Priest Kritik - Gottes Werk und Teufels Beitrag

Tobias Heidemann
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Der englische Schauspieler Paul Bettany spielte vor ein paar Jahren in dem internationalen Kassenschlager "Sakrileg" ("The Da Vinci Code") den mordenden Albino-Mönch Silas. "Priest"-Regisseur Scott Stewart hat dieser kleine Auftritt offenbar so gut gefallen, dass er ihn am liebsten nur noch als gewaltbereiten Gotteskrieger besetzen möchte. Nachdem Bettany schon in Stewarts "Legion" den Allmächtigen auf Erden vertrat, darf er nun als "Priest" schon wieder Gottes Werkzeug spielen.

Priest Kritik  - Gottes Werk und Teufels Beitrag

“Priest” versetzt seinen Zuschauer in eine ziemlich kaputte Welt. Ein Krieg zwischen Menschen und Vampiren hat nicht nur den gesamten Planeten verwüstet, sondern auch ein theokratisches Regime hervorgebracht, an dessen Spitze Monsignore Orelas, gespielt von Christopher Plummer, diktatorisch predigt. Nach dem Ende des Krieges wurden die Blutsauger von der post-apokalyptische Glaubensgemeinschaft in abgelegene Reservate gesperrt. Das ist auch besser so, denn die Vampire in “Priest” sind keine gotisch schmachtenden Robert Pattinsons (“Twilight”), sondern computeranimierte Monster, die immer auf ein schnelles Fresschen aus sind.

Paul Bettany spielt in diesem Nachkriegsszenario einen namenlosen Priester, der – wie der Rest seiner klerikalen Ordensbrüder – erst von der Kirche zum Super-Vampirjäger ausgebildet und dann fallen gelassen wurde. Einst die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Spitzzahn-Horde, ist der Priester nun obsoletes Kriegsgerät geworden.

Als dann plötzlich die Nichte (Lily Collins) des gottesfürchtigen Veteranen von ihrer kleinen Wüsten-Farm entführt wird und der ortsansässige Sheriff (Cam Gigandet) auch noch Vampire hinter dem Überfall vermutet, gibt es für den Priester natürlich kein Halten mehr. Der heilige Kircheneid wird gebrochen, das Endzeit-Bike aus dem Schuppen geholt und ein blutiges Halleluja gesprochen.


Ein postapokalyptischer Science-Fiction Thriller soll dieser Film sein, doch “Priest” ist vor allem eines: Ein Western. Hinter all dem Vampir-Gesplatter, den dystopischen Gehversuchen und den Comic-Referenzen (“Priest” basiert vage auf der gleichnamigen Reihe von Min-Woo Hyung) schlägt das Herz des Priesters vor allem wie das eines einsamen Cowboys. Jede zweite Einstellung ist dem Western-Genre entliehen und auch die Handlung stammt aus dem viel zitierten Repertoire des John Wayne. Schade nur, dass der ganze Sci-Fi-Horror-Comic-Überbau der simplen Western-Story so sehr im Wege steht.

Im Horror-Metier hat “Priest” nämlich so gut wie gar nichts zu bieten. Spannung kommt in den bienenstockartigen Vampirnestern nicht auf. Zu vorhersehbar agieren die Blutsauger, zu wenig Angst verbreitet die konventionelle Kameraführung. Auch die Endzeitstimmung mag nicht so recht zünden. Dabei hätte Regisseur Scott Stewart aus dem Religionsthema durchaus etwas machen können. Doch leider bleiben nette Ideen wie eine digitale Beichtzelle die Ausnahme der lahmen Regel.


Für eine gute Comicverfilmung fehlt es “Priest” schließlich eindeutig an Mut und Werktreue. “Thor” hat unlängst sehr schön gezeigt, dass es auch anders geht: Hier ging es nicht um den realistischen oder “menschlichen” Gehalt einer Pop-Figur, sondern um den “Thor” himself: Comic-Held und Donnergott! “Priest” destilliert aus Min-Woo Hyungs Comic-Vorlage hingegen nur ein paar blasse und austauschbare Figuren mit belanglosen Problemen.

Fazit

Mit etwas mehr Mumm und Verspieltheit hätte “Priest” durchaus zünden können, doch Drehbuchautor Cory Goodman destilliert aus Min-Woo Hyungs Comic-Vorlage nur ein paar blasse und austauschbare Figuren mit belanglosen Problemen. Die dünne Western-Story bricht zudem unter der Last der vielen inkonsequenten Genreverweise zusammen. Regisseur Scott Stewart gelingt es nicht Horror, Science-Fiction, Western und Comic auf unterhaltsame Weise zu verknüpfen. Da können auch die soliden Gun-Fu-Sequenzen und ein engagierter Paul Bettany nicht mehr viel ausrichten. Zehn “Ave Maria” bitte.

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