gibt zwei drei Längen im Mittelteil, schwache Hauptpersonen und über die Handlung müssen wir bei einem Monsterfilm sicherlich auch nicht reden, aber all dies verblasst angesichts eines Material-Massakers, welches auf so vielen Ebenen befriedigt, dass man es nur lieben kann. Allein für del Toros Nerdhumor muss man dankbar sein: Wer nur aus Fan-Leidenschaft die Stimme von Portal-KI Glados in seinen Film einbaut, der sollte als leuchtendes Beispiel für Hollywoods Filmemacher dienen.

Wertung

wertung pacific rim

Regisseur: Guillermo del Toro
Drehbuch: Travis Beacham, Guillermo del Toro
Stars: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Rob Kazinsky, Max Martini, Ron Perlman
Deutschlandstart: 18. Juli 2013
Mehr auf der offiziellen Pacific-Rim-Seite und auf Facebook


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