True Blood - Dritte Staffel Review - Ich bin ein Vampir - und das ist auch gut so!

Tobias Heidemann
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"Sind Vampire denn gerade in ?" Mit dieser Gegenfrage konterte Joss Whedon, von seinen Fans heiliggesprochener Erfinder des "Buffy"- Universums, die Anfrage eines Journalisten zu einem möglichen Reboot der Vampir-Serie. Whedon weiß natürlich, dass die guten alten Blutsauger derzeit kaum populärer sein könnten. HBOs True Blood ist diesbezüglich auch nicht ganz unschuldig.

True Blood - Dritte Staffel Review  - Ich bin ein Vampir - und das ist auch gut so!

Stephenie Meyers “Twilight”-Romanzyklus wird im Kino aktuell Bis(s) zum letzten Tropfen ausgesogen, die “Vampire Diaries” lassen die Herzen zahlloser Teenager höher schlagen und mit Genrespielerei wie “Daywalker” oder “Priest” erneuern Bram Stokers Erben ihre Mythologie im Science-Fiction und Horror Segment mit atemloser Regelmäßigkeit.


Auch die auf der Buchreihe von Charlaine Harris basierende HBO-Serie
hat 2008 – nach anfänglichen Startschwierigkeiten – maßgeblich zur Auferstehung der Vampire im Mainstream beigetragen. Anders als die oben zitierten Vertreter der untoten Zunft, konnte die erste Staffel des Südstaaten-Epos um die kesse Kellnerin Sookie Stackhouse dem Motiv aber etwas genuin Neues abringen. Oberflächlich als eine Mischung aus tragischer Lovestory und mysteriöser Kriminalgeschichte erzählt, bot “True Blood” seinen Zuschauern zu Beginn noch eine weitere, äußerst unterhaltsame Lesart an.

Grundidee ist ein gesellschaftliches Coming-Out der Vampire. Jahrhunderte lang lebten sie im Verborgenen. Dann treten die Blutsauger plötzlich weltweit ans Licht der Öffentlichkeit und damit auch ihre Kultur, ihre Lebensweise, ihre Sexualität. Der Ausbruch der Blutsauger aus dem Privaten geht in “True Blood” einher mit zahlreichen Konflikten. Obwohl sie nicht länger auf das Blut anderer Menschen angewiesen sind – dem namensgebende Synthetik-Saft “True Blood” sei Dank – begegnet man ihnen vielerorts mit Vorurteilen, Rassismus und immer wieder auch mit Gewalt.

“True Blood” bedient sich bei der Darstellung der tageslichtscheuen Subkultur immer wieder bei realen Vorbildern. So müssen sich die öffentlich bekennenden Vampire mit ganz ähnlichen Ressentiments herumschlagen, wie sie seinerzeit der Bürgerrechts-, sowie der Schwulen- und Lesbenbewegung begegneten. Aus dem christlich-fundamentalistischen Slogan “God hates Fags” (Gott hasst Schwuchteln) wird so ein “God hates Fangs” – Gott hasst Reißzähne. Die Ansiedelung von “True Blood” in einem fiktiven und erzkonservativen Südstaaten-Nest in Louisiana kommt somit nicht von ungefähr.

Leider verloren die Macher der Serie in der zweiten Staffel all diese interessanten Themen vollkommen aus dem Auge. “True Blood” geriet zu einem unübersichtlichen Dickicht aus Fabelwesen, Soap-Geschwofe und erzählerischen Einbahnstraßen. PR und Medienecho hatten der Serie ein Image verpasst, das wenig mit den ursprünglichen Absichten der Autoren zu tun hatte. Die zweite Staffel stellte deshalb den fragwürdigen Versuch dar, diesem Image, beziehungsweise den Erwartungen des neu gewonnenen Publikums, auch gerecht zu werden. Sex und Gewalt wurden in Staffel zwei immer mehr zum Selbstzweck und auch das Vampir-Thema nahm zusehends konventionelle Gestalten an.

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